Am Stöckachplatz in Stuttgart-Ost Der Kiosk am Stöckach ist ein Dauerthema

Von Fatma Tetik 

Der Kiosk mit Imbiss am Stöckachplatz ist nach vielen Monaten wieder geöffnet. Der Pächter ist mit der Situation aber nicht glücklich. Er hätte lieber erst im Frühjahr wieder aufgemacht.

Der Imbiss in dem Kiosk am Stöckachplatz hat nach langer Zeit wieder geöffnet. Foto: Fatma Tetik
Der Imbiss in dem Kiosk am Stöckachplatz hat nach langer Zeit wieder geöffnet. Foto: Fatma Tetik

S-Ost - Wer dieser Tage am Stöckachplatz entlangläuft, dem weht – neben dem altbekannten Dönergeruch – neuerdings auch wieder der Duft von Bratwurst und Pommes um die eiskalte Nase. Der Imbiss im ehemaligen Kiosk musste aufgrund familiärer Probleme des zuständigen Kochs vorübergehend schließen. Nach acht Monaten Schließzeit brutzelt nun Nuccio di Frisco die Würstchen für hungrige Passanten.

Mitte November hat der neue Koch, der einst die Traube in Botnang betrieben hat, das Geschäft übernommen und hilft damit seinem Freund Paolo di Mauro aus. Di Mauro ist der Pächter des einstigen Kiosks, Eigentümer des kleinen Gebäudes ist die Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS).

Die Anwohner haben sich eine Belebung des Platzes gewünscht

„Es ist idiotisch, einen Imbiss mitten im Winter zu eröffnen, das ist ein Minusgeschäft“, sagt der Pächter, der auch das gegenüberliegende Restaurant „Musica è“ betreibt. Wäre es nach ihm gegangen, wäre zu geblieben, sagt di Mauro. Bei einem Gespräch mit dem Stadtteil- und Familienzentrum Stöckach und dem Eigentümer AWS sei der Wunsch an ihn herangetragen worden, den Kiosk wieder zu öffnen. Di Mauro versprach im Rahmen dieses Gesprächs, den Kiosk wieder zu öffnen. Glücklich ist er mit dieser Entscheidung nicht. „Ich habe mich massiv unter Druck gesetzt gefühlt, die Art und Weise hat mir gar nicht gefallen“, so di Mauro. Im Nachhinein habe er sich über sein Versprechen geärgert, sagt der gebürtige Sizilianer. „Aber ein Wort ist bei mir ein Wort, also habe ich wieder geöffnet.“

Martina Schütz vom Stöckachtreff weist die Vorwürfe auf Nachfrage dieser Zeitung entschieden zurück. „Wir haben niemanden unter Druck gesetzt. Der Wunsch, den Kiosk zu öffnen, kam direkt aus der Bewohnerschaft, weil sie sich eine Belebung des Ortes wünschen“, sagt Martina Schütz. Sie verweist darauf, dass ein Leerstand letztlich auch zu einem verwahrlosten Stadtbild beitrage. „Da stimme ich vollkommen zu“, erklärt di Mauro. Doch letzten Endes müsse er als Geschäftsmann die Finanzen im Blick haben. „Wenn der Kiosk zu bleibt, habe ich weniger Minus“, schildert er. Dass das Geschäft nicht gut läuft, führt Paolo di Mauro auf zahlreiche Faktoren zurück. Baustellen, Staub, Verkehr, Lärm und Dreck seien für die miesen Umsatzzahlen verantwortlich. Und: „Keiner möchte eine Wurst essen, wenn er dabei friert“, erklärt di Mauro. Zum anderen sei der Platz bei vielen Anwohnern noch immer als Obdachlosen- und Drogen-Hotspot in den Köpfen verankert. „Es braucht Geduld und Zeit, bis die Menschen den Platz anders wahrnehmen“, schildert der Italiener.

In den Plänen für die Umgestaltung spielt der Kiosk keine Rolle

Di Mauro erhofft sich durch die Stöckachplatz-Sanierung ein Umdenken in der Bevölkerung. „Ich bin optimistisch, dass der Platz attraktiver wird und sehe trotz allem großes Potenzial in dem Standort“, sagt er. Die Flinte ins Korn werfen will er nicht. Den Pachtvertrag aufzulösen, komme nicht in Frage. „Ich habe viel Geld in die Sanierung des Kiosks investiert“, so di Mauro. Allein die rot-weiße Brausereklame eines bekannten Herstellers habe ihn mehrere Tausend Euro gekostet. Die Wiedereröffnung sieht er als eine Art Probelauf. Bis Ende des Jahres will er das Geschäft und die Finanzen beobachten. Läuft es weiterhin so schlecht, soll der Imbiss erneut geschlossen werden. Denkbar sei eine saisonale Öffnung des Imbisses in den Monaten von April bis September, so di Mauro. Eventuell wolle man auf den Verkauf von Hähnchen umsteigen. „Ich bin offen für neue Ideen“, sagt der Pächter. Grundsätzlich möchte der Familienvater den Imbiss inklusive des Standortes kinderfreundlicher gestalten. „Vielleicht mache ich auch eine Eisdiele daraus“, sagt der 46-Jährige. Zumal es im unmittelbaren Umfeld nicht nur eine Metzgerei, sondern auch alle Arten von Lokalen für die Mahlzeit zwischendurch gibt. Bei all diesen Plänen gibt allerdings ein kleines Detail, das di Mauro die Entscheidung abnehmen könnte: Bislang ist der Kiosk in den Plänen der Stöckach-Sanierung nicht inbegriffen.

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