Ob dann auch die Deutsch-Portugiesische Vereinigung wieder mit dabei ist, ist fraglich. Im Vorfeld des Festes kam es zu Streitigkeiten zwischen dem Verein und dem Veranstalter (wir berichteten). Die Organisatoren um Vereinschef Mario Marino wollten Sindelfingens Portugiesen einen neuen Standort zuteilen. Diese aber sahen den Umzug vom Wettbachplatz in die Grabenstraße als Degradierung an. Gespräche verliefen erfolglos. Am Ende sagte die Deutsch-Portugiesische Vereinigung ihre Teilnahme ab.
Statt Burgfrieden eskalierte der Streit inzwischen weiter. Mario Marino hat sogar zwei Strafanzeigen gegen Mitglieder des Vereins gestellt, wie er gegenüber unserer Zeitung erklärt: „Es wurden Unwahrheiten verbreitet. Auch wurde ich persönlich beleidigt. Hier ist für mich eine rote Linie erreicht.“ Wie beide Seiten wieder auf einen gemeinsamen Nenner kommen, das weiß auch Marino noch nicht: „Wir lassen das alles mal sacken und dann schauen wir weiter. Dieser Konflikt hat viel Kraft gekostet.“
Neuer Platz, neues Glück?
Eine abgespeckte, dafür aber nicht weniger authentische Version des portugiesischen Angebots gab es in diesem Jahr deshalb in der Grabenstraße.„Die ganze Familie, Verwandte und Bekannte helfen mit“, brachte es das spanisch-portugiesische Ehepaar Ceballos-Alves auf den Punkt, die als Salutele Catering die Besucher mit Spezialitäten von der iberischen Halbinsel wie Paella und gegrilltem Fisch verwöhnten. Bei ihnen standen meist die selben Griller an Gerät und Gabel wie in den vergangenen Jahren bei der Deutsch-Portugiesischen Vereinigung. „Der Platz ist wunderbar“, bewerteten die, die trotzdem da waren, den neuen Standort in der reaktivierten Grabenstraße.
Direkt nebenan war erstmals seit Jahren die Katholische Kroatische Gemeinde wieder mit von der Partie. Ihre Spezialität: Spanferkel; am Freitag zwei, am Samstag sechs und am Sonntag noch einmal vier. „Am Freitagabend war alles innerhalb von fünf Minuten ausverkauft“, freuten sich die Organisatoren Kristina Jurisic und Antonio Bakula. Auch bei ihnen waren „viele fleißige Helferlein“ drei Tage lang im ehrenamtlichen Einsatz und die Jugendlichen des Vereins präsentierten zudem kroatische Volkstänze auf dem Schaffhauser Platz. „2026 sind wir wieder dabei!“, hat sich die Katholische Kroatische Gemeinde fest vorgenommen. Beim Gang die Lange Straße hinauf und die Planie hinunter konnten die hungrigen und durstigen Gäste innerhalb nur weniger Meter Kontinente überspringen.
Kulinarische Reise über Kontinente
Angefangen mit typisch Bosnischem und Nordmazedonischem sowie bulgarischem Hühnersteak. An der Ecke zur Planie lockten Caipirinha, Mojito und andere südamerikanische Erfrischungen, für die sich die Pforzheimer brasilianische Familie Da Silva mit allen sechs Mitgliedern ins Zeug legte.
Weiter ging es über Polen nach Afghanistan. Erst vor Kurzem nach Sindelfingen umgezogen, servierte der Afghanische Kulturverein mit fünf Frauen und einem Grillmeister unter anderem die Spezialität Kabuli mit Karotten, Rosinen und Lammfleisch. Nicht fehlen durfte „Chally’s afrikanische Gastronomie“. Südafrikanische Burenwust oder auf Wunsch auch extra scharfe Suya-Spieße hatte die quirlige Chefin im Angebot. Für Genießer der schwäbischen Küche gab es am Marktplatz Käsespätzle.
Partnerstädte waren auch dabei
Von Sondrio über Györ, Chelm und Corbeil-Essonnes bis Torgau, Dronfield und Schaffhausen – die Ziegelstraße stand ganz im Zeichen der Partnerstädte. Neben Informationen und ihre Besonderheiten gab’s auch manches Probiererle vom ungarischen Langos bis zur Thüringer Rostbratwurst.
Mario Marino zieht am Sonntagmittag ein positives Fazit: „Wir sind rundum zufrieden. Das neue Konzept mit den zwei zusätzlichen Bühnen und den neu eröffneten Standorten ging auf. Auch die Schlagerbühne war gut besucht.“ Trotz des heißen Sommerwetters und der Fakt, dass aktuell Pfingstferien sind, seien die Besucherzahlen hoch gewesen: „Am Freitag waren circa 30 000, am Samstag rund 25 000 Menschen da. Vor allem abends war kein Durchkommen mehr.“
Besondere Vorfälle, die die Polizei auf den Plan riefen, gab es Stand Sonntagmittag keine zu vermelden. „Das Internationale Straßenfest ist einfach eine Sindelfinger Institution“, unterstreicht Marino. Die „Erfolgsgeschichte“ werde nächstes Jahr natürlich wieder eine Fortsetzung erhalten – die 48. dann.