Die um fast zwei Jahre verspätete Amtseinführung der Wernauer Bürgermeisterin Christiane Krieger gerät zur Show – und zeigt, wie sehr sie in der Stadt geschätzt wird.

Region: Andreas Pflüger (eas)

Die Polizei ist da, das Rote Kreuz und auch die Feuerwehr. Die Fahrzeuge vor dem Wernauer Quadrium lassen für einen Moment Schlimmes erahnen. Passiert ist aber nichts. Was die Besucherinnen und Besucher der Amtseinführung von Bürgermeisterin Christiane Krieger bei ihrer Ankunft indes nicht ahnen können: Im großen Saal der Stadthalle wird an diesem Freitagabend noch eine Menge „passieren“.

 

Die Rathauschefin, die von den Fasnetsgruppen der Stadt den Titel „Schultese“ verpasst bekommen hat, erklärte im Vorfeld der Veranstaltung, dass sie sich ein „großes Fest mit meinen Leuten“ wünsche. Sie bekam jedoch viel, viel mehr. Ihre offizielle Ernennung geriet zu einer Show der Superlative, die es in dieser Art und Weise im Landkreis Esslingen noch nicht gegeben hat.

600 Gäste kommen zur „öffentlichen Sitzung des Gemeinderats“

Gut 600 Gäste sind da, haben sich auf ein bisschen Musik und eine Reihe von Reden eingestellt, denn formal war, wie sich das gehört, zu einer „öffentlichen Sitzung des Gemeinderats“ geladen worden. Michael Bauer, der Beigeordnete der Stadt Wernau, stellt aber bereits in seiner Begrüßung klar, „dass heute nicht diskutiert oder abgestimmt wird, und dass es auch keine Vorsitzende gebe, weil die Hauptperson befangen ist“.

Eine solche Feier hätte 20 Monate früher gar nicht stattfinden können

Als der Musikverein Stadtkapelle Wernau loslegt, lässt sich dann erahnen, in welche Richtung der Abend gehen könnte. Denn das Auftaktstück greift musikalisch auf, wie Kriegers erste beiden Jahre verlaufen sind: dramatisch, durch die Wahlanfechtung des im Vorfeld abgewiesenen Bewerbers Thomas Nitsch, aber trotz allem zielstrebig und hoffnungsvoll, ob mit oder zunächst noch ohne Stimmrecht der mit gut 70 Prozent gewählten Schultese im Gemeinderat.

Das lange Warten bis zur finalen Klageabweisung und auf die Amtseinsetzung thematisieren mehre Redner. So sagt Bauer, „dass wir gerne früher gefeiert hätten“ und Landrat Marcel Musolf betont, als er strahlend die Wahlprüfungsurkunde überreicht, „dass es trotz aller Belastungen für dich, liebe Christiane, und die Stadt Wernau, keinen Stillstand gegeben hat“. Andererseits und das wird in den Ausführungen ebenfalls deutlich: Eine solche Feier hätte 20 Monate früher gar nicht stattfinden können.

Liebevoll zusammengestelltes Programm der Stadtgesellschaft

So aber erfährt die Bürgermeisterin, die bis jetzt offenkundig nicht viel falsch gemacht hat, Wertschätzung pur. Die Riege der Ehrengäste ist groß: Bundes- und Landtagsabgeordnete sind gekommen, ebenso Oberbürgermeister und Bürgermeister aus der Umgebung. Zudem sind die Verwaltungsbeschäftigten da und Kriegers Amtsvorgänger in Wernau, Armin Elbl und Roger Kehle.

Jung und alt, groß und klein (hier der Tschakka-Chor) gratuliert auf individuelle Art und Weise. Foto: Markus Brändli

Hinzu kommt die versammelte Stadtgesellschaft, die nach und nach in einem liebevoll zusammengestellten Programm, das von einem Team um Hauptamtsleiterin Leonie König verantwortet wurde, auf der Bühne in Erscheinung tritt. Der Tschakka-Chor der Grundschulen singt, die Musikschule spielt, die TSV-Tanzgruppe Mixed tritt auf und die städtischen Kindergärten übermitteln ihre Glückwünsche in einer professionell gefertigten Videobotschaft.

Holger Laser, Stadionsprecher des VfB Stuttgart, moderiert

Dazwischen werden launige Reden gehalten, wie schon erwähnt von Landrat Musolf, aber auch vom Denkendorfer Bürgermeister Ralf Barth, im Namen des Gemeindetag-Kreisverbands, sowie für den fast vollständig versammelten Gemeinderat, von Sabine Dack-Ommeln, der Fraktionsvorsitzenden der Wernauer Bürgerliste.

Und natürlich gibt es Geschenke, die fast alle mit Kriegers großer Leidenschaft, dem Fußball im allgemeinen beziehungsweise dem VfB Stuttgart im besonderen, zu tun haben. Dass die Wasenkicker ihr Herzensverein sind, ist inzwischen weithin bekannt. Und so war es Stadionsprecher Holger Laser nach eigenem Bekunden „eine Ehre, diese Amtseinsetzung moderieren zu dürfen“.

Die Formalien, darunter die feierliche Verpflichtung der Bürgermeisterin, werden ausgesprochen kurz gehalten, so dass genügend Zeit für die perfekt und individuell auf Krieger zugeschnittenen Aufführungen bleibt. Hochprofessionell hatten die Amtsleiter ein sehr persönliches Saalquiz vorbereitet. Und es zeigte sich, dass ihre Chefin in der Stadt allseits bekannt ist.

Freiwillige Feuerwehr sorgt mit Theaterstück für Begeisterung

Gleich darauf macht Chor Leo Cantabile des Liederkranzes seine Aufwartung und was die Freiwillige Feuerwehr zeigt, führt zu Begeisterungsstürmen im Publikum. Kommandant Steffen Sitte setzt zu einer Rede an, wird aber jäh von einem Alarmanruf unterbrochen. Kurzer Schock im Saal, doch schnell ist klar, dass dieser zu einem Theaterstück der Jugendfeuerwehr gehört, das letztlich in eine Modenschau mündet. Dem nicht minder begeistert gefeierten Tanz des Ungarndeutschen Folkloreensembles folgt ein Videogruß von VfB-Keeper Fabian Bredlow, der ebenso persönlich und individuell gehalten ist, wie die gesamten Darbietungen zuvor.

Die Schultese ist in ihrer kurzen Rede erst mal sprachlos, zeigt stattdessen ihren Unterarm mit Stadtwappen-Tattoo, um sich dann für „einen wunderbaren Wernau-Abend“ zu bedanken. Zu Ende ist dieser indes noch nicht. Die Stadtkapelle begleitet den Sänger Robin Henderson zu „Music“ und „Let me entertain you“. Die Unterhaltungen gehen danach im Foyer weiter. Worte wie „großartig“, „sensationell“ und „sagenhaft“ fallen dort immer wieder. Und: Es wird spät.

Langes Warten auf die Amtseinsetzung auch anderswo

Anfechtungen
Die Ergebnisse von Bürgermeister- oder Oberbürgermeisterwahlen werden – meist von unterlegenen Kandidatinnen und Kandidaten – immer wieder angefochten. Ob in Baiersbronn oder in Sulz am Neckar, ob in Rastatt oder in Sindelfingen, gleich mehrfach wurden im Laufe der vergangenen Jahre die jeweiligen Aufsichtsbehörden oder in der Folge die zuständigen Gerichte bemüht. Erfolgreich waren die Widersprüche zumindest in diesen Fällen allerdings nicht.

Kernen
Mehr als zwei Jahre musste Benedikt Paulowitsch, Bürgermeister der Remstalgemeinde Kernen, auf seine offizielle Amtseinsetzung warten. Er war im September 2019 gewählt worden. Der Einspruch eines Mitbewerbers gegen die Wahl wurde im November 2021 in letzter Instanz vom Verwaltungsgerichtshof in Mannheim abgelehnt.

Plüderhausen
Auch in Plüderhausen (Rems-Murr-Kreis) war das Ergebnis der Bürgermeisterwahl im Februar 2018 von zwei weit abgeschlagenen Kandidaten angefochten worden. Letztlich ebenfalls erfolglos. Der wiedergewählte, langjährige Rathauschef Andreas Schaffer blieb im Amt, trat aber 2021 aus persönlichen Gründen zurück. Zu seinem Nachfolger wurde – ohne Nebengeräusche – Benjamin Treiber gewählt.