Altes Feuerwehrhaus in S-Süd Durchs Alte Feuerwehrhaus soll frischer Wind wehen

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Der Bezirksbeirat Stuttgart-Süd wünscht ein neues Nutzungskonzept und die Sanierung. Das Alte Feuerwehrhaus soll seine Rolle als Teil der gewachsenen Stadtteilkultur besser erfüllen.

Das Alte Feuerwehrhaus am Erwin- Schoettle-Platz soll attraktiver werden. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Das Alte Feuerwehrhaus am Erwin- Schoettle-Platz soll attraktiver werden. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

S-Süd - Das alte Feuerwehrhaus ist in die Jahre gekommen - und das nach Meinung des Bezirksbeirats in zweifacher Hinsicht: Das denkmalgeschützte Gebäude aus dem Jahr 1888 ist sanierungsbedürftig, in den 1980-iger Jahren war es restauriert worden. Aber auch mit Blick auf seine Nutzung ist frischer Wind erwünscht. „Nach 30 Jahren Nutzung ist eine bauliche und eine strukturelle Renovierung notwendig“, forderte Bezirksbeirat Wolfgang Jaworek (Grüne).

Auf Antrag seiner Fraktion hat der Bezirksbeirat deshalb beschlossen, einen Runden Tisch einzurichten, der sich mit neuen Nutzungsmöglichkeiten befasst. „Das Haus könnte attraktiver sein“, kommentierte Bezirksvorsteher Raiko Grieb den Vorstoß der Grünen. Jaworek übte harsche Kritik am Status quo: „So kann man mit einem solchen Gebäude und mit städtischen Geldern nicht umgehen.“ Dies schon gar nicht, wenn man die Kultur im Stadtbezirk stärken wolle.

Stadt soll ihr Versprechen einlösen

Der Runde Tisch soll mit den derzeitigen und den möglichen zukünftigen Nutzergruppen aus den Bereichen Soziales und Kultur sowie Akteuren aus dem Stadtteil wie Vertretern des Bezirksbeirats, des ­Jugendhauses, des Generationenhauses und der Stadtteilbücherei besetzt werden. Auch die Stadtverwaltung soll zum Beispiel durch das Kulturamt an der Veranstaltung vertreten sein.

Mit dem jetzigen Vorstoß will der Bezirksbeirat die Stadtverwaltung an ihr bisher nicht eingelöstes Versprechen erinnern. Sie hatte im Rahmen der Haushaltsberatung zugesagt, im ersten Quartal dieses Jahres eine Vorlage zur Renovierung und zur Überarbeitung des bisherigen Nutzungskonzepts zu präsentieren. Dies ist bisher nicht geschehen. Der Bezirksbeirat hatte in einem interfraktionellen Antrag zum Haushaltsplan 2018/19 Mittel für die Sanierung und Vorschläge für neue Nutzungsmöglichkeiten gefordert.

Von Altenarbeit bis Yogakurs

Derzeit hat die Arbeiterwohlfahrt (Awo) im ersten Stock ihre Begegnungsstätte für Senioren. Sie bietet neben vielen Angeboten für Ausflüge und andere Aktivitäten von Montag bis Freitag auch einen warmen Mittagstisch an. Außerdem haben die mobilen Dienste und die Nachbarschaftshilfe im Alten Feuerwehrhaus ihre Räume. Im Erdgeschoss befindet sich das Gemeinwesenzentrum. Zahlreiche Vereine, darunter viele ausländische Kulturvereine, bieten hier Kurse an oder mieten den Saal sowie die kleineren Seminarräume für Veranstaltungen. So wird hier regelmäßig getanzt, es gibt Vorträge, Yogakurse, Sprachunterricht, Ratschläge rund um den Gebrauch des Handys und vieles andere mehr. Verwaltet wird das Haus und dessen Nutzung durch die Vereine und Gruppierungen von der Awo.

Ein Hausmeister fehlt

In dieser Zweiteilung sieht Bezirksvorsteher Grieb einen Grund dafür, dass in dem Haus einiges quer laufe. „Das Hauptproblem ist, dass keiner in der Verwaltung dafür zuständig ist“, kritisierte er. Bezirksbeirätin Marion Eisele (SPD) machte den Vorschlag einen Stadtteilmanager für das Alte Feuerwehrhaus einzusetzen. Es müsse endlich gehandelt werden: „Das Projekt wird seit Jahren verschleppt.“ Roland Petri (CDU) sieht im Alten Feuerwehrhaus einen Teil der gewachsenen Stadtteilkultur. Dies insbesondere im Verbund mit dem künftigen neuen Jugendhaus, der ebenfalls neu geplanten Stadtteilbücherei und dem Mehrgenerationenhaus. Ralf Blankenfeld (Stadtisten) ermahnte dazu, bei Überlegungen Nutzung und Sanierung zusammen zu denken. „Ein Teil des Problems der jetzigen Nutzung liegt in der Architektur.“ Wolf-Dieter Wieland (FDP) sorgte sich, ob die bisherigen Akteure nun womöglich vor die Tür gesetzt werden sollten. Für ihn wäre die Lösung des Problems schon mit einer Stelle für einen Hausmeister gelöst.

Turm brachte den Überblick

Eingeweiht wurde das Alte Feuerwehrhaus am 5. August 1888 und der Freiwilligen Feuerwehr der Karlsvorstadt übergeben. Diese war nach einem Großbrand in der Böblinger Straße 1863 gegründet worden. Das Gebäude bot ihr fortan ausreichend Lagermöglichkeiten für die Löschmaterialien und von seinem Turm aus konnten Brände schneller erkannt werden.

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