Am Pfarrwiesen-Gymnasium Sindelfingen Wegen TikTok-Challenge Feuer gelegt?

Am Montagnachmittag bricht auf einer Schultoilette im Gymnasium in den Pfarrwiesen ein Feuer aus. Foto: SDMG/SDMG / Dettenmeyer

Am Montagnachmittag brennt es im Sindelfinger Pfarrwiesengymnasium in der Schultoilette. Schüler und Lehrer müssen evakuiert werden. Steckt dahinter eine TikTok-Challenge?

Böblingen: Martin Dudenhöffer (dud)

Kohlrabenschwarz vor Ruß und schwer mitgenommen – so sieht der Waschbeckenbereich einer Schultoilette des Pfarrwiesengymnasiums jetzt aus. Am Montag ist dort ein Brand ausgebrochen und hat für eine schnelle Evakuierung und einen größeren Feuerwehreinsatz gesorgt.

 

Gegen 15.20 Uhr hatten ein Schüler und ein Lehrer unabhängig voneinander Rauch in der Jungen-Toilette im naturwissenschaftlichen Trakt bemerkt. Umgehend wurde die Feuerwehr alarmiert, die nur wenige Minuten später mit 45 Einsatzkräften und neun Fahrzeugen am Gymnasium eintrafen. Während die rund 200 anwesenden Schülerinnen und Schüler von den Lehrkräften aus dem Gebäude geführt wurden, gelang es den Wehrleuten rasch, den Brandherd auszumachen: ein Papierhandtuchspender aus Hartkunststoff. Das Feuer war schnell gelöscht, niemand wurde verletzt. Die Schülerschaft konnte bald in das Gebäude zurückkehren. Die Toilette bleibt vorerst gesperrt. Der entstandene Sachschaden beläuft sich nach Polizeiangaben auf rund 2500 Euro.

War eine TikTok-Challenge verantwortlich?

Wie es zu dem Brand in der Schultoilette kam, ist noch unklar. Doch Schule und Polizei haben einen unschönen Verdacht. Angesichts vieler ähnlicher Fälle überall in Deutschland liegt nahe, dass der Brand in Zusammenhang mit einer TikTok-Challenge stehen könnte. Auf der Social-Media-Plattform können Jugendliche kurze Videosequenzen aufnehmen, ins Netz stellen und mit anderen kommunizieren. Besonders gefragt sind dabei Wettbewerbe, so genannte „Challenges“, bei der Aufgaben oder Mutproben zu bewältigen sind – mit zum Teil verheerenden Folgen.

Immer wieder stacheln sich die jungen Nutzer an, Verbotenes zu tun: Seifenspender oder ganze Waschbecken abzumontieren und zu stehlen, Klopapier nass zu machen und an die Wände zu werfen oder – wie zuletzt in Hessen – Toiletten in Brand zu setzen. Die hochgeladenen Videos gehen viral und generieren „Likes“.

Liegt beim Pfarrwiesengymnasium also Brandstiftung vor? Und steckt eine solche TikTok-Challenge dahinter? Die schulinternen Ermittlungen und die der Kriminalpolizei gestalten sich diesbezüglich schwierig: „Wir fürchten, keine Antwort auf die Frage zu bekommen, ob der Brand aus einer solchen Challenge herrührt, sofern wir kein Video finden oder sich der Brandverursacher outet“, erläutert eine Polizei-Pressesprecherin. Dennoch wird auch schulintern dem nachgegangen, wie der Pfarrwiesen-Lehrer Christian Sommer bestätigt, der für die Pressearbeit am „Pfarrwiesen“ zuständig ist. Für Scherze dieser Art hätte der Lehrer überhaupt kein Verständnis. „Wir reden hier dann nicht von einem kleinen Streich, sondern von Brandstiftung.“

Ein unter Umständen gefährliches Internetphänomen

Im Kreis Böblingen hat es an Schulen bereits Fälle solcher TikTok-Challenges gegeben. Das bestätigt Michael Groh, Bereichsleiter Kommunale Jugendarbeit / Jugendsozialarbeit beim Waldhaus, einem Träger, der kreisweit an 28 Schulen für die Sozialarbeit verantwortlich ist: „Wir beobachten das Phänomen, das aus den USA kommt, auch an unseren Schulen. Es gab schon ähnliche Vorkommnisse. Mittlerweile integrieren wir diese Formen von teils gefährlicher Selbstinszenierung in unsere medienpädagogische Arbeit.“ Noch halten sich großflächige, mutwillige Zerstörungen wohl in Grenzen, der Trend hin zur Selbstdarstellung vieler Jugendlicher im Netz sei aber deutlich, meint Groh.

Sollten Schüler tatsächlich den Brand im Pfarrwiesengymnasium gelegt haben, könnte dies für die Verursacher weniger Ruhm im Internet bringen, sondern ernste Konsequenzen haben. Ab 14 Jahren sind Jugendliche nämlich strafmündig.

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