Spielt künftig nicht mehr für Stuttgart Surge: Abwehrmann Chad-Adri Walrond Foto: Baumann/Julia Rahn
Im September 2025 findet das Endspiel der European League of Football in der Arena des VfB Stuttgart statt – dort dabei zu sein ist für das Surge-Team eine riesige Motivation. Der ELF-Club ist sicher, einen Kader basteln zu können, der um den Titel spielen wird.
Auch im Winter ist American Football hierzulande präsent – das Privatfernsehen bietet den Stars der US-Profiliga NFL eine große Bühne. Zugleich wird bei Stuttgart Surge hinter den Kulissen fleißig gewerkelt, gebastelt und geplant. Das Team will auch 2025 in der European League of Football (ELF) eine Hauptrolle spielen, schließlich findet der Schlussakt am 7. September in der Stuttgarter MHP-Arena statt. Das „Finale dahoim“, für das schon eine fünfstellige Zahl an Tickets verkauft wurde, ist eine riesige Motivation. „Unser großes Ziel ist, dieses Endspiel zu erreichen“, sagt Surge-Geschäftsführer Suni Musa, „ansonsten bräuchten wir gar nicht erst anzutreten.“
Dieses Selbstvertrauen haben sich die Stuttgarter Footballer in den vergangenen beiden Jahren hart erarbeitet. 2023 wurden sie erst im Finale von Rhein Fire gestoppt, vor drei Monaten verloren sie nach einem Drama im Dauerregen und zwei ärgerlichen Ballverlusten in der Schlussphase erneut gegen den Titelverteidiger aus Düsseldorf – diesmal im Halbfinale und nach Verlängerung. „Es war knapp. Extrem knapp“, meinte Coach Jordan Neuman nach dem unglücklichen Ausscheiden. Und versprach: „Wir werden es nächste Saison erneut versuchen.“ Daran wird nun gearbeitet.
Abgänge, die wehtun
Laut Suni Musa steht der Kader zu 60 Prozent, viele bekannte Gesichter werden demnach in Stuttgart bleiben. Allerdings nicht alle. Chad-Adri Walrond, nach Meinung des Surge-Geschäftsführers „der beste Safety der Liga“, wird zu Nordic Storm nach Dänemark wechseln. „Das tut weh“, sagt Suni Musa, der davon ausgeht, dass zumindest zwei weitere ausländische Profis Stuttgart verlassen werden: „Unser Ziel war immer, talentierte Spieler zu holen und sie besser zu machen. In diesem Job waren wir so erfolgreich, dass diese Leute nun umworben werden und gute Angebote erhalten. Das macht es uns nicht einfach. Trotzdem werden wir unsere Linie nicht verlassen – wir müssen nun eben neue Talente finden und sie entwickeln.“ Ein Fragezeichen gibt es allerdings.
Coach Jordan Neuman, Quarterback Reilly Hennessey Foto: Baumann/Julia Rahn
Quarterback Reilly Hennessey (29) hat wie im Vorjahr seinen Rücktritt angekündigt, danach aber weitere Gespräche mit den Surge-Verantwortlichen geführt. Mittlerweile ist klar: Der ehrgeizige Anführer will sich nicht mit einer Niederlage, an der er wesentlich beteiligt war, aus Stuttgart verabschieden, hat doch noch Lust auf eine Saison. Das freut die Macher, schließlich ist Hennessey unbestritten einer der stärksten Regisseure der ELF – allerdings kein Mann für die Zukunft mehr. Weshalb die Strategen der Franchise überlegen, wann der richtige Moment wäre, um sich auf der wichtigsten Position im American Football neu aufzustellen. Eine Antwort? Gibt es bisher noch nicht. Sondern nur eine Prognose von Suni Musa. „Am Ende“, erklärt der Manager, „werden wir einen Kader haben, der um den Titel spielen kann.“ In einer Liga, die sich leicht verändern wird.
Suni Musa: „Der Football-Hype in Europa wird immer größer werden“
In der vergangenen Saison waren die Barcelona Dragons und die Milano Seamen, die mit Stuttgart Surge in der Central Division spielten, in vielen Duellen chancenlos. Nächstes Jahr werden beide Teams nicht mehr dabei sein. Die Dragons ziehen sich ganz zurück, die Seamen pausieren mit dem Ziel, gestärkt zurückzukommen. „Diese Entwicklung war absehbar. Barcelona hatte schon während der Saison finanzielle Schwierigkeiten und kaum Schlagkraft, Mailand ein zu kleines Budget“, erklärt Suni Musa, der dennoch fest an die Zukunft der ELF glaubt: „Wer eine neue Liga aufbauen will, muss Rückschläge einkalkulieren. Deshalb gibt es keinen Grund, nun negative Schwingungen aufkommen zu lassen. Das Problem war, dass die ELF zu schnell gewachsen ist und es an manchen Standorten ein bisschen an Nachhaltigkeit gefehlt hat. Doch ich bin fest überzeugt davon, dass der Football-Hype in Europa immer größer werden wird.“
Bisher spielte die European League of Football mit 17 Teams, künftig werden es 16 sein – denn die Nordic Storm aus Kopenhagen stoßen neu hinzu und sind dabei, ein schlagkräftiges Team auf die Beine zu stellen. In der neuen Konstellation sieht Suni Musa viele Vorteile. Zum einen sei das Spielsystem plausibler, es wird wohl auf vier Conferences mit je vier Teams hinauslaufen. Und womöglich auf mehr Qualität. „Zwei schwache Mannschaften sind nicht mehr dabei. Ich denke, dass das Niveau insgesamt höher sein wird, ich erwarte viele ausgeglichene und spannende Spiele“, sagt der Surge-Geschäftsführer, der auch positiv sieht, dass sieben der 16 ELF-Starter aus Deutschland kommen: „Der Markt gibt es her, die Konkurrenzsituation fordert uns. Es ist doch toll, dass Football bei uns so präsent ist.“ Und das nicht nur, wenn die NFL im Fernsehen läuft.