Amely Spötzl bei Valentien Stabilität für Pusteblumen

Von Georg Leisten 

Amely Spötzls Naturkunst in der Galerie Valentien ist zwar bisweilen etwas kitschig, trifft aber den grünen Zeitgeist.

„Konzentration Siebeneck“ (2019)  von Amely Spötzl Foto: Bernd Zoellner
„Konzentration Siebeneck“ (2019) von Amely Spötzl Foto: Bernd Zoellner

Stuttgart - Als beim Art Alarm die Schulklasse da war, wollten alle die Kaffeekanne streicheln. Flauschiger als mancher Teddybär ist das Porzellangefäß, das Amely Spötzl mit einem zarten Mantel aus Weidenkätzchen umhüllt hat. Die in Bonn lebende Objektkünstlerin ist eine Fundstücksammlerin der besonderen Art, denn für ihre Arbeiten verwendet sie bevorzugt Materialien aus Wald und Wiese: von Löwenzahnsamen über Rosendornen bis zu Brombeerranken. Mit ihrem Ansatz trifft die 44-Jährige genau den grünen Zeitgeist. Schließlich ist, was ihre Bildhauerkollegen mitunter aus Kunststoffen und Lacken anfertigen, alles andere als umweltfreundlich.

Auch Imke Valentien, die jetzt neuere Werke Spötzls in ihrer Stuttgarter Galerie ausstellt, nutzt den ökologischen Charakter des Oeuvres als Verkaufsargument. „Ich habe gezielt Unternehmen, die auch sonst auf Klimafreundlichkeit bedacht sind, als mögliche Käufer angesprochen“, verrät die Kunsthändlerin.

Akribisch zersägte Brombeerhölzchen

Auf den Umweltaspekt allein möchte Valentien die Künstlerin aber nicht reduziert sehen. „Spötzls Vielschichtigkeit stößt bei ganz unterschiedlichen Sammlertypen auf Interesse.“ Konzeptualistisch orientierte Käufer etwa begeisterten sich an der fast wissenschaftlichen Akribie, mit der Spötzl getrocknete Blätter aufreiht. Anhänger der konstruktiven Kunst wiederum griffen bei Skulpturen wie „Konzentration blaues Achteck“ (2200 Euro) zu: einem festen Stahlgehäuse, das akribisch zersägte Brombeerhölzchen umschließt. Wem die kitschig-ornamentalen Assemblagen aus Pflanzenresten und goldenem Stickgarn gefallen, bleibt offen. Dekorative Naturnähe scheint am Ende doch wichtiger als klarkantige umweltpolitische Botschaften. Wahrscheinlich ist genau das die Alibi-Ökologie, die manch einer sucht.

Seit mittlerweile fünf Jahren vertritt Valentien die Künstlerin. In diesem Zeitraum habe ihre Bekanntheit durch Ausstellungen und Projekte im öffentlichen Raum spürbar zugenommen. Nicht zuletzt dank einer Schau in Spötzls Geburtsstadt Biberach, die von der Galeristin vermittelt wurde. In den Preisen dagegen schlägt sich der Karrieresprung bisher noch nicht nieder. Die bei Valentien zu sehenden Arbeiten bewegen sich alle im drei- bis vierstelligen Bereich und bleiben damit auch für schmalere Sammlerbudgets zugänglich. Selbst ironische Gegenstandsverwandlungen wie das kratzige Paar „Klettenstiefel“ sind mit 2 300 Euro nicht überteuert.

Die Künstlerin hat botanische Kenntnisse

Mancher könnte die subtilen Assemblagen aus Samen oder Blütenböden für konservatorisch zu heikel halten, doch diese Bedenken räumt die Galeristin aus: „Spötzl besitzt profunde botanische Kenntnisse. Sie weiß, wie man den Dingen Stabilität verleiht.“ In ihrem Wandobjekt „Wunschverstärker“ zum Beispiel nutzt die Pflanzenkundige Glaskugeln, um Pusteblumen vor Wind- und Blasattacken zu schützen und so fit für die museale Ewigkeit zu machen.

Bis 25. Oktober, Gellertstr. 6, Di-Fr 13-18, Sa 10-14 Uhr.




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