American Football Im Vorteil ist, wer einen kühlen Kopf bewahrt

Von Bartek Langer 

Konstantin Katz ist bei den TSF Ditzingen im erweiterten Kader des Handball-Landesligisten. Seine große Leidenschaft ist jedoch das Spiel mit dem eiförmigen Ball bei den Stuttgart Scorpions. Der Bundesligist verpasst knapp die Play-Offs.

Konstantin Katz ist   nicht nur   im  Handball, sondern  vor allem   im Football Foto: Sarah Philipp
Konstantin Katz ist nicht nur im Handball, sondern vor allem im Football Foto: Sarah Philipp

Leonberg/Ditzingen - Konstantin Katz drückt auf „play“. Bähm! Auf dem Handyvideo ist der 21-Jährige bei einem Tackle zu sehen. Er kommt mit einem ordentlichen Tempo angeschossen, dann rammt er seinen Gegenspieler in den Boden. „Manchmal knallt es so richtig“, sagt er und spielt einen weiteren Clip ab, in dem er sich in die Luft schraubt und dem Kontrahenten vor der Nase den Ball weg spitzelt. Die sogenannte „Interception“, wie das Abfangen des Spielgeräts aus der Luft beim American Football genannt wird, brachte ihn jüngst in die „Plays Of The Week“ – eine Auswahl der spektakulärsten Aktionen eines Spieltags in der ersten Bundesliga, German Football League genannt.

Klar, der Sport ist nichts für Zartbesaitete, wenngleich die Entscheider stets bemüht sind, einen Kompromiss zwischen Spektakel und Sicherheit zu finden. „Man darf sich jedenfalls nicht von Aggressionen leiten lassen“, sagt er. „Wer einen kühlen Kopf bewahrt, ist im Vorteil.“ So lässt er sich selbst beim „Trash Talking“, dabei greifen die Spieler auf Psychotricks zurück, nicht aus der Reserve locken. Statt üblicher Sprüche wie etwa „Dein Spiel ist so hässlich wie deine Freundin“ gibt er schon mal ein „Gut gemacht“ von sich. „Gerade damit kommen aber viele nicht klar und sind dann ganz baff“, berichtet das Schlitzohr grinsend.

Der 21-Jährige ist mit allen Wassern gewaschen. Doch auch nach sechs Jahren bei den Stuttgart Scorpions sagt er: „Ich lerne noch immer dazu.“ Denn American Football, das anfangs nur an US-Hochschulen gespielt wurde und sich hierzulande einer immer größeren Beliebtheit erfreut, ist wie Rasenschach – der von Taktik geprägte Sport, bei dem es im Kern um Raumgewinn geht, hat eines der umfangreichsten Regelwerke überhaupt. Zum Football kam er ganz zufällig. Nachdem ein Klassenkamerad beim Fasching in voller Montur aufgeschlagen war, stand der Abiturient schon beim nächsten Training auf der Waldau, musste damals aber ausgerechnet eine Strafeinheit über sich ergehen lassen.

Eine spaßige Sache sei es dennoch gewesen, sagt er. „Trotz null Grad und eines Platzes, der komplett unter Wasser stand.“ Deshalb blieb er dabei. Er durchlief die Nachwuchs-Mannschaften U 16 und U 19, stand jeweils im Landeskader – mit letzterer wurde er auch baden-württembergischer Meister – und verdiente sich eine Berufung in die Jugend-Nationalmannschaft. In der vergangenen Saison, seiner ersten bei den Herren, sprang ein dritter Platz in der Bundesliga Süd heraus. „In den Play-Offs sind wir dann gegen Dresden ausgeschieden“, erzählt er und sagt rückblickend: „Da hätten wir einfach einen sehr guten Tag erwischen müssen.“

Konstantin Katz spielt „Safety“. Das bedeutet: Er kommt immer dann aufs Feld, wenn die Defensive am Zug ist. „Ich muss verhindern, dass der lange Pass ankommt“, erklärt der 1,83 Meter große Leonberger, der 75 Kilogramm auf die Waage bringt. Die braucht er auch, um sich Respekt zu verschaffen. „Vor anderthalb Jahren wog ich noch zehn Kilo weniger“, erzählt der Leonberger, der sich das Kampfgewicht selbstverständlich antrainierte – trotz eines Faible für Junk-Food.

Berührungsängste? Die hat er nicht. Vor allem, weil er seit der Kindheit Handball spielt, wo es bisweilen auch ordentlich zur Sache geht. Mit der Landesliga-Mannschaft der TSF Ditzingen landete er in der vergangenen Saison auf dem vierten Tabellenplatz. In der aktuellen Saison hat er erst kürzlich nach dem Saison-Ende der Football-Bundesliga wieder auf den Handball-Modus umgestellt und trainiert wieder mit dem Landesliga-Kader. Die Vorbereitung hat er mit der Mannschaft nicht mitgemacht. „Was die Athletik betrifft, ist er natürlich voll im Saft, jetzt muss er sich das handballerische Feingefühl holen“, sagt Ditzingens Trainer Jörg Kaaden, der in den Ligaspielen vorerst ohne Konstantin Katz plant. Der Rückraumspieler hat in der Leonberger Jugend diesen Sport begonnen. Übrigens: Handball ist im Hause Katz quasi Pflicht. Sein Vater spielte mit Waiblingen in der Regionalliga, und auch seine Mutter ging auf Torejagd wie jetzt sein jüngerer Bruder, der in Leonberg spielt.

Mit der Doppelbelastung kommt Konstantin bestens zurecht. Es gibt nur eine minimale Überschneidung. „Mitte April endet die Handball-Saison, und mit dem Football geht’s Anfang April los“, erklärt er, der über die Frage aber eigentlich nur müde lächeln kann, betreibt er doch noch nebenher Kampfsport (Mixed Martial Arts und Brazilian Jiu-Jitsu), hilft an Wochenenden bei der Freestyle Academy in Rutesheim aus und steht im Winter als Skilehrer im schweizerischen Flims Laax Falera auf der Piste.

Und wenn er keinen Sport treibt, dann ist Büffeln angesagt. Der 21-Jährige studiert Agrar-Biologie in Hohenheim, um später womöglich in einer der beiden Firmen seines Vaters einzusteigen. Obwohl in seiner Brust zwei Herzen schlagen, würde er sich am Ende aber für Football entscheiden. „Mit dem Handball bin ich zwar groß geworden, aber Football ist die klare Nummer eins für mich“, sagt Konstantin Katz, der aktuell mit den Stuttgart Scorpians auf dem fünften Tabellenplatz landete und die damit die Play Offs verpasst haben. Die Begeisterung ist zum einen dem „tollen Teamgeist“ geschuldet. „Der Kader besteht aus 60 Spielern, aber man spürt richtig, dass jeder für jeden da ist“, berichtet er und spricht fast schon von einem „Familiencharakter“. „Family on three, one, two, three, family!“, lautet auch der Schlachtruf der Scorpions. Und dann hat er eben noch richtig Spaß, wenn’s mal knallt. „Ich mag’s einfach, den Kopf runterzunehmen und in den Gegner reinzupreschen.“ sagt er und grinst. Dass der Kontrahent nicht selten 20 Kilogramm mehr auf den Rippen hat, interessiert ihn übrigens herzlich wenig. Dann heißt es Bähm! – wie auf dem Handyvideo.




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