American Football: Stuttgart Scorpions Nach Milz- und Nierenriss nun mit Plan D

2021 waren sie noch in der ersten Liga, nun wollen sich die Stuttgart Scorpions gegen einen erneuten Abstieg wehren. Foto: Archiv Baumann

Die Stuttgart Scorpions starten am Wochenende in die neue Zweitliga-Saison. Mit dabei: eine Menge Sorgen. Der Quarterback ist schwer verletzt, und die finanziellen Mittel sind drastisch geschrumpft, weshalb der Verein inzwischen eine zweite Heimspielstätte hat.

Lokalsport: Patrick Steinle (pst)

Einst waren die Stuttgart Scorpions in der Landeshauptstadt das Aushängeschild des American Footballs, nun backen sie auf der Waldau kleinere Brötchen. Nach dem Abstieg aus der German Football League 2021 geht es auch in diesem Jahr in der zweiten Liga zur Sache. Am Samstag steht das erste Spiel der neuen Saison an: Um 17 Uhr empfangen die Stuttgarter im Stadion Festwiese im Neckarpark die Fursty Razorbacks aus Fürstenfeldbruck. Das Rundenziel: der Klassenverbleib.

 

Jenen schafften die Skorpione in der vergangenen Saison gerade so, belegten den ersten Nichtabstiegsplatz der Südstaffel. Tapfer sagt der Trainer Dennis Oppermann zwar: „Ich möchte jedes Spiel gewinnen.“ Dass dies kaum gelingen wird, ist aber auch ihm bewusst, denn die Vorzeichen sind laut Oppermann „ehrlich gesagt schlechter als voriges Jahr“. Das große Problem ist die Quarterback-Position, also die des Passgebers und Spielmachers. Dabei kam für die Vorbereitung extra der zweifache deutsche Meister Marco Ehrenfried zum Spezialtraining. Bringt allerdings nichts, da die etatmäßige Nummer eins nun ausfällt. In einem Vorbereitungsspiel stolperte Christoph Göppel und landete auf dem Football – er brach sich dabei vier Rippen und erlitt Anrisse in Leber, Milz und Niere. Fraglich, ob er in dieser Saison überhaupt noch zum Einsatz kommen wird.

Urich wird zum Quarterback zurückgeschult

Und so begann die verzweifelte Suche nach einem Ersatz. Die Nummer zwei, Fynn Löwenkamp, studiert künftig in Hamburg. Auch Nelson Stegmaier steht nicht zur Verfügung, weil er den Ersatz-Quarterback beim Nachbarn Stuttgart Surge in der European League of Football (ELF) gibt. So fiel die Wahl auf Jonathan Urich. Jener wurde vor einem Jahr eigentlich zum Safety umgeschult, da die Scorpions damals zu viele Quarterbacks hatten. Nun folgt der notgedrungene Salto rückwärts. „Ihm fehlen Trainingseinheiten“, weiß Oppermann. Dennoch muss Plan D greifen und Urich ran. Wie sagt dessen Coach: „Uns gehen so langsam die Buchstaben für die Pläne aus.“

Positiv für den neuen Spielmacher: Viele Kollegen kennt er gut. Aus finanziellen Gründen setzen die Stuttgarter auf Eigengewächse und Spieler aus der Region. Hochkarätige Verstärkungen sucht man vergebens. Klar, eine Frage des Geldes. Seitdem sich der Verein vor zwei Jahren im Richtungsstreit aufspaltete, hat Stuttgart Surge den Scorpions den Rang abgelaufen, nicht zuletzt in Sachen Portemonnaie. Laut Oppermann hatten die Seinen vor vier Jahren in der ersten Liga pro Saison noch 170 000 Euro durch Sponsoring und Ticketeinnahmen zur Verfügung, nun seien es 25 000 Euro. Der Club spart sogar, indem nicht jedes Heimspiel auf der Waldau im Gazi-Stadion ausgetragen wird. Das Stadion im Neckarpark ist schlichtweg günstiger.

Scorpions dünnen Kader mächtig aus

„Wir sind wieder zum Familiengedanken zurückgekehrt“, sagt Oppermann. Nur ein Spieler des Kaders stammt nicht aus Deutschland: Louay Alkhouly aus Ägypten. So sind es „Spieler aus den eigenen Reihen, die das Team anführen“. Der Trainer lobt die Defense Line. Angeführt wird diese von Samuel Wellbrink und Maxi Dollhopf, beide ehemalige Jugend-Skorpione. „Da haben wir die stärkste Einheit der Liga“, sagt Oppermann. In der Offensive gehört Marc Kuppinger zu den Schlüsselspielern. Zudem sind die Passempfänger Mick Weyrich und Matti Zeh wichtige Stützen. Beide werden aber, wie auch noch weitere ihrer Teamkollegen, Anfang Juli in die USA an Colleges wechseln. Dann sollen Akteure aus der U 19 aufrücken, die in der GFL Juniors spielt, der höchsten deutschen Juniorenliga.

Als im Januar das Teamtraining begann, umfasste der Stuttgarter Kader noch 70 Mann. Oppermann und seine Trainerkollegen reduzierten auf 45. „Es mussten Spieler mit guter Qualität gehen, weil es menschlich nicht passte“, sagt er. So packte etwa Mathis Harang seine Koffer. Der Running Back erlief im Vorjahr die meisten Yards, aber: Es gab laut Oppermann „immer wieder Querelen, weil er sich besonders gefühlt hat“. Solche Spieler will man auf der Waldau nun nicht mehr. Mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung soll der zweite Abstieg binnen drei Jahren vermieden werden.

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