Auf dem Dach des Neubaus der Calwer Passage am Rotebühlplatz steht schon ein kleiner Mischwald. Doch wann folgen die Terrassen und die Fassade?

Stuttgart - Wer von der Straße zwischen Rotebühlplatz und Theodor-Heuss-Straße nach oben blickt, sieht derzeit mehr Grau als Grün – noch. Denn in wenigen Monaten soll mit der neuen Calwer Passage das Klima-Großprojekt der Stuttgarter Innenstadt stehen: Ein Bau mit einem Mini-Mischwald auf dem Dach und zahlreichen Pflanzen auf den Terrassen und entlang der Außenfassade. Elf Bäume – Laubbäume und Kiefern – sind schon zu sehen. Der Rest der Begrünung folgt bis Jahresende.

Ende August, Anfang September folgen die nächsten Schritte im Rahmen der Gebäude-Bepflanzung, wie Cindy Mayer-Walcher, Projektmanagerin bei der zuständigen Ferdinand Piëch Holding, unserer Zeitung erklärt: „Die Vorbereitungen für die weitere Begrünung der Terrassen, Dachgärten und vor allem der Fassade sind bereits angelaufen. Im Oktober rechnen wir mit der Bepflanzung der Außenfassade. Und bis zum Ende des Jahres soll das Projekt mit der grünen Calwer Passage abgeschlossen sein.“

Der Umzug der Pflanzen nach Stuttgart steht bald an

Die Pflanzen jedenfalls existieren bereits. Sie wachsen und gedeihen seit rund zwei Jahren in der Nähe von Bremen. Bald steht der Umzug an, „möglichst stressfrei für die Pflanzen“, hofft Cindy Mayer-Walcher. Der endgültige Mix wird aus immergrünen Pflanzen, Winterjasmin, blühenden und nicht blühenden, buschigen, hängenden und sich nach oben rankenden Gewächsen bestehen.

„Die Komposition soll lebendig sein und sich an die Jahreszeit anpassen“, sagt die Projektmanagerin. Das gelte auch für den Mini-Mischwald auf dem Dach. Während die Laubbäume im Sommer in sattem Grün erstrahlen, sollen sie im Herbst bunt leuchten. Von der „Aufforstung“ könnten auch Insekten profitieren, die sonst in der asphalt- und betongeprägten Stadt keinen geeigneten Lebensraum vorfinden.

Das Projekt ist im Stadtrat umstritten

Die Bepflanzung der Calwer Passage dient aber nicht nur dem Auge, das Projekt könne auch einen Beitrag zur Verbesserung des Mikroklimas leisten. Das Grün könne Kohlendioxid und Staub aus der Luft filtern, den Straßenlärm dämpfen, Regenwasser speichern und der Sommerhitze in der stark verdichteten Stadt entgegenwirken. Cindy Mayer-Walcher sieht die Bäume und Pflanzen auch für unruhigere Wetterzeiten gewappnet: „Dem schweren Unwetter vor ein paar Wochen konnten die Bäume trotzen. Nur zwei sind etwas in Schieflage geraten.“ Natürlich seien Schäden nie ganz zu verhindern. „Wir glauben aber, dass die Bäume auch zukünftige Unwetter überstehen werden“, sagt Mayer-Walcher.

Auch wenn der Neubau ein grünes Stuttgarter Pilotprojekt darstellt, in den letzten Jahren wurden Konzept und Bau im Stadtrat durchaus kontrovers diskutiert. Nicht in allen Punkten zeigten sich die Stadträte und das verantwortliche Gremium immer vollends überzeugt. Anfängliche Sorgen über ein kahles Erscheinungsbild im Winter oder eine erhöhte Feuergefahr durch das Holz konnten wohl ausgeräumt werden. Eine weitere Kritik war, dass der Bau das Antlitz der Stuttgarter Innenstadt stark verändere, dafür aber vergleichsweise wenig in die architektonische Umgebung passen würde. Vier Jahre nach den kommunalpolitischen Diskussionen nimmt der begrünte Bau nun aber weiter Formen an.