Altkreis Fans können eine Halbzeit länger schlafen

Von Kathrin Klette 

Heute Abend trifft die deutsche Nationalmannschaft im Halbfinale der EM auf die Gastgeber aus Frankreich. An einigen Schulen dürfen die Jungen und Mädchen deshalb am Freitag auch erst zur zweiten Stunde kommen.

Rudelgucken Foto: factum/Bach
Rudelgucken Foto: factum/Bach

Altkreis - Nach dem Elfmeterkrimi im Viertelfinale zwischen Deutschland und Italien war an Schlafen erst mal nicht zu denken. Zum Glück war Samstag – und am nächsten Tag keine Schule. Zum Halbfinale sieht das schon wieder ganz anders aus: Denn heute Abend spielt die deutsche Elf gegen die Franzosen. Schulleiter im Altkreis müssen sich daher die Frage stellen: Lassen sie ihre Schützlinge am Freitag eine Dreiviertelstunde länger schlafen und erst zur zweiten Stunde kommen, oder findet ganz normaler Unterricht statt? Vom Kultusministerium gibt es zumindest grünes Licht für eine Fußball-freundliche Regelung.

In der Ostertag-Realschule in Leonberg fiel erst gestern ganz kurzfristig die Entscheidung: „Bei uns fällt die erste Stunde morgen für alle aus“, sagt der stellvertretende Rektor Jochen Happel. „Heute früh standen schon die ersten da und haben sich danach erkundigt“, ergänzt er schmunzelnd. Auf die Klassenarbeiten zu späteren Unterrichtszeiten hätten die Spiele aber keinen Einfluss. „Nur bringt es nichts, wenn die Schüler abends das Spiel schauen und dann total übermüdet hier auftauchen“, meint er. Auch am Gymnasium Rutesheim heißt es am Freitag: Ausschlafen für alle, die erste Stunde fällt aus. „Fußball ist unser Leben“, bekennt ganz klar der Schulleiter Jürgen Schwarz. „Unsere Schüler dürfen feiern!“

In Renningen dürfen die Schüler selbst entscheiden

In den Einrichtungen des Schulzen­trums Renningen können die Schüler selbst entscheiden, ob sie nach dem Fußballspiel zur ersten Stunde kommen möchten oder nicht. „Allerdings ist bislang keiner später gekommen oder hat sich überhaupt danach erkundigt“, berichtet der Leiter Gerhard Kicherer. Vielleicht auch deswegen, weil die reguläre Spielzeit schon vor 23 Uhr endet, vermutet er. „Vor zwei Jahren bei der WM war das schon eher gefragt, denn da waren die Anstoßzeiten ja zum Teil noch viel später.“

Unterricht gibt es in Renningen trotzdem. Denn gerade im Hinblick auf die Grundschüler „müssen sich die Eltern darauf verlassen können, dass das Betreuungsangebot da ist“. Aus diesem Grund müssen die Kinder der Heinrich-Steinhöwel-Gemeinschaftsschule Weil der Stadt, die ebenfalls eine Grundschule beinhaltet, am Freitag alle ganz regulär um 7.45 Uhr antanzen. „Die Eltern müssen ja auch ganz normal zur Arbeit wie sonst und müssen sicher sein, dass ihre Kinder versorgt sind“, sagt der Schulleiter Jochen Holzwarth. „Wenn es aber Eltern gibt, die sagen, mein Kind darf nach dem Spiel später kommen, liegt das in deren Verantwortung. Ich gehe auch davon aus, dass am Freitag und Montag in der ersten Stunde keine Klassenarbeiten geschrieben werden.“

Ingo Oeder, der Leiter der Grundschule Mönsheim, hält von dem Prozedere mit dem verspäteten Unterricht für junge Kinder nicht sonderlich viel. Zwar sind dort am Freitag Bundesjugendspiele und am Montag in der ersten Stunde sowieso kein Unterricht. Ansonsten hätten die Fußballspiele darauf aber keinen Einfluss genommen. „Anstoßzeit um 21 Uhr – das ist in meinen Augen für Grundschulkinder ohnehin keine passende Uhrzeit“, findet er.




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