Altes Krankenhaus in Marbach Fragezeichen hinter Gesundheitscampus

Auf dem Krankenhausgelände herrscht schon lange Stillstand. Foto: Archiv (Werner Kuhnle)

Von mehreren Seiten steigt der Druck, das frühere Krankenhausgelände in Marbach neu zu bebauen. Doch der Landkreis hat das Projekt unter Vorbehalt gestellt.

Es lag Aufbruchstimmung in der Luft, als im September 2022 die Ergebnisse des städtebaulichen Wettbewerbs zum Marbacher Gesundheitscampus präsentiert wurden. Endlich, nach Jahren zäher Verhandlungen, hatte man eine handfeste Vorstellung davon, wo die Reise hingehen sollte. Auf dem Siegerentwurf war zu sehen, wo die Pflegeschule, Wohnungen für Auszubildende, das Seniorenzentrum der Evangelischen Heimstiftung und anderes mehr auf dem früheren Krankenhausareal entstehen könnten. Doch seitdem herrscht wieder Stillstand – und die Unzufriedenheit darüber wächst.

 

Kreisrat sagt: In die Sache muss Tempo rein

Ralf Trettner, CDU-Kreisrat und Mitglied des Klinikenaufsichtsrats, ist es zum Beispiel ein Dorn im Auge, dass das Projekt nicht Fahrt aufnimmt. „Es ist wichtig, dass endlich Tempo in die Sache reinkommt und etwas auf dem Gelände passiert“, sagt er. Es dürfe nicht sein, dass ein geschlossenes Krankenhaus wie das in Marbach den Haushalt mit einem jährlichen Defizit von rund einer Million Euro belaste. Zumal die Entwicklung des Areals zu einem Gesundheitscampus bereits seit mehr als acht Jahren im Raum stehe, ergänzt der Marbacher Bürgermeister Jan Trost. „Rechnet man den bilanziellen Verlust also hoch, sind es schon mehr acht Millionen Euro“, sagt Trost. Der Städtebauliche Vertrag zwischen der Stadt und der Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim gGmbH sei mittlerweile ratifiziert, das Bebauungsplanverfahren starte. „Da müssen Nägel mit Köpfen gemacht werden“, betont Trost.

Ziel sei es nach wie vor, die einzelnen Bausteine wie die Pflegeschule oder die Angebote für Senioren der Evangelischen Heimstiftung umzusetzen, konstatiert Ralf Trettner. Allerdings sei in Zeiten des Fachkräftemangels zum Beispiel grundsätzlich fraglich, ob Betreiber überhaupt neue Altenheime bauen, wenn sie dann kein Personal finden. Auch deshalb dürfe man sich aus Sicht der CDU nach Alternativen umschauen, wenn sich einzelne Projekte vielleicht doch nicht verwirklichen lassen.

Landkreis kann kein Datum zum Spatenstich nennen

Inwieweit sich zudem die angespannte finanzielle Lage rund um die RKH Kliniken gGmbH zu einem Hemmschuh für Investitionen in den Gesundheitscampus erweisen könnte, bleibt abzuwarten. „Grundsätzlich möchten die Kliniken und der Landkreis den Gesundheitscampus in Marbach am Neckar weiterverfolgen“, beteuert Kreishaussprecher Andreas Fritz – um zugleich ein Aber nachzuschieben. Der Landkreis habe dieses Vorhaben „sowie andere große, bauliche Projekte der RKH Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim unter den Vorbehalt der Finanzierungsmöglichkeit gestellt“. Ein Datum für einen Spatenstich könne vor allem deshalb heute noch nicht genannt werden.

Bedeutet allerdings auch: die Projektpartner hängen ein Stück weit in der Luft. „Natürlich dauert es viel zu lange“, sagt Bernhard Schneider, Hauptgeschäftsführer der Evangelischen Heimstiftung. „Ursprünglich sollte der Bebauungsplan längst fertig sein; jetzt ist er für 2026 angekündigt“, erklärt er. „Man sagt zwar gerne ,Gut Ding will Weile haben’, aber wenn das ,Weile’ zu lange dauert, dann kommt in der Regel auch nichts Gutes mehr heraus.“ Grundsätzlich stehe man weiter zu dem Konzept mit einer Pflegeeinrichtung und betreuten Wohnungen. Leider sei aber es so, „dass Personalmangel, hohe Baupreise und langwierige, bürokratische Genehmigungsverfahren auch unsere Investitionsbereitschaft deutlich dämpfen. Schon deshalb ist es derzeit völlig offen, wann wir welche Teile des Konzeptes tatsächlich realisieren können“. Konkrete Pläne könne man aber ohnehin erst entwickeln, wenn am Bebauungsplan ein Knopf sei und man wisse, zu welchen Konditionen der Landkreis welche Grundstücke anbiete.

Ankermieter sieht ermutigendes Signal

Mit Interesse verfolgt man auch bei Theravent, was in Sachen Gesundheitscampus passiert. Der Spezialist für therapeutische Leistungen mit Kerngebiet neurologische und berufliche Reha ist Ankermieter im bestehenden Ärztehaus, belegt zudem Flächen im alten Krankenhaus. „Mit bevorstehender Stilllegung des Krankenhausgebäudes und Abriss stehen uns herausforderndere räumliche Veränderungen bevor, welche in enger Abstimmung mit der Kliniken Holding sowie dem Landkreis erarbeitet werden müssen“, erklärt Geschäftsführer Sebastian P. Schöck. Als Kompensation für die wegfallenden Flächen in der ehemaligen Klinik sei geplant, zusätzliche Räumlichkeiten im bestehenden Ärztehaus zu beziehen. Bei „perspektivisch weiterem Raumbedarf bietet die gemeinsame Entwicklung des zweiten Ärztehauses zusätzliche Möglichkeiten der Erweiterung am Standort“. Schöck erinnert daran, dass besagtes zweites Ärztehaus im städtebaulichen Konzept vorgesehen sei. Es stehe jedoch „wie alle Umfänge unter finanziellem Vorbehalt. Entsprechend ist die Signalwirkung der Unterzeichnung des Städtebaulichen Vertrags zu bewerten, welcher trotz der schwierigen Zeiten den ersten Schritt zur Realisierung des Projekts unterstreicht.“

Woher die hohen Verluste kommen

Minus
Das stillgelegte Krankenhaus in Marbach sorgt in den Büchern für ein jährliches Minus von rund einer Million Euro. Das rührt laut RKH-Kliniken-Sprecher Alexander Tsongas daher, dass auch ein außer Betrieb genommenes Gebäude Fixkosten verursacht. Ausgaben für Versicherungen und Energie sowie die Pflege der Außenanlagen fielen weiter an. „Der Altbau wird auch durch Mieter genutzt, sodass auch der Brandschutz notwendig ist“, betont Tsongas. Ein Teil des Komplexes wird zum Beispiel als Flüchtlingsunterkunft genutzt.

Geregelt
Um den Gesundheitscampus zu realisieren, musste zunächst ein städtebaulicher Vertrag unterschrieben werden, in dem geregelt ist, welcher Partner was bezahlen muss und wer bei den Planungen federführend ist. Das ist inzwischen geschehen. Als Nächstes soll bis 2026 ein Bebauungsplan für das Gebiet erstellt werden.

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