Auch bei Handwerkern ist der Imbiss sehr beliebt. Foto: Phillip Weingand
Eine Imbissbude auf dem Dorf – Lisa-Marie Gruber hat es gewagt und sich mit der „Brathütte“ selbstständig gemacht. Die klassische Currywurstbude entwickelt sich langsam, aber sicher zum Treffpunkt.
Fünfmal wie immer – so und ähnlich lauten in der Brathütte in Althütte die Bestellungen. Lisa-Marie Gruber kennt viele ihrer Kunden gut, ihr Imbiss an der Ebniseestraße hat sich in den vergangenen Monaten zu einem regelrechten Treffpunkt entwickelt. Ein Ort, an dem die Zeit ein bisschen stillzustehen scheint.
Es ist Mittagszeit, und so langsam füllt sich die Bude. Fünf junge Handwerker eines Holzbaubetriebs kommen für ihre Mittagspause – wieder mal. Man duzt sich. Das Quintett steht ganz offensichtlich auf die Currywurst Spezial – mit Zwiebeln und Mayo, zudem die schärfere Variante mit Chili. „Wir kommen eigentlich immer her, wenn wir in der Nähe zu tun haben“, erzählt einer von ihnen. Die Runde ist sich einig: Hier schmeckt’s, man wird satt, „und man darf hier rauchen“, freut sich einer der Holzbauer.
Brathütte in Althütte – Vegetarische Gerichte sucht man vergebens
Vegetarische Gerichte sucht man hier auf der Karte vergeblich, von den knusprigen Pommes mal abgesehen. Stattdessen gibt es fleischerne Klassiker: Currywurst – mit warmer Soße, das ist Gruber wichtig. Ferner Rote, Thüringer, Feuerwurst, Schweinenackensteak und Chicken-Nuggets. Getränke gibt es mit und ohne Alkohol. Dass draußen hin und wieder ein Auto vorbei braust, vergisst man dank der Pavillonplanen schnell. Es gibt zwei Holzbänke mit Polstern nebst Tisch, Stehtische und eigentlich auch nicht viel mehr. Wollen die Kunden auch nicht; abgesehen von dem obligatorischen Schwätzchen, natürlich. „Manche kommen sogar vor allem zum Quatschen her“, meint Gruber mit einem Augenzwinkern.
Die Brathütte steht an der Ebniseestraße. Foto: Weingand
Eine ganze Zeit hatte Gruber mit der Idee geliebäugelt, eine Imbissbude zu eröffnen. „Besonders im Winter, bei schönem Wetter, fehlte so etwas hier einfach“, sagt sie. „Und ganz klassische Imbissbuden sind doch fast schon ausgestorben.“ Ihre Vision: Ein kleiner Treffpunkt für alle Generationen. Zur Coronazeit schlugen sie und ihr Lebensgefährte Simon Steinbach schließlich zu und erwarben einen ausrangierten Weihnachtsmarkt-Stand.
Youtuber sorgt für Besucherzuwachs in der Brathütte
Im November 2023, nach einigem bürokratischem Aufwand, tauschte Gruber tatsächlich einen Bürojob in einem Technologieunternehmen gegen den Platz zwischen Theke und Fritteuse. Was sie als Mini-Gastronomin erwartet, wusste sie anfangs nicht wirklich. Die Unterstützung durch ihren Lebensgefährten und Vermieter war ihr jedoch sicher. Der 45-Jährige ist vom Fach, lange Zeit hat er in Althütte die Pizzeria Portofino betrieben, bis er sie kurz vor dem ersten Corona-Lockdown verkaufte. Trotzdem erzählen beide, der erste Winter sei herausfordernd gewesen: „Wir hatten damals noch keinen Pavillon, sondern einen Sonnenschirm“, erinnert sich Steinbach. Inzwischen ist es auch bei Kälte deutlich gemütlicher.
Ein Youtuber sorgte vor einiger Zeit für einen merklichen Besucherzuwachs: Andreas Gruber besuchte die Brathütte im Sommer mit seinem „Rems-Murr-Kanal“ und lobte das Schweinenackensteak aufs Höchste. Gruber bereut den Schritt in die Selbstständigkeit nicht. „Ich hatte einfach Lust darauf, etwas mit Menschen zu machen und selbstständig zu sein“, sagt sie. „Der Imbiss ist ja direkt an der Straße Richtung Ebnisee“, meint sie. Dort fahren im Sommer Biker entlang, auch im Winter ist der See ein beliebtes Ausflugsziel. Hin und wieder wird es in der kleinen Brathütte dann richtig voll – etwa, wenn Familien vom nahen Kindergarten vorbeikommen oder ein 25-köpfiger Verein sich nikolausbemützt zur Weihnachtsfeier in den Pavillon zwängt. „Das sah schon ziemlich witzig aus“, meint Gruber.