Aluminium Wie schädlich ist das Leichtmetall?

Wer beim Grillen eine Aluschale benutzt, sollte besser kein mariniertes Fleisch verwenden. Foto: Tyler Olson/Adobe Stock

Beim Essen nimmt jeder Aluminium im Körper auf. Auch in Kosmetika – beispielsweise in vielen Deos – ist das Leichtmetall enthalten. Was sollten Verbraucher darüber wissen?

Berlin - Dieses Element ist rekordverdächtig – im Guten wie im Schlechten. Nach Sauerstoff und Silicium ist Aluminium mit einem Anteil von acht Prozent dritthäufigster Stoff der Erdkruste. Weil es in der Natur nur in Verbindung mit anderen Stoffen vorkommt, wurde das Material aber erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts „entdeckt“ und in Reinform hergestellt. Das Leichtmetall eignet sich ideal für Bauteile aller Art: stabil bei geringem Gewicht, gut formbar, stromleitend und nicht rostend. Die Herstellung fällt dagegen, mindestens in puncto Umweltschutz, in die Kategorie „Heavy Metal“: Für jede Tonne reinen Aluminiums, das vor allem in den Tropen aus Bauxitgestein gewonnen wird, bleibt mindestens dieselbe Menge giftigen Rotschlamms zurück. Der Energieaufwand im Produktionsverfahren ist immens. Eine weitere Schattenseite: Über Trinkwasser und Lebensmittel gelangt das Metall auch in den Körper.

 

Ein gesunder Mensch kann etwa 99 Prozent davon wieder ausscheiden. Das restliche Aluminium braucht er allerdings genauso wenig, wie der Stoff bei Tieren oder Pflanzen irgendeine biologische Funktion erfüllt. Der britische Wissenschaftler und Alu-Kritiker Christopher Exley hat den Stoff deshalb mit einem Alien, einem „Außerirdischen“ im Körper, verglichen. Der verbleibende „bioverfügbare“ Bruchteil der aufgenommenen Gesamtmenge kann zum Problem werden, weil er vom Körper mit erwünschten Eisenteilchen verwechselt wird und so etwa in Knochen, Muskeln und sogar ins Gehirn gelangen kann. „Wir wissen vor allem aus Tierversuchen, dass bei hohen Konzentrationen Schädigungen des Zentralen Nervensystems und auch des blutbildenden und knochenbildenden Systems vorhanden sind“, sagt der Lebensmittelchemiker Thorsten Stahl, Fachgebietsleiter im Hessischen Landeslabor Kassel.

Aluminiumsalze in Deos treiben die Dosis in die Höhe

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) haben deshalb eine „tolerierbare wöchentliche Aufnahme“ („tolerable weekly intake“, TWI) von einem Milligramm Aluminium pro Kilo Körpergewicht pro Woche als Grenzwert festgelegt. Wer 70 Kilo wiegt, darf also pro Woche bis zu 70mg aufnehmen. Eine wichtige Rolle spielt dabei die lange für vernachlässigbar gering gehaltene Aufnahme von Aluminiumsalzen über die Haut durch Deodorants, denen sie beigemischt werden, um die Schweißkanäle zu verengen und zu blockieren.

So kam das staatliche deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) 2014 zu dem Schluss, dass die Aufnahmemengen von Aluminiumsalzen aus Antitranspiranten „um ein Vielfaches“ über dem TWI-Grenz-wert liegen, wenn die Haut, etwa nach einer Rasur, Verletzungen aufweist: „Da Verbraucherinnen und Verbraucher bereits über Lebensmittel hohe Mengen Aluminium aufnehmen, ist davon auszugehen, dass alleine über diesen Eintragsweg die wöchentlich tolerierbare Aufnahmemenge bei einem Teil der Bevölkerung ausgeschöpft ist.“ Würden zusätzlich aluminiumhaltige Kosmetika angewendet, „könnte der TWI dauerhaft überschritten werden und sich Aluminium im Körper anreichern“, stellte das BfR fest.

Der Stoff ist auch in Zahnpastas und Medikamenten enthalten

Einzelne Forscher wie Exley glauben, dass solche Ablagerungen des Leichtmetalls im Körper auch Alzheimer-Demenz und Brustkrebs auslösen können. Einen klaren Nachweis dafür konnten die wenigen dazu vorliegenden Studien aber bisher nicht liefern. Unstrittig ist dagegen, dass die Belastung des Körpers mit Aluminium möglichst gering sein sollte. Entkommen kann man dem Stoff nicht, da er in Lebensmittelzusätzen, Kuchenüberzügen, Medikamenten, Zahnpastas und vielen anderen Produkten verwendet wird. Aluminiumspuren finden sich im Trinkwasser, dem zur Reinigung teilweise zusätzlich Aluminiumsulfat beigemischt wird, um damit Schadstoffe ausflocken und abfiltern zu können.

Außerdem kommt das Leichtmetall von Natur aus in vielen Lebensmitteln vor. In manchem – wie Tee, Gewürzen oder Schokolade – steckt sogar besonders viel Aluminium. So stellte ein Wissenschaftlerteam um Thorsten Stahl 2011 fest, dass ein Kind mit einem Körpergewicht von 30 kg im Extremfall schon bei einem wöchentlichen Konsum von 200 Gramm Schokolade seinen TWI-Grenzwert von 30 mg erreichen würde. Schuld daran ist eine natürliche Anreicherung in der Kakaopflanze, nicht die dünne Alufolie der Verpackung.

Was macht das Aluminium im menschlichen Körper?

Aber auch die Verpackung kann es in sich haben: So fand das Team um Thorsten Stahl bei Tests mit Alu-Campinggeschirr und Grillpfannen – besonders bei der Zubereitung salziger oder saurer Speisen wie Fleisch in Marinade oder einem Fischbratling in Öl – hohe Konzentrationen von Aluminium. Bei der Untersuchung von Alu-Trinkflaschen, in denen die Forscher einen Tag lang säurehaltige Getränke (Tee und Apfelschorle) stehen ließen, stellte sich heraus, dass relativ viel des reaktionsfreudigen Metalls in die Flüssigkeit wanderte.

Hochgerechnet auf sieben Tage mit je einem halben Liter Beuteltee in einer beschichteten Flasche, zeigte sich, dass dadurch schon ein Drittel des Wochenlimits eines Kindes mit 15 Kilogramm Körpergewicht verbraucht war. In einer unbeschichteten Trinkflasche würde allein damit das Anderthalbfache des Limits erreicht. Dagegen stellten die Experten fest, dass einfache italienische Espressokannen nach einigen Benutzungen eine schützende Schicht bilden, die den Übertritt von Aluminiumionen ins Kaffeewasser fast vollständig verhindert. Toxikologen sehen längst nicht alle Fragen beantwortet, sie forschen nach weiteren Details: Was genau macht das Aluminium im menschlichen Körper?

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Computer Ernährung Gesundheit