Altkleider-Recycling in Stuttgart und Region Kleiderschlacht

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In den Städten tobt ein Kampf um Sammelplätze für Textilien. Die gebrauchte Ware ist ein Vermögen wert. Dubiose Firmen treiben Kommunen mit illegalen Containern zur Verzweiflung, und alteingesessene Betriebe fürchten um ihre Existenz.

Bis zu 250 Tonnen Kleidung landen pro Monat in einem Container. Mit Altkleidern werden gute Geschäfte gemacht. Foto: www.textil-verwertung.de 3 Bilder
Bis zu 250 Tonnen Kleidung landen pro Monat in einem Container. Mit Altkleidern werden gute Geschäfte gemacht. Foto: www.textil-verwertung.de

Region Stuttgart - Die Halle, in der die vollgestopften Säcke ankommen, ist so groß, dass darin ein Zug seine Runden drehen könnte. Durch die kleinen Fenster am oberen Ende der meterhohen Holzwände kann die Sonne nur hindurchblinzeln. Die Treppe, die vom Erdgeschoss in den oberen Stock führt, ist schmal und aus Holz. Seit fast 150 Jahren steht die Fabrik in der Ritterstraße von Schwäbisch Hall. Michael Sigloch hat sein gesamtes Arbeitsleben hier verbracht. Mit großen Schritten steigt er voraus.

Oben angekommen, fliegen Jeans durch die nach Weichspüler duftende Luft. Sie werden verfolgt von Strickjacken, Sweatshirts, Tischdecken, Blusen, Hemden. Flinke Frauen an hölzernen Kommoden befreien die Kleider aus den Säcken und sortieren sie sicher zielend in Körbe und Boxen. T-Shirts und Schlafanzüge für Afrika, ärmellose Westen für Bulgarien, zerschlissene Pullover für Ungarn, wo sie zu Putzlumpen werden. Michael Sigloch, 58 Jahre alt, sagt stolz: „Hier wird dem ursprünglichen Produkt ein zweites Leben mit einem neuen Besitzer geschenkt.“

In Stuttgart waren 315 Container ohne Genehmigung platziert

Sigloch sammelt seine Gebrauchtware in Schwäbisch Hall und Göppingen, auf der Ostalb, im Rems-Murr-Kreis und in Stuttgart. 500 Container hat er aufgestellt. 250 Tonnen Altkleider kommen jeden Monat in seiner Fabrik an. Seinen Umsatz beziffert er mit rund eineinhalb Millionen Euro. Doch die letzten Monate haben ihn schwer frustriert. Das Geschäft mit den Kleidern ist zum Kampf geworden. Die Stadt Crailsheim hat den Unternehmer aufgefordert, seine 20 Boxen im Ort abzubauen. Sigloch hat zwar seit fünf Jahren eine Genehmigung dafür, doch jetzt soll sie nicht mehr gelten. In Ludwigsburg hat der Sammler erst gar keine Erlaubnis bekommen. Und in Ehningen musste er sich die Konzession für zwei Standorte vor Gericht erstreiten. „So langsam macht das echt keinen Spaß mehr“, sagt der Firmenchef, der dem Fachverband Textilrecycling vorsitzt, in dem 130 Betriebe organisiert sind.

Sigloch zieht einen Zeitungsartikel hervor und klopft wild darauf herum. „Die da machen uns das Geschäft kaputt“, schimpft er. Die da, das sind die dubiosen Sammler, die immer mehr Kommunen mit Klamottenboxen übersäen, die beste Ware herauspicken und sich aus dem Staub machen, bevor die illegale Platzbesetzung auffällt.

Alle von der Stadt Stuttgart genehmigten Kleidercontainer sehen Sie in der folgenden Karte!

 (Quelle: Stadt Stuttgart)

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