Altkleider-Sammlung im Südwesten Warum Hunderte Container verschwinden – und wo der Staat mit Geld einspringt

Viele Altkleider-Container in Baden-Württemberg werden überschwemmt mit Müll und unbrauchbaren Billig-Kleidungsstücken. Foto: Aktion Hoffnung

Wer Altkleider in einem Container loswerden möchte, muss je nach Wohnort längere Strecken zurücklegen. DRK und Co. haben die Sammlungen mancherorts komplett eingestellt.

Wer seinen Kleiderschrank ausmistet und die noch brauchbaren Klamotten nicht einfach im Hausmüll entsorgen möchte, ist dankbar über Altkleider-Container vor Ort: Kleidungsstücke in einen Sack – und im besten Fall ab auf die Reise zu einem neuen Besitzer oder zu einem neuen Leben als Putzlappen. Doch diese Kreislaufwirtschaft steckt tief in der Krise: Die gemeinnützigen Sammelorganisationen klagen über Müll in den Containern, Fast Fashion und unbrauchbare Billigware von chinesischen Plattformen wie Temu, die kaum mehr wiederverwendet werden können. Oft ein Verlustgeschäft.

 

So verschwinden an immer mehr Orten in Baden-Württemberg die Altkleider-Container – und wer seine aussortierten Klamotten loswerden möchte, muss zunehmend längere Strecken bis zur nächsten Sammelstation zurücklegen. Mehrere Kreisverbände des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) etwa haben im vergangenen und in diesem Jahr die Container-Sammlung eingestellt: Darunter Hohenlohe, Aalen, Reutlingen und Biberach, wie ein DRK-Sprecher des Landesverbands Baden-Württemberg auf Anfrage unserer Redaktion mitteilt.

Container können nur mit staatlicher Unterstützung weiterbetrieben werden

Auch die kirchliche Organisation „Aktion Hoffnung“ zieht im Bereich der Diözese Rottenburg-Stuttgart immer mehr Container ab: Vor Beginn der Krise, die sich Anfang 2025 nochmal zugespitzt habe, seien es noch rund 1400 Container gewesen, sagt Vorstand Anton Vaas im Gespräch mit unserer Zeitung. Inzwischen ist die Zahl auf 1150 geschrumpft – Tendenz weiter stark sinkend. „Ich hoffe, dass wir noch 500 Container bis 2028 über die Ziellinie retten können“, sagt Vaas. Denn ab dann sollen in EU-Ländern Textilunternehmen mit einer Gebühr dazu verpflichtet werden, die Altkleidersammlung-und entsorgung mit zu finanzieren.

Anton Vaas ist Vorstand bei der Organisation „Aktion Hoffnung“, die Hunderte Altkleider-Container im Südwesten betreibt. Foto: Aktion Hoffnung

Doch auch diesen Zeitraum von zwei Jahren überstehen die Container der Organisation nur mithilfe staatlicher Unterstützung: Mehrere Landratsämter hätten schon finanzielle Hilfe zugesagt, um die Container-Infrastruktur im Südwesten aufrechtzuerhalten, berichtet Vaas. Mit den Kreisen Tübingen, Ravensburg, Sigmaringen, Göppingen, dem Bodenseekreis, dem Ostalbkreis sowie dem Zollernalbkreis habe man eine Interimslösung bis 2028 gefunden.

In Konstanz lassen sich Auswirkungen des Container-Rückzugs beobachten

Wo die Landkreise nicht einspringen, muss die Organisation ihre Container gezwungenermaßen abbauen, sagt Vaas. Ansonsten drohe wegen des Minusgeschäfts die Insolvenz. Und dort, wo die Container einmal abgebaut seien, werden sie wohl auch nicht wiederkommen. Im Alb-Donau-Kreis, im Kreis Calw und im Enzkreis sind die Sammelpunkte von „Aktion Hoffnung“ schon verschwunden. Vaas warnt in den Gesprächen mit den Landratsämtern oft: „Wenn wir aussteigen, bekommt ihr ein Problem.“

Auswirkungen des Rückzugs der gemeinnützigen Organisationen lassen sich etwa in Konstanz beobachten: Dort haben das DRK und der Malteser Hilfsdienst sowohl in der Stadt als auch in den Ortsteilen ihre Altkleider-Container Ende Januar abgebaut. Seitdem ist es an vereinzelten, früheren Standorten zu illegalen Müll-Entsorgungen gekommen. Dort wuchsen die Müllberge schneller, als sie von den Entsorgungsbetrieben abtransportiert werden konnten. Eine Sprecherin stellte deshalb im Februar noch einmal klar: Bei Container-Standorten handele es sich „nicht um Müll-Ablageplätze“. Illegale Entsorgung sei „kein Kavaliersdelikt“. Verstöße werden geahndet. Um Altkleider loszuwerden, könne man die städtischen Altkleider-Container auf den Wertstoffhöfen nutzen.

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