American Football Die Scorpions-Frauen wollen diesmal mehr

Große Ziele: Deborah Joachim, Quarterback der Scorpions. Foto: imago/Eibner

Für das Ziel deutscher Meistertitel stocken die Degerlocherinnen personell auf. Vier Spielerinnen kommen vom bislang größten Rivalen. Von Sonntag an geht es parallel zur EM.

Die Stuttgart Scorpions Sisters sind mit einem sportlichen Paukenschlag und einer gelungenen Revanche in die neue Saison der American-Football-Bundesliga der Frauen gestartet: Anfang Oktober hatten sie das Finale um die deutsche Meisterschaft 2024 bei den Schwäbisch Hall Unicorns noch mit 7:14 verloren. Nun, beim ersten Wiedersehen, gab es am selben Ort einen 67:0-Erfolg (!) für die Gäste aus Degerloch. „Ganz so einfach hatten wir es uns nicht vorgestellt, auch wenn wir wussten, dass der Gegner ein paar personelle Probleme hat“, sagt die Scorpions-Spielmacherin Deborah Joachim – und fügt selbstbewusst an: „Unser Ziel ist dieses Jahr eindeutig der Gewinn des Meistertitels.“

 

Dass sich die Kräfteverhältnisse der württembergischen Rivalen deutlich in Richtung Landeshauptstadt verschoben haben, liegt nicht zuletzt am Transfermarkt-Geschehen. Vier Akteurinnen vom Kontrahenten aus Hohenlohe sind zu den Scorpions gewechselt, darunter die dänische Nationalspielerin Freya Overby, die gegen ihren Ex-Club am Sonntag gleich drei Touchdowns erzielte. Die stärksten Gegner dürften diesmal nicht schon in der Vorrundengruppe Süd warten, sondern erst im Halbfinale und Finale der Play-offs, wenn es gegen die Berlin Cobras und die Hamburg Amazons gehen könnte.

Die Stuttgarterinnen standen in den vergangenen vier Spielzeiten (2020 und 2021 fielen Corona zum Opfer) dreimal im nationalen Finale, dem „Ladiesbowl“. 2022 gewannen sie, 2019 und 2024 mussten sie sich mit der Vizemeisterschaft begnügen. „Wir gehören nicht nur zu den besten Standorten in Deutschland, sondern auch zu denen mit den meisten Spielerinnen. Leider spielt die erste Liga in dieser Saison wieder nur mit sieben Mannschaften, weil viele Vereine Probleme haben, genügend Footballerinnen zu rekrutieren“, sagt Deborah Joachim, für die sich eine persönlich besondere Konstellation ergibt. Ihr Trainer, Steven Joachim, ist zugleich ihr Ehemann.

Sportlich läuft es für die 27-Jährige nicht nur wegen des erwähnten Stuttgarter Auftaktsiegs top. Auch wird sie sich, sofern nichts Unvorhergesehenes mehr dazwischenkommt, vom kommenden Wochenende an deutsche Nationalspielerin nennen dürfen. Nach drei zuletzt absolvierten Lehrgängen wurde sie vom Bundestrainer Sebastian Ayernschmalz erstmals für die schwarz-rot-goldene Auswahl nominiert. In Vantaa steht gegen den Gastgeber Finnland das erste Spiel der Europameisterschaft 2025/26 auf dem Programm. Das Turnier wird nicht klassisch innerhalb weniger Tage in einem Land ausgetragen. Wie schon 2023/24 wetteifern vier Teams (Finnland, Deutschland, Großbritannien und Titelverteidiger Spanien) über einen Zeitraum von 15 Monaten um den Sieg, zunächst in einer Einfachrunde, ehe die danach beiden Erstplatzierten nächstes Jahr im August das Finale bestreiten.

Neun Stuttgarterinnen im EM-Kader

„Alle vier sind sportlich ungefähr gleich stark. Deshalb ist eine Prognose schwierig, weil meistens die Tagesform entscheiden wird. Unser Ziel ist aber auch da der Titel“, sagt der Nationalmannschaftsneuling Deborah Joachim, die gleich von acht Vereinskolleginnen aus Stuttgart im 45-köpfigen deutschen Kader in den hohen Norden begleitet wird. Das Spiel am Sonntag wird auf der Quarterback-Position die sehr erfahrene 35 Jahre alte Julia Schlatow von den Hamburg Amazons beginnen, die schon als Profi in der schwedischen Liga aktiv war. Eventuell schon im Laufe dieser Begegnung, ganz sicher aber im Laufe des EM-Turniers, rechnet sich die acht Jahre jüngere Stuttgarterin aber Einsatzchancen aus: „Ich bin ganz neu dabei und werde viel lernen. Bei den Vorbereitungscamps habe ich aber vom Trainerstab schon viel Lob für meine Fortschritte bekommen“, sagt Deborah Joachim.

In der Bundesliga geht es für sie erst am 7. Juni weiter. Dann treffen die Scorpions-Frauen zuhause auf die Erlangen Rebels.

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