Altes Haus wird zum Deizisauer Dorfmuseum Letzte Zeugnisse der bäuerlichen Kultur
Das letzte noch erhaltene Bauernhaus in Deizisau stammt aus dem Jahr 1891. In die Scheune soll ein Dorfmuseum einziehen.
Das letzte noch erhaltene Bauernhaus in Deizisau stammt aus dem Jahr 1891. In die Scheune soll ein Dorfmuseum einziehen.
Es ist das letzte noch erhaltene Bauernhaus seiner Art in Deizisau. Im Jahr 1891 von Cristian Clauß am Deizisauer Ortsrand erbaut, steht es heute direkt am Kreisverkehr gegenüber dem Deizisauer Rathaus an der Neckarstraße 1. Da es über mehr als 100 Jahre hinweg immer wieder ausgebaut und saniert wurde, fällt das alte Gebäude heute im Deizisauer Straßenbild nicht sonderlich auf. Derzeit ist der örtliche Heimatverein dabei, die alte Scheune zu einem Dorfmuseum umzubauen. Im Spätherbst soll es laut Vereinschef Franz Bingel feierlich eröffnet werden.
„Die Familie Clauß war eine wichtige Familie in Deizisau“, erzählt Bingel, der sich intensiv mit der Geschichte des Gebäudes und der Eigentümerfamilie beschäftigt hat. Marta Clauß, die letzte Eigentümerin des Anwesens, wurde 1928 geboren und hat in dem Bauernhaus gemeinsam mit ihren Eltern und vier Geschwistern gelebt. Ihr Elternhaus hat Marta Clauß im Jahr 2018 an die Gemeinde Deizisau verkauft, verbunden mit der Auflage, dort ein Heimatmuseum einzurichten. Zudem hat sie sich ein Wohnrecht auf Lebenszeit zusichern lassen. Inzwischen lebt die heute 94-Jährige im benachbarten Quartiershaus Palmscher Garten und kann über die Straße hinweg zusehen, wie das Dorfmuseum in der Scheune entsteht. „Wir sprechen aber alles, was wir in der Scheune arbeiten, mit ihr vorher ab“, versichert Bingel.
Im Haus selbst scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, so als ob Marta Clauß nur mal kurz zum Einkaufen gegangen ist. In der guten Stube erzählen vergilbte Fotografien auf einem kleinen Schränkchen die Familiengeschichte. Die schmale Treppe hinauf in den ersten Stock und unters Dach knarzt unter den Schritten, und im schmalen Treppenaufgang hängen alte Porträts von Männern in Uniform. Die beiden Zimmer links und rechts nutzt der Heimatverein, um zukünftige Ausstellungsstücke zu lagern. In der kleinen Küche, die aussieht, als stamme sie aus den 1970er-Jahren, spürt man, dass auch im Haus hin und wieder etwas erneuert worden ist. „Immer dann, wenn die Familie Clauß etwas Geld gehabt hat, wurde das Haus erweitert“, erzählt Bingel weiter.
Im großen Stil ist das 1952 geschehen. Das Wohnhaus wurde vergrößert und bekam einen kleinen Anbau. Ebenso die Scheune. Sie wurde erweitert und aufgestockt, ein eigener Kuhstall wurde angebaut. Insgesamt hat sich die Grundfläche des alten Bauernhauses seinerzeit fast verdoppelt. Zu erkennen sind die Erweiterungs- und Anbauten an den gemauerten roten Ziegelsteinwänden – im Gegensatz zu den Fachwerkwänden des alten Hauses. „Irgendwann Anfang der 1960er-Jahre ist im Hof ein Futtersilo dazugekommen“, sagt der Vorsitzende des Heimatvereins.
Um sich die schwere Arbeit in der Landwirtschaft zu erleichtern, hat die Familie Clauß vor allem nach dem Krieg auch regelmäßig in neue Maschinen investiert. Als Bingel und sein Team vor fast zwei Jahren begann, die Scheune auszuräumen, stießen sie neben Tonnen von altem Stroh, Mist und Spinnweben auch auf einige alte landwirtschaftliche Geräte, beispielsweise auf eine alte Kartoffelsteckmaschine, eine betagte Melkanlage oder auf das mehr als 70 Jahre alte „Dreschwunder“ der Allgaier Werke GmbH in Uhingen. Mit ihr gab es in den 1950er-Jahren erstmals eine Maschine, die unterschiedliche Getreidearten in einem Arbeitsgang häckseln, dreschen, reinigen und Korn, Stroh sowie Spreu an Ort und Stelle getrennt fördern konnte. Völlig klar, dass diese Maschine in der Dauerausstellung im künftigen Dorfmuseum eine Hauptrolle spielen wird.
Läuft alles nach Plan, will der Heimatverein das Dorfmuseum im Spätherbst eröffnen. Inzwischen hat er neben den Objekten, die in der Scheune und auf dem Hof gefunden wurden, mehr als 700 zum großen Teil von Deizisauern gespendete Exponate zusammengetragen, die in der Dauerausstellung oder in einer der zukünftigen Wechselausstellungen gezeigt werden sollen. Derzeit lagern sie noch unterm Dach im Wohnhaus und in der Garage neben dem Gebäude. Vom ursprünglich geplanten Namen Heimatmuseum, sind Bingel und seine Leute übrigens inzwischen abgerückt. „In dem Fall wären die Auflagen noch schärfer gewesen und für uns nicht mehr umsetzbar“, sagt Bingel.
Eröffnung
Voraussichtlich im Herbst soll in Deizisau das neue Dorfmuseum eröffnet werden. Damit man sich über den Stand der Arbeiten informieren kann, lädt der Heimatverein Deizisau, Gesellschaft für Geschichte und Kultur, am Samstag, 2. Juli, ab 14.30 Uhr zu einem Tag der offenen Scheune ins künftige Dorfmuseum ein.
Livemusik
Zum Auftakt gibt es in der Neckarstraße 1 für die Besucherinnen und Besucher Kaffee und selbst gebackene Kuchen, gegen Abend soll im Garten gemeinsam gegrillt werden. Zudem plant der Heimatverein, die Gäste mit Livemusik zu unterhalten. Den ganzen Nachmittag über sollen zudem Führungen durch die Scheune angeboten werden – in Gruppen mit acht bis zehn Teilnehmern. Laut Franz Bingel, dem Vorsitzenden des Heimatvereins, kann die Scheune allerdings aus Sicherheitsgründen nicht individuell besichtigt werden. „Wie hoffen natürlich auf schönes Wetter und eine tolle Biergartenatmosphäre“, sagt er.