Amphibien im Kreis Esslingen Feiertagsverkehr am Krötenzaun

Tödliche Barriere: für   viele  Kröten endet ihre  Wanderung auf einer Straße. Foto: dpa
Tödliche Barriere: für viele Kröten endet ihre Wanderung auf einer Straße. Foto: dpa

Milde Temperaturen lassen pünktlich zum Osterfest die Amphibien wandern. Trotz der vielen Fangzäune und freiwilligen Helfer, die die Kröten sicher über die Straße zu ihrem Laichgewässer bringen, sind auch die Autofahrer gefordert.

Esslingen: Veronika Andreas (va)
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Esslingen - Der Frühling lässt sich Zeit in diesem Jahr. Wo Straßen die Wanderwege von Fröschen, Kröten und anderen Amphibien kreuzen, haben einige Naturschützer teilweise schon vor Wochen Zäune aufgestellt und Eimer in den Boden gegraben. Doch bisher blieb der Ansturm der Amphibien weitgehend aus, da die Nächte noch sehr kalt waren. Doch das kann sich schon bald ändern.

Etwa 500 bis 1000 Erdkröten und Grasfrösche ziehen im Frühjahr, meist im Zeitraum von Februar bis Mitte April, vom Palmenwald in Esslingen-Weil in den Teich der Fischzucht Brünner. Dort paaren sie sich und laichen. Doch um zu dem Gewässer zu gelangen, müssen sie die Straße im Wannenrain überqueren. Da die Tiere meist nachts bei Dunkelheit über die Fahrbahn wandern, werden jedes Jahr viele Kröten und Frösche überfahren.

Es werden noch Helfer gesucht

Seit dem Jahr 2004 installiert der Naturschutzbund (Nabu) Esslingen im Wannenrain einen Krötenzaun am Waldrand. Die Erdkröten kriechen dann den Zaun entlang und fallen schließlich in einen Eimer, aus denen sie sich nicht selbst befreien können. Helfer kontrollieren morgens und abends die Eimer und tragen die Kröten auf die andere Straßenseite zum Fischteich. Auch Gullis werden kontrolliert, weil die eine oder andere Kröte auf ihrem Weg über die Straße dort hineinfällt. Anke Ziesenis von der Nabu-Gruppe Esslingen koordiniert die Einsätze am Krötenzaun in Weil, der – allerdings nur wenn die meisten Erdkröten wieder auf der Rückreise in den Palmenwald sind – am 2. April wieder abgebaut wird. Für den Abbau werden noch Helfer gesucht.

Die Tierschützer finden in den Eimern und entlang des Zauns jedoch nicht nur Erdkröten. Manchmal bekommen sie auch einen Feuersalamander, einen Bergmolch oder auch Blindschleichen zu Gesicht. Je nach Witterung dauere der Zug der Erdkröten in ihre Laichgewässer zwischen drei und sechs Wochen, erklärt ein Amphibien-Experte des Bunds für Umwelt und Naturschutz (BUND).

Ein Tunnel ersetzt den Fangzaun

Auch in der Zipfelbachschlucht im Randecker Maar bei Weilheim-Hepsisau sind Kröten, Frösche, Salamander und Molche unterwegs. Sie ziehen aus den Wäldern in ihre Laichgewässer. Dazu müssen sie jedoch die Landesstraße im Bereich des Michaelshofs überqueren. Das Naturschutzzentrum Schopflocher Alb bittet daher alle Autofahrer, diesen Streckenabschnitt besonders in den Abendstunden zu meiden. „Wir freuen uns doch alle, wenn wir auf einem Spaziergang einem Grasfrosch, einer Erdkröte oder einem Salamander begegnen“, so das Informationszentrum.

Im Tiefenbachtal in Nürtingen haben sich die nächtlichen Einsätze der Ehrenamtlichen des Naturschutzbundes stark reduziert. Denn dort wurde im Jahr 2011 der provisorische Krötenzaun durch einen rund 545 Meter langen Amphibientunnel ersetzt. Nun können die Tiere beinahe gefahrlos zu ihren Laichgewässern gelangen.

Auch an den Bürgerseen in Kirchheim wandern nicht nur die Zweibeiner: Während die Kröten vorwiegend aus dem Waldgebiet von Dettingen und Owen her zu den Bürgerseen kommen, wählen die Grasfrösche den Weg entlang des Talbachs von Oberboihingen her zu dem Gewässer. Ein Zaun und eine Unterführung sollen sie auf ihrem Weg schützen. Bis zu drei Kilometer sind die Tiere auf ihrer Wanderung unterwegs, so der Amphibien-Experte des BUND.




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