Amtsantritt Polizeipräsident Frank Lutz Hohe Erwartungen an Polizeipräsident Lutz

Von ceb 

Franz Lutz hat am Donnerstag seinen ersten Arbeitstag. Die Erwartungen an den Nachfolger des verunglückten Thomas Züfle sind sehr hoch. Die Wünsche reichen von Bürgernähe bis hin zu massiveren Kontrollen der Partyszene.

Auf den neuen Polizeichef Franz Lutz wartet viel Arbeit. Foto: Thomas Schlegel
Auf den neuen Polizeichef Franz Lutz wartet viel Arbeit. Foto: Thomas Schlegel

Stuttgart - Im Polizeipräsidium ist der neue Polizeipräsident Franz Lutz am Mittwoch schon gewesen, aber noch in seiner alten Funktion. Als Leiter der Reutlinger Polizeidirektion traf er Kollegen, um über die am 1. Januar 2014 in Kraft tretende Polizeireform zu sprechen. Der Nachfolger von Thomas Züfle, der im Juni bei einem Motorradunfall ums Leben gekommen ist, hat am Donnerstag seinen ersten Arbeitstag. Es wartet viel Arbeit auf ihn, auch wenn Stuttgart als sichere Stadt gilt.

Präsenz und Stuttgarter Linie „Wir brauchen eine bürgernahe und großstädtische Polizei“, sagt der Ordnungsbürgermeister Martin Schairer. Als Bürgermeister versuche er immer auch die Stadt aus der Sicht der Bürger wahrzunehmen. „Da wünscht man sich mehr Präsenz, auch wenn wir wissen, dass die Polizei wie wir in der Verwaltung auch über die Jahre hinweg Personal gestrichen bekommen hat.“ Er hoffe auf eine intensive Zusammenarbeit mit dem neuen Chef der Stuttgarter Polizei, mit dem Schairer in seiner Zeit als Polizeipräsident schon zusammengearbeitet hat. „Er ist ein zupackender, differenzierender, guter Polizist, ich schätze ihn sehr“, sagt der Bürgermeister über Franz Lutz. Als Leitlinie für die Arbeit der Polizei müsse weiterhin die von seinem Vorgänger Günther Rathgeb aufgestellte Stuttgarter Linie gelten, sagt Schairer: „So viel Freiheit wie möglich, so viel Sicherheit wie nötig.“ Für mehr Präsenz spricht sich auch Veronika Kienzle, die Bezirksvorsteherin des Bezirks Mitte, aus. „Es hat eine bessere Wirkung, wenn zwei Beamte zu Fuß unterwegs sind statt mit dem Auto“, sagt sie. Zum Erscheinungsbild der Polizei zählt Kienzle auch das Revier 1 an der Hauptstätter Straße. „Der Präsident muss sich ganz dringend um einen neuen Standort kümmern“, sagt sie. Weder für die Beamten, die dort arbeiten, noch für die Bürger sei das Revier noch erträglich. Ein neues Quartier auf dem Züblin-Areal fände sie gut: „Das wäre auch gut, um näher am Geschehen im Rotlichtviertel zu sein und dort Probleme zu lösen.“

Auch die Gastronomen hoffen auf ein offenes Ohr

Innenstadt Eines der wichtigsten Themen für die Bewohner und Besucher der City ist das, was sich an den Wochenenden rund um die Theodor-Heuss-Straße und zwischen Eberhardstraße/Joseph-Hirn-Platz und Hans-im-Glück-Brunnen abspielt. Die Event- und Partyszene mit ihren negativen Begleiterscheinungen beschäftigt das Innenstadtrevier vor allem in den Sommermonaten. „Die Polizei hat sich etwas zurückgenommen, nach den massiven Kontrollen im Jahr 2012“, sagt Stefan Schneider, der den Palast der Republik betreibt. Er hofft, dass der neue Polizeipräsident offen auf die Gastronomen zugeht und auch auf ihre Belange eingeht.

Drogen und Alkohol „Die Gastronomen können ja nichts dafür, dass die jungen Leute vorglühen und angetrunken in die Stadt kommen“, sagt der Palast-Wirt Schneider. Daher müsse die Polizei weniger die Clubs, Discos und Lokale, sondern mehr die öffentlichen Plätze, auf denen Jugendliche Alkohol konsumieren, im Blick haben. Präventionsarbeit in diesem Bereich hält auch Martin Schairer für sinnvoll. Im Herbst werde über die Ausweitung der mobilen Jugendarbeit bei den Haushaltsberatungen gesprochen, um diese Arbeit gewährleisten zu können. Beim Thema Drogen setzt Ulrich Binder, der Geschäftsführer des Vereins Release, weiterhin auf die gute Zusammenarbeit mit dem Drogendezernat. „Sie informieren uns regelmäßig“, sagt er. Ansonsten arbeite Release auch in der mobilen Jugendarbeit mit, um die Alkoholexzesse einzudämmen.

Parkschützer wünschen Maßhalten bei der Überwachung

Stuttgart 21 Bei Thomas Züfles Amtsantritt wenige Monate nach dem „schwarzen Donnerstag“ waren die Konflikte rund um den umstrittenen Bahnhofsbau ein beherrschendes Thema. Nach wie vor regt sich der Protest gegen das Milliardenprojekt. „Bei den Demos ist der Umgang miteinander gut“, sagt Matthias von Hermann, Sprecher der Parkschützer. Er wünscht sich vom neuen Präsidenten, „dass er den Rahmenbefehl des Innenministeriums, die Stuttgart-21-Gegner zu überwachen, nicht voll ausnutzt. Nur weil es die Möglichkeit zur Überwachung gibt, muss man nicht alle unsere Aktivitäten als gefährlich einstufen“, meint von Hermann.

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