Amtseinführung in Schönaich Anna Walther nimmt im Rathaus Platz
In einem feierlichen Akt wird die 36-Jährige zur neuen Schönaicher Rathauschefin gekürt. Walther verspricht nach großem Zuspruch durch ihre Vorredner eine Politik des Miteinanders.
In einem feierlichen Akt wird die 36-Jährige zur neuen Schönaicher Rathauschefin gekürt. Walther verspricht nach großem Zuspruch durch ihre Vorredner eine Politik des Miteinanders.
Schönaich - Seit dem Abend des 16. Mai steht fest: Schönaich bekommt eine Bürgermeisterin. Anna Walther setzte sich mit knapp 60 Prozent im ersten Wahlgang unter anderem gegen Lokalmatador Markus Mezger durch. Nun wurde Walther feierlich in ihr Amt eingeführt. Mit der 36-jährigen Renningerin übernimmt erstmals eine Frau das Rathaus. Symbolisch überreichte ihr Landrat Roland Bernhard am Donnerstagabend in einer formellen Zeremonie in der Gemeindehalle die Wahlprüfungsurkunde. Nachdem die neue Rathauschefin vor den Augen einiger geladener Gäste ihren Amtseid ablegte, erhielt sie vom Stellvertretenden Bürgermeister Sören Wagner symbolisch die Gemeindeschlüssel. Damit beginnt in Schönaich eine neue Ära.
Am Freitag wird Anna Walther zum ersten Mal in dem Büro Platz nehmen, in dem bis Februar der zurückgetretene Daniel Schamburek und zuletzt interimsweise Mezgers Vater Norbert saß. Sie übernimmt das Ruder in einer Gemeinde, in der laut Landrat Bernhard und Sören Wagner viel „Potenzial“ stecke, aber auch zahlreiche Herausforderungen warten. Das machte der Stellvertretende Bürgermeister in seiner Begrüßungsrede deutlich, in der er ganz konkret die kommunalpolitischen Eckpunkte aufzählte: Familienfreundliche Kinderbetreuungsangebote, die Digitalisierung der Schulen, das Vorantreiben des Ortsentwicklungskonzepts oder Lösungen für pandemiebedingte Probleme. Die Liste an Projekten ist lang. Auch deshalb reichte Wagner, der für die Grünen im Gemeinderat sitzt und den im Urlaub verweilenden Interimsbürgermeister Norbert Mezger vertrat, der Neugewählten die Hand: „Lassen Sie uns gemeinsam verantwortungsvoll in die Zukunft blicken!“
Nicht nur Sören Wagner äußerte die Hoffnung, dass die 36-Jährige, die zuvor im Stab des Sindelfinger Oberbürgermeisters Bernd Vöhringer arbeitete, mit ihrer Biografie und dem beruflichen Werdegang als besonders geeignet für den Job der Bürgermeisterin sei. „Sie haben eine beeindruckende Unterstützung bei der Wahl bekommen“, sagte Wagner. Roland Bernhard nannte den Wahlsieg der in der Ukraine geborenen Mutter von zwei Söhnen „allererste Sahne“. „Ein großes Kompliment, wie Sie bereits in der ersten Runde das Rennen gemacht haben. Es war ein fulminanter Wahlkampf. Nun bekommen Sie, wie es das Gesetz in Baden-Württemberg vorsieht, für acht Jahre die Verantwortung als Rathauschefin“, fasste der Landrat zusammen und wies darauf hin: „Sie haben Jura studiert, Karriere gemacht und das kommunalpolitische Handwerk beim Sindelfinger OB gelernt.“ Dieser saß, wie auch der Böblinger OB Stefan Belz, im Publikum. An Vöhringer gerichtet, scherzte der Landrat: „Wer bei Ihnen arbeitet, muss ja gut und belastbar sein.“
Mit der Wahl Anna Walthers habe Schönaich „Weltoffenheit“ bewiesen, die Bürger hätten sich ihre Stimme für Walther, die als 19-Jährige einst als Au-pair ohne jegliche Sprachkenntnisse von Kiew nach Deutschland kam, „gut überlegt“. Bernhard betonte im Hinblick auf die vergangenen Monate, in denen der Gemeinderat und der damalige Bürgermeister Schamburek immer wieder aneinander gerieten: „Die Schönaicher die wollten die Vergangenheit abstreifen und einen Neuanfang. Sie kommen von außen.“
Aufgrund der angespannten Atmosphäre hatte der Landrat im Mai des vergangenen Jahres zwischen dem damaligen CDU-Fraktionschef Norbert Mezger und Bürgermeister Schamburek vermittelt. Am Ende ließen sich die Gräben allerdings nicht mehr aufschütten. Schamburek trat im Januar 2021 zurück und übergab die Amtsgeschäfte interimsweise an seinen Kontrahenten Mezger. Vor diesem Hintergrund bekräftigte Roland Bernhard in Richtung der neuen Bürgermeisterin: „Bauen Sie Brücken zwischen Gemeinderat, Gemeindeverwaltung und Bürgerschaft, keine Gräben.“
Nachdem Anna Walther ihren Amtseid ablegte, wandte sich Bernd Dürr, Bürgermeister in Bondorf, stellvertretend für den Kreisverband des Gemeindetags an seine neue Amtskollegin. Dürr lobte nicht nur das „sehr gute Fundament“ Walthers, das sie befähige, das Bürgermeisteramt zu bewerkstelligen. Der seit 18 Jahren amtierende Bürgermeister gab der „Neuen“ auch einen „kollegialen Tipp“: „Sie werden von nun an öfter in der Öffentlichkeit stehen. Der Druck nimmt zu und die Zeit des Innehaltens wird kürzer. Es muss aber auch jenseits der Bürgermeisterin eine Anna Walther geben, denn hinter jedem Amtsträger steht auch ein Mensch. Gehen Sie auch mal offline, nehmen Sie sich Zeit für sich und Ihre Familie.“
Glückwünsche und warme Worte erhielt die Bürgermeisterin ebenfalls von Seiten der Vereine, für die Katrin Schütz, Vorsitzende des TSV Schönaich, stellvertretend auf das Podium stieg. Segenswünsche im Namen der drei Kirchengemeinden sprach im Anschluss der evangelische Pfarrer Ulrich Zwißler aus. In seiner Grußrede bemühte er die biblische Geschichte des Josua, der einst am Jordan kurz vor dem Übertritt ins Gelobte Land stand. „Ihr Amtsantritt erinnert mich an diese Geschichte, vielleicht gibt es Parallelen“, so der Pfarrer ein wenig scherzhaft. Den Abend beschloss die Hauptperson selbst, die – wie ihre Vorredner – die Gemeinschaft und das Miteinander unterstrich. „Ins Gespräch kommen – im Gespräch bleiben. Das war nicht nur mein Wahlkampfspruch. Ich möchte ansprechbar sein und bleiben. In Schönaich sollen alle gerne und gut leben“, versprach Walther mit der Entschlossenheit einer frisch gekürten Bürgermeisterin.