Ameisenhaufen sind wichtige Ökosysteme im Garten, können aber auch Probleme verursachen. Welche Optionen man zum Umsiedeln hat und wie man den kleinen Helfern mit dem nötigen Know-how begegnet.
Ameisenhaufen in Gärten sind weit mehr als bloße Ansammlungen von Insekten – sie stellen komplexe Ökosysteme dar und nehmen eine zentrale Rolle für die Gesundheit des Bodens und das Wachstum von Pflanzen ein. Darüber hinaus verbreiten Ameisen unzählige Pflanzensamen und schaffen Lebensräume für viele andere Tierarten. Ihre Aktivitäten machen sie zu wichtigen, oft unterschätzten Helfern in naturnahen Gärten.
Jedoch können durch das Graben der Gänge die Wurzeln von Pflanzen und Gräsern gelockert oder freigelegt werden. Das kann dazu führen, dass der Rasen oder die Pflanzen schlechter mit Nährstoffen oder Wasser versorgt werden und sie absterben. Da Ameisen ihre Nester häufig auch unterirdisch unter Bodenplatten bauen, kann es zu Hohlräumen kommen, wodurch die Platten absacken und Fugen brechen können. Außerdem kann eine große Ameisenpopulation im Garten für Gartenbesitzer zum Problem werden, vor allem, wenn die Tiere bis ans Haus vordringen.
Was genau Ameisenhaufen sind, wie sie aufgebaut sind, welchem Zweck sie dienen und welche Möglichkeiten der Entfernung man hat, gibt es hier im Überblick.
Was ist ein Ameisenhaufen?
Da Ameisen nicht gerne allein leben, bauen sich die kleinen fleißigen Tiere ein Nest – und dieses ist meist ganz schön groß. Teilweise werden die Ameisenhügel über einen Meter hoch und gehen teils auch einen Meter tief in die Erde. Im Inneren dieses Hügels brütet die Königin ihre Eier aus. Und da ein Ameisenvolk häufig aus mehren hundert bis hin zu Millionen Tieren besteht, brauchen diese vielen Bewohner natürlich auch Platz. Der Haufen besteht meist aus Pflanzenfasern, Erde, Sand und Harz.
Wie ist ein Ameisenhaufen aufgebaut?
Die Oberfläche eines Ameisenhaufens besteht meist aus einer dicken Kruste, die das Nest einerseits vor Zerstörung schützt und andererseits die Regulierung von Temperatur und Klima innerhalb des Hügels anzupassen. Innerhalb eines Ameisenhügels befinden sich zahlreiche Kammern, die durch ein umfangreiches Tunnelsystem miteinander vernetzt sind. Je nach Außenklima und der damit zusammenhängenden Temperatur im Inneren des Ameisenhügels werden die Königin und ihre Eier in verschiedene Bereiche des Nests gebracht. Ist es draußen warm, befinden sie sich in einer Kammer weiter oben, wird es kühler, werden sie nach unten in die warmen Kammern gebracht.
Wie groß können Ameisenhaufen werden?
Die höchsten Ameisenhügel bauen Ameisen der Gattung Formica. Die Nester sind teilweise bis zu 2,5 Meter hoch. Im Umfang können die Nester je nach Umgebung sogar einen Umfang von bis zu 20 Metern erreichen.
Ameisenhaufen entfernen: Wie bekommt man einen Ameisenhaufen weg?
In der Regel lassen sich Ameisen recht unkompliziert dazu bewegen, umzuziehen. Die kleinen Tiere sind besonders geruchsempfindlich, weshalb das Ausbringen von Gerüchen wie Lavendel, Zimt, Zitrus oder Nelken hilfreich sein können. Befindet sich der Ameisenhaufen auf dem Rasen, kann man diesen regelmäßig wässern, denn die fleißigen Insekten mögen keine Nässe und Feuchtigkeit.
Lässt sich das Volk nicht dazu bewegen, umzuziehen, hilft eine Umsiedelung des Ameisenhaufens. Bei diesem Unterfangen ist jedoch Vorsicht geboten. Im Voraus sollte festgestellt werden, um welche Ameisenart es sich handelt.
Ameisenhaufen umsiedeln: So geht’s
Wer einen Ameisenhaufen umsiedeln möchte, benötigt folgende Materialien:
- Eimer oder Kübel
- Holzwolle
Der mit Holzwolle gefüllte Eimer wird über den Ameisenhaufen gestülpt. Die Ameisen ziehen in den Eimer um. Hierbei ist es besonders wichtig, dass die Königin mit ihren Eiern in den Eimer umzieht.
Was passiert, wenn man einen Ameisenhaufen zerstört?
Wer den Ameisenhaufen im eigenen Garten loswerden möchte, sollte prüfen, welche Ameisenart ihr Nest gebaut hat. Denn einige Ameisenarten stehen unter Naturschutz. Das Zerstören eines solchen Nestes mit seinen Bewohnern hat eine Geldstrafe zur Folge.
Alle Ameisen stehen laut des Bundesnaturschutzgesetzes unter dem sogenannten Mindestschutz. Dieser legt fest, dass es verboten ist, die Tiere mutwillig zu beunruhigen, ohne triftigen Grund zu fangen, zu verletzen oder zu gar zu töten. Auch die Lebensstätten dieser Tiere dürfen ohne vernünftigen Grund weder beeinträchtigt noch zerstört werden. Darüber hinaus zählen zahlreiche Ameisenarten zu den besonders geschützten Tierarten:
- Alpenwaldameisen
- Kerbameisen
- Gebirgs-Waldameisen
- Kahlrückige Waldameisen
- Rote Waldameisen
- Strunkameisen
- Uralameise
Für diese besonders geschützten Tiere wurde der allgemeine Schutz erweitert. So ist es untersagt, die Tiere in der Natur zu entnehmen oder gar zu töten. In die Neststruktur darf nicht eingegriffen werden.
Auch das eigenmächtige Umsiedeln eines Nests zählt als Eingriff und ist gemäß den Schutzmaßnahmen nicht zulässig. Dass der Ameisenhaufen sich im eigenen Garten befindet, ist unerheblich. Verstöße bei geschützten Arten können Geldstrafen in Höhe bis zu 50.000 Euro nach sich ziehen. Auch bei nicht geschützten Arten können Bußgelder verhängt werden. Ist eine friedliche Koexistenz nicht mehr möglich oder stellen die Ameisen eine unzumutbare Belastung für den Menschen dar, kann ein Ausnahmeantrag gestellt werden. Diese Entscheidung wird von der zuständigen Behörde getroffen.
Ameisen umsiedeln in Stuttgart: So geht’s
Wer in Stuttgart einen Antrag zur Ausnahme stellen möchte, um eine Umsiedlung von Ameisen zu erreichen, wendet sich an die Untere Naturschutzbehörde in Stuttgart, die dem Amt für Umweltschutz unterliegt. Das Amt findet sich in der Gaisburgstraße 4 in 70182 Stuttgart. Der Antrag kann formlos gestellt werden, sollte jedoch folgende Informationen beinhalten:
- Ameisenart
- Lage des Nestes
- Begründung der Umsiedlung
- Terminwunsch
- Name und Anschrift des Ameisenhegers (falls vorhanden)
Eine Umsiedlung von Ameisen kann nur von Mitte März bis Mitte Juli erfolgen. Ab August verbleibt den Tieren zu wenig Zeit, um sich ein neues Nest zu bauen und die nötigen Fettreserven anzufressen. Durchgeführt wird die Umsiedlung von einem Ameisenheger. Wer noch keinen Ameisenheger gefunden hat, kann sich von der Unteren Naturschutzbehörde in Stuttgart entsprechend beraten lassen.
Was ist ein Ameisenheger?
Ein Ameisenheger kümmert sich um Ameisenbestände, hilft den weiteren Rückgang der Arten und Bestände vorzubeugen, schützt und fördert ihre natürliche Vermehrung.
Weitere Maßnahmen gegen Ameisen im Garten finden Interessierte im Artikel „Effektive Maßnahmen gegen Ameisen im Garten“.
Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Etwaige Maßnahmen sollten rechtlich geprüft werden, Betroffene sollten sich an die zuständige Behörde wenden.