Altersvorsorge In Stuttgart müssen Sparer besonders viel zurücklegen

Bereits in jungen Jahren sollte man sich durchrechnen, wie man die Rücklagen für das Alter gestalten kann. Foto: Adobe Stock//Elnur Amikishiyev

Eine Studie des Versicherungsverbands GDV gibt Empfehlungen zur Sicherung des Lebensstandards im Ruhestand. In wirtschaftsstarken Regionen wie Stuttgart müssen Sparer besonders viel zurücklegen, wenn sie keine Abstriche machen wollen.

Frankfurt - Mehr als 300 Euro monatlich sollte ein Stuttgarter Durchschnittsverdiener zurücklegen, um im Alter seinen gewohnten Lebensstandard zu sichern. Zu diesem Ergebnis gelangt eine Studie, die der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) vorgelegt hat. Die Berechnungen beziehen sich auf vollzeitbeschäftigte Sparer im Alter von heute 40 Jahren, die mit 26 mit der Vorsorge begonnen haben und 2047 in den Ruhestand eintreten.

 

Als erstrebenswert werden dabei Altersbezüge von 55 Prozent des vor Renteneintritt erzielten Durchschnittseinkommens angenommen. Für Regionen wie den Großraum Stuttgart, wo die Lebenshaltungskosten über dem Bundesdurchschnitt liegen, wurde aber noch ein Aufschlag hinzugerechnet.

Das Verhältnis von 55 Prozent entspreche etwa dem Durchschnittsniveau der gesetzlichen Rente vor der Reform 2001, erklärte Studienleiter Heiko Burret vom Wirtschaftsforschungsunternehmen Prognos. Der Prozentsatz bezieht sich auf Altersbezüge respektive Arbeitseinkommen abzüglich der Sozialabgaben, aber vor Steuern. Da letztere im Ruhestand niedriger ausfallen als im Erwerbsleben, ist der Unterschied zwischen Nettolohn und Nettorente geringer als die Brutto-Differenz.

Um auf 55 Prozent des für das Jahr 2047 geschätzten Durchschnittseinkommens in Stuttgart zu kommen, wären laut Prognos Alterseinkünfte von insgesamt 2520 Euro erforderlich – in heutigen Preisen, also ohne Berücksichtigung der Inflationsrate. 2010 Euro könne der dem Modell zugrunde gelegte Durchschnittsverdiener mit der gesetzlichen Rente abdecken, die restlichen 510 Euro müsste er durch Instrumente der zusätzlichen Altersvorsorge ansparen. Hierfür wären laut Studienleiter Burret Sparraten von 270 Euro monatlich nötig. Mit dem Aufschlag für die hohen Lebenshaltungskosten in Stuttgart ergebe sich aber eine Rate von 330 Euro.

Ganz vorn mit anderen wohlhabenden Regionen

Mit diesen Beträgen liegt Stuttgart bundesweit in der Spitzengruppe – zusammen mit Hamburg, München, Ulm sowie einigen wohlhabenden Kreisen in Bayern und Hessen. Wo weniger verdient wird, genügen für die als erstrebenswert angenommene Einkommensersatzquote von 55 Prozent logischerweise auch geringere Alterseinkünfte.

Wegen des Stadt-Land-Gefälles liegen die empfohlenen Sparbeträge schon kurz vor den Toren Stuttgarts niedriger als in der Landeshauptstadt: Durchschnittsverdienern in Böblingen etwa empfiehlt Prognos, 260 Euro monatlich zurückzulegen. Im Bundesschnitt wären es 190 Euro.

„Die gesetzliche Rente allein reicht nicht, in keiner einzigen Region, um zu erreichen, was man vor 2001 gewöhnt war“, folgerte Peter Schwark aus der Geschäftsführung des GDV.

Zu den Monatsraten ist anzumerken, dass Sparer das Geld nicht zwingend allein aufbringen müssen. Einige erhalten Zuschüsse für eine betriebliche Altersvorsorge. Arbeitnehmer können im Rahmen eines Riester-Vertrags staatliche Sparzulagen erhalten, als Äquivalent für Selbstständige gibt es die Basis- oder Rürup-Rente.

Daten zur Verbreitung der Zusatzvorsorge veraltet

Wie viel aber wird tatsächlich für die Altersvorsorge gespart? Zahlen zur Verbreitung von Lebensversicherungen in einzelnen Regionen habe man nicht, erklärte der GDV auf Anfrage. Die Fondsgesellschaft Union Investment veröffentlichte allerdings zuletzt 2017 einen „Vorsorgeatlas“. Er gibt Auskunft über die zu erwartenden Alterseinkünfte von Sparern in 47 deutschen Regionen, die überwiegend den Regierungsbezirken entsprechen. Erstellt wurde der Atlas vom Forschungszentrum Generationenverträge der Universität Freiburg, das unter anderem Zahlen aus dem Mikrozensus 2013 auswertete.

Auch der Vorsorgeatlas zeigt, dass die gesetzliche Rente allein für viele der heute Berufstätigen nicht mehr reichen wird: Wer 2017 zwischen 35 und 49 Jahren alt war und im Regierungsbezirk Stuttgart lebt, für den wird die gesetzliche Rente im Schnitt nur 44 Prozent des letzten Brutto-Einkommens erreichen. Diejenigen, die zusätzlich bereits einen Riester-Vertrag besparen beziehungsweise Ansprüche auf eine betriebliche Altersvorsorge oder die Zusatzversorgung des öffentlichen Dienstes erwerben, dürften im Ruhestand allerdings Bezüge von insgesamt 60 Prozent des letzten Durchschnittseinkommens erhalten. In der Gruppe, die obendrein noch mit einer privaten Rentenversicherung, Wertpapieren, Immobilien oder Sparbüchern für das Alter vorsorgt, steigt die Quote auf 86 Prozent.

Wie groß die Verbreitung der ergänzenden Altersvorsorge in den einzelnen Regionen ist, geht aus dem Vorsorgeatlas indes nicht hervor. Bundesweit verfügten laut einer Erhebung im Auftrag der Bundesregierung 2015 rund 70 Prozent der gesetzlich Rentenversicherten zusätzlich über eine berufliche Altersvorsorge oder einen Riester-Vertrag. In den alten Bundesländern waren es 72 Prozent, jenseits des Ost-West-Vergleichs sind diese Zahlen aber nicht regional aufgeschlüsselt. Der nächste Alterssicherungsbericht der Bundesregierung mit frischen Daten soll noch vor Jahresende erscheinen.

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