Amokfahrt in Altbach Angeklagter soll in die Psychiatrie

Auf diesem Gehweg soll der mutmaßliche Täter im September 2021 die Frau ein zweites Mal überrollt haben. Foto: 7aktuell.de/Kevin Lermer

Ein junger Mann soll im September vergangenen Jahres in Altbach eine Mutter und ihr Kind absichtlich angefahren haben. Beim Prozessauftakt wird klar: Der 26-Jährige leidet an einer paranoiden Schizophrenie.

Die Tat, die sich im vergangenen September in Altbach ereignete, sorgte für Entsetzen weit über den Rand der Gemeinde hinaus. Am 22. September gegen acht Uhr morgens war eine 42-jährige Frau mit ihrem zweijährigen Sohn unterwegs. An der Ecke von Schiller- und Hofstraße raste plötzlich ein Auto auf die beiden und eine weitere Frau zu. Der Junge wurde von dem Auto erfasst und zur Seite geschleudert. Seine 42-jährige Mutter stürzte durch den Zusammenstoß mit dem VW zu Boden. Die dritte Passantin, deren Alter unbekannt ist, rettete sich durch einen Sprung zur Seite.

 

Der damals 25-jährige Fahrer legte anschließend den Rückwärtsgang ein, fuhr noch einmal über die 42-Jährige und schleifte sie mit. Bevor er die Frau und ihr Kind angefahren hatte, war er in falscher Richtung durch eine rund 200 Meter lange Einbahnstraße gefahren. Bei dem Vorfall wurde auch ein Gebäude in der Hofstraße beschädigt. Einige Zeugen hatten die Tat beobachtet, da um diese Zeit viele Passanten unterwegs waren. Auch Eltern, die ihre Kinder zur benachbarten Schillerschule brachten.

Die Polizei geht zunächst von einem Unfall aus. Nur einen Tag später ändert sich die Lage – die Beamten bewerten den Vorfall als versuchten dreifachen Mord. Seit Donnerstag muss sich der junge Mann nun vor Gericht seinen Taten stellen. Ihm wird versuchter Mord in drei Fällen vorgeworfen. Als er den Gerichtssaal im Landgericht Stuttgart betritt, hält er sich eine Mappe vors Gesicht, um es vor den Fotografen und Fotografinnen zu verbergen. Das Interesse an der Verhandlung ist vorhanden, einige Zuschauer und Zuschauerinnen haben im Saal Platz genommen. Nach knapp zwanzig Minuten ist der Auftakttermin bereits beendet, es wird nur die Anklageschrift vorgetragen. Die Staatsanwältin wirft dem Angeklagten vor, er habe versucht, die 42-Jährige und deren Sohn sowie die andere Passantin zu töten. Er habe die Mutter und ihren Sohn körperlich misshandelt und die Opfer seelisch geschädigt. Daneben habe der 26-jährige Esslinger, der in Altbach wohnt, die Sicherheit im Straßenverkehr beeinträchtigt.

Der Angeklagte stelle eine Gefahr für die Öffentlichkeit dar

Es stellt sich heraus, dass der Angeklagte an einer paranoiden Schizophrenie leidet. Daher soll er sich während der Fahrt in einem Zustand der Schuldunfähigkeit befunden haben. Deshalb fordert die Staatsanwältin, dass der 26-Jährige in einer Psychiatrie untergebracht werden soll. Der Angeklagte stelle eine Gefahr für die Allgemeinheit dar. Daneben soll sich der 26-Jährige zukünftig nicht mehr hinter das Steuer setzen dürfen.

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Die Staatsanwältin fasst noch mal das Geschehene zusammen. Sie zählt die zahlreichen Verletzungen auf, die die 42-jährige Frau am kompletten Körper durch den Unfall erlitten hat, unter anderem Frakturen an den Rippen und am Becken. Die Frau, die unter dem Wagen eingeklemmt wurde, musste von der Feuerwehr befreit werden und mit schwersten Verletzungen von einem Rettungshubschrauber in eine Klinik gebracht werden. Der Junge wurde ebenfalls mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht. Der Angeklagte habe den möglichen Tod sowie die Verletzungen der Mutter und ihrem Sohn in Kauf genommen, so die Staatsanwältin.

Viele Punkte sind noch ungeklärt. Kannte der mutmaßliche Täter seine Opfer? Warum ist er auf sie losgefahren? Fragen, die die Polizei Reutlingen, die für den Landkreis Esslingen zuständig ist, nach dem Vorfall nicht beantworten konnte. „Es gibt nichts Neues zum Motiv, und ich habe auch wenig Hoffnung, dass sich noch etwas herausfinden lässt. Manchmal weiß man einfach nicht, was Leute zu so einer Tat treibt“, sagte Michael Schaal, Sprecher des Polizeipräsidiums Reutlingen, drei Tage nach den Geschehnissen.

Motiv ist noch unklar

Für Verwirrung sorgten die Beamten, als sie mitteilten, der 25-Jährige befinde sich in psychologischer Behandlung. Später korrigiert sich die Polizei: Der Tatverdächtige befinde sich in ärztlicher Behandlung. Danach äußerten sich die Behörde nur noch zurückhaltend zu dem Fall. In den sozialen Netzwerken zeigten sich Nutzer bestürzt über den Vorfall. Auch in Altbach herrschte Trauer und Ratlosigkeit. Ein Passant sagte unserer Zeitung: „Ich bin hier aufgewachsen, kenne den Schulhof nebenan auch von Veranstaltungen. Es kam sehr unerwartet“. Der Angeklagte äußerte sich am ersten Verhandlungstag nicht zum Geschehen. Derzeit befindet sich der 26-Jährige in einer Klinik. Die Verhandlung wird am 21. März fortgesetzt. Acht Verhandlungstage sind geplant.

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