Die Veranstaltungen und Angebote beim Schiller-Sonntag in Marbach (Kreis Ludwigsburg) reichten von wertvollen Literatur-Dokumenten bis zur Disco vor dem Rathaus.
Es war Schiller-Sonntag in Marbach, und für jeden war etwas geboten. Trotz Nieselwetter bevölkerten Scharen von Kultur-Interessierten, Wissbegierigen und Neugierigen die Schillerhöhe mit ihren Museen und Archiven. Und in der Fußgängerzone lockte der verkaufsoffene Sonntag zusätzliche Besucher an. Das breite Angebot, vom Schiller-Dokument bis zur Schiller-Schokolade, konnte sich sehen lassen. Und Bürgermeister Jan Trost äußerte sich zufrieden: „Es ist schön zu sehen, dass sich in der Stadt was tut.“
Daniela aus Marbach, die berufstätig ist, schätzt es sehr, dass in der Kulturmeile auf der Schillerhöhe „alles an einem Punkt ist“. Sie freute sich besonders auf Entdeckungen im Literaturmuseum der Moderne. Anita war extra aus Stuttgart angereist, auch sie wollte sich zuerst der Klassik widmen. „Nachher gehen wir noch runter in die Stadt, einen Kaffee trinken.“
Ein Anziehungspunkt war die neue Schiller-Ausstellung im Schiller-Museum. Gruppen von je gut zwei Dutzend Besuchern ließen sich von Mitarbeitern wie Pascal Quicker und Laura Relitzki durch die angenehm unaufdringlichen Räume in die Welt des Dichters führen. Und staunten über reizvolle kleine Kostbarkeiten wie den strengen Stundenplan des 15-Jährigen auf der Hohen Karlsschule oder – viel später – eigenhändige Korrekturen Schillers auf dem Piccolomini-Manuskript. Da wurde Klassik lebendig.
Museumsführungen sind Appetithäppchen
Besucher der Führungen waren des Lobs voll, allerdings „war es fast etwas viel.“ „Ich weiß ja wenig von der Klassik, aber alles war hochinteressant.“ Eine andere Teilnehmerin: „Das waren Appetithäppchen, gerade richtig, so dass man später gerne wiederkommt und sich in ein Thema vertiefen kann.“
Appetit konnte man auch in der Fußgängerzone bekommen, wo ein Angebot von Spiralkartoffeln über Krustenbraten bis zu Probestückchen der Schiller-Schokolade reichlich Abnehmer fand. Diese Süßigkeit bot die Fair-Trade-Steuerungsgruppe Marbach unter den Arkaden des Rathauses an. Andrea von Smercek erklärte, wie viel Schiller in dem schmackhaften Erzeugnis steckt: Schließlich diene der faire Handel den armen Ländern, und Schiller habe sich stets für die Menschrechte eingesetzt.
In diesem Sinne nutzte auch das breit aufgestellte Marbacher Bündnis für Demokratie und Vielfalt den Schiller-Sonntag für ein klares Statement. Der frühere Marbacher Bürgermeister Herbert Pötzsch erinnerte in einer kurzen Ansprache, dass der 9. November ein „deutscher Schicksalstag“ sei – unter anderem wegen des Falls der Mauer vor 36 Jahren. Pötzsch betonte: „Meinungsfreiheit ist immer auch die der anderen, nicht nur die der Gleichgesinnten.“ Er forderte mehr Toleranz und Gelassenheit. Doch vor allem in den Sozialen Medien würden „die Grenzen des Sagbaren immer weiter ausgedehnt.“ Pötzsch appellierte an die etablierten Parteien, „sich nicht von der AfD treiben zu lassen“.
Vor dem Rathaus wird getanzt
Das Ensemble Sing-for-Fun stimmte den „African Call“ an, die Marbacher Stadträte Susanne Wichmann, Lorenz Obleser und Dirk Weimann plädierten ebenfalls nachdrücklich für einen verstärkten Einsatz für Demokratie und Freiheit. Wichmann forderte „Mitgestaltung“ und zitierte Friedrich Schiller: „Wir könnten viel, wenn wir zusammenstünden.“
Später erklangen vor dem Rathaus populäre Klänge, von „Stand by me“ über „Mamma Maria“ bis zu „Macarena“. Einige Besucher tanzten dazu. Inhaber der Geschäfte zogen eine positive Bilanz des Sonntags. Markus Schneider in der Wendelinskapelle beobachtete bei den Besuchern trotz des Wetters „ausgesprochen gute Laune“. Besonders gut sei bei ihm die Marbacher Weihnachtskugel gelaufen – das rote Prachtstück ist mit dem städtischen Torturm verziert.
Auch Nicola Heinrich vom Antiquariat Friedrich sprach von „einem erfolgreichen Verlauf“. Man habe das Antiquariat auch schon weihnachtlich dekoriert. Sie betonte: „Wir sind gerne dabei, wenn es darum geht, die Innenstadt zu beleben.“ So mag der Schiller-Sonntag manchem Besucher auch Appetit auf geschäftliche Angebote in Marbach gemacht haben.