Zwischen Elixieren, Bratwurstduft und Schmiedefeuer wird Waiblingen beim Altstadtfest samt Stauferspektakel zur lebendigen Zeitreise – mit Hitze, Handwerk und viel Herz.

Rems-Murr: Chris Lederer (cl)

50 Jahre Altstadtfest – das ist ein stolzes Jubiläum: „Da haben wir uns das schöne Wetter verdient!“, sagt Waiblingens Oberbürgermeister Sebastian Wolf beim mittäglichen Rundgang durch die Gassen am Samstag. Sonnig ist es jedenfalls – und auch der Waiblinger Schultes freut sich, dass bislang alles reibungslos über die Bühne geht und die Stimmung stimmt.

 
Ein Hoch auf die Stimmung und Gemütlichkeit. Internationale Tänze gab’s in der Altstadt zu sehen. Foto: Gottfried Stoppel

Kühle Getränke und schattige Plätzchen sind begehrt, gesucht und gefunden zum Beispiel beim Alten Rathaus am Marktplatz – unter dem beeindruckenden Fachwerkbau mit offenen Arkaden lässt es sich hocken: schattig und bei einem lauen Lüftchen und Kaltgetränk der Wahl. Ein Ur-Waiblinger bruddelt vorbei und erinnert sich an die Zeiten, als man sich noch mit dem Strom durch die Gassen treiben ließ. „Früher war’s voller“, sagt er. Aber das kann ja noch kommen – der Tag ist noch jung. An der Getränkekasse dauert’s ihm zu lange. Doch verdurstet ist auf dem Altstadtfest noch niemand. Und er wird gewiss nicht der Erste sein.

Den heißesten Job hat an diesem Wochenende vermutlich Marco Nagel: Der junge Mann steht beim Stauferspektakel auf der Brühlwiese (Müsste es nicht Brühwiese heißen?!) und bringt seine Kohlen zur Weißglut. Er hämmert, schwitzt und formt bei über 800 Grad aus rohem Eisen feine Werkstücke: Haarspangen, Kreuze, Haken für Kleidung – und auf Wunsch auch Heringe für die Zelte der Marktbeschicker.

Marco Nagel hat einen heißen Job. Foto: Gottfried Stoppel

Ein paar Schritte weiter auf dem Mittelaltermarkt wird geschminkt und geflochten: Nina Sontheimer aus Murrhardt betreibt dort die „Schminkerey“. Ihre Eltern waren schon beim allerersten Stauferspektakel dabei – eine echte Familien-Tradition also. Sontheimer hat sich aufs Flechten von Blumenkränzen spezialisiert und bemalt Gesichter, egal ob Mädchen oder Buben. Ein Bursche aus Böblingen hat sich den „Bärenangriff“ gewünscht und freut sich über drei rotschwarz geschminkte Kratzspuren in seinem Gesicht. „Sieht super aus!“, ruft die begeisterte Verwandtschaft, fächert sich Frischluft zu und späht, ob nicht irgendwo ein kühles „Elixier“ angeboten wurde.

Schwungvoller Gruß an die Nachbarn – ein Katapult im Einsatz. Foto: Gottfried Stoppel

Gelobt wird das Waiblinger Spektakel für seine Vielfalt und Großzügigkeit: viel Platz, liebevoll gestaltete Stände – und obendrein freier Eintritt. „Jubel, Jubel, Jubel!“, würde da das Volk auf dem Mittelaltermarkt rufen. „Da kann man ruhig ein paar Taler mehr unters Händlervolk bringen“, meint ein Besucher augenzwinkernd und nimmt auch schon den nächsten Stand ins Visir.

Kulinarische Highlights: Wildwurst für Feinschmecker

 Ein echter Publikumsmagnet beim Mittelaltermarkt in Waiblingen ist neben dem Kunsthandwerk auch das kulinarische Angebot. Besonders gefragt: die Wildwurst von Metzger Mario Rubel aus dem hessischen Vogelsberg bei Fulda. Ob Lamm, Hirsch oder Wildschwein – seine Rauchwaren kommen gut an. „Die Rauchware braucht keine Kühlung“, erklärt Rubel, der regelmäßig in Waiblingen dabei ist. „Das Flair hier ist besonders“, sagt der Metzger, der inzwischen zu den festen Größen des Markts gehört. Mit seiner Auswahl an herzhaften Spezialitäten zieht er zahlreiche Feinschmecker an.“

Jubiläum mit Ansage

Während unten auf der Brühlwiese noch Met und andere Elixiere feilgeboten und mittelalterliche Haarspangen geschmiedet werden, denkt OB Sebastian Wolf schon ans nächste Jahr. In seiner Rede erinnerte er daran, dass das Altstadtfest 1975 seinen Anfang nahm – wegen Corona-Ausfällen aber erst zum 49. Mal stattfindet. Das große Jubiläum steht also 2026 an. Und dann, so Wolf, soll noch einmal richtig gefeiert werden.