Nach dem Fund von Asiatischen Nadelameisen in Stuttgart: Was das für Spaziergänger im Rosensteinpark bedeutet – und für ihre Hunde.

Wie kürzlich berichtet, haben Forscher zunächst in der Stuttgarter Wilhelma und dann im angrenzenden Rosensteinpark eine neue, invasive Ameisenart gefunden – die Asiatische Nadelameise. Entdeckt wurden nicht nur einzelne Ameisen, sondern eine so genannte „etablierte Kolonie“ mit Nachwuchs, womit man auf eine Ansiedlung im Rosensteinpark schließen kann. Was bedeutet das nun aber für Parkbesucher? Vor allem, wenn sie mit Kindern unterwegs sind – oder auch mit Hunden?

 

Ums gleich zu sagen: Es droht keine große Gefahr. Klar ist jedoch, dass es sich bei der Ameise um eine invasive Art handelt, sprich: Sie kann heimische Arten verdrängen. Die Tiere sind schlank, glänzend schwarz und recht schnell. Sie bauen aber keine Hügel. „Die Kolonie, die ich gefunden habe, nistete in Baumrinde, die am Boden lag. Generell nisten die Ameisen aber auch im Boden unter Steinen oder Pflanzenresten“, sagt Brendon Boudinot, Kurator für Ameisen und Wespen am Senckenberg Forschungsinstitut Frankfurt, im Gespräch mit unserer Zeitung.

Ameisen überwintern im Stuttgarter Rosensteinpark

Im Stuttgarter Rosensteinpark gehen viele Menschen Freizeitbeschäftigungen nach. Foto: imago images/Arnulf Hettrich

Für Boudinot steht fest: Die Ameisen leben im Park, sie überwintern hier. Doch was passiert, wenn Parkbesucher auf die Insekten stoßen? „Ich konnte die Ameisen nicht bis zu ihrem Nest verfolgen – und kann daher nicht sagen, wie viele Nester es gibt und wie leicht sie zu finden sind“, sagt der Experte. Aufgrund seiner Erfahrung mit der Ameisensuche erwartet er aber „keine allzu großen Schwierigkeiten“. Er vermutet, dass die Koloniedichte ohnehin gering ist und es eher ein Zufall wäre, diese Ameisenart zu finden.

Auf die Suche gemacht hatte sich Boudinot, nachdem der Stuttgarter Biologie-Student Max Härtel bei einem Besuch in der Wilhelma mit seiner Mutter ungewöhnlich aussehende Ameisen entdeckt und diese mit seinem Kommilitonen David Grunicke als Asiatische Nadelameise, Fachbegriff „Brachyponera chinensis“, identifiziert hatte. Der Experte war daraufhin im angrenzenden Rosensteinpark mit einem Team der Senckenberg Gesellschaft und des Naturkundemuseums Stuttgart unterwegs.

Forscher: Stiche der Ameisen in Stuttgart tun weh

Anders als heimische Waldameisen besitzen Brachyponera einen funktionsfähigen Stachel: Die Ameise biege ihren Hinterleib nach unten und drücke dann mit ihren Stachelmuskeln den Stachel in die Haut, erklärt Boudinot. „Manchmal beißen Ameisen während des Stechens auch, aber der Biss ist völlig harmlos“, so der Forscher weiter. Das Stechen und Beißen sei eine reine Verteidigungsmaßnahmen der Tiere: „Sie verteidigen ihre Nester aggressiv.“

Doch ist der Stich wirklich gefährlich für Menschen und Hunde? Wer die Ameise googelt, stößt teils auf alarmierende Berichte. „Die Stiche sind spürbar schmerzhaft“, sagt Boudinot, „aber nicht extrem.“ An den Stichstellen treten Rötungen und Quaddeln auf. „Laut einem Bericht aus den USA verlaufen die meisten Fälle ähnlich: Es kommt nach dem Stich zu einer Nesselsucht – Uticaria genannt –, die zwei Stunden bis einige Tage anhalten kann.“ Leichtere Stiche riefen möglicherweise keine solchen Reaktionen hervor – „und die Symptome klingen innerhalb einer Stunde ab“.

Kontakt von Stuttgarter Spaziergängern mit Ameisen unwahrscheinlich

Überhaupt treten nur bei einer Minderheit der gemeldeten Fälle – „also bei etwa acht Prozent“ – Rötungen, Quaddeln und wiederkehrende Schmerzen auf. Die Symptome könnten mehrere Tage bis über eine Woche anhalten. „Mir sind keine noch schwereren Fälle bekannt“, gibt Boudinot Entwarnung.

Spaziergänger werden wohl ohnehin nicht in Kontakt mit den Ameisen kommen. Hunde, die in Büschen schnüffeln, seien eher gefährdet – oder auch Kinder, die auf dem Boden und in Büschen spielen, aus Versehen auf ein Nest stoßen und die Kolonie in Alarmbereitschaft setzen. Da die Besiedlung im Rosensteinpark aber klein ist, besteht auch hier ein sehr geringes Risiko.

Trotzdem hat Boudinot eine klare Meinung dazu, wie man mit den Asiatischen Nadelameisen im Rosensteinpark umgehen sollte: „Es wäre deutlich besser, sie zu entfernen, als sie dort zu belassen.“ Neben dem Versuch, das Vorkommen der Asiatischen Nadelameise im Park einzudämmen, hält es der Experte auch für sinnvoll, die Überwachung in diesem und in anderen Parks fortzusetzen.