Mit einer stimmungsvollen Feier vor vielen Gästen wird Martin Kaufmann offiziell ins Amt eingeführt.

Leonberg: Thomas Slotwinski (slo)

Leonberg - Die Nacht ist kurz für den neuen Oberbürgermeister. Punkt Mitternacht, jener Moment an dem Martin Kaufmann formal im Amt ist, stößt er mit den Gästen an, die bis zu dieser späten Stunde noch ausgeharrt haben. Doch dann verabschiedet sich der neue Chef von seinem Einstand in der Stadthalle.

Formal ist die Feier, zu der mehr als 600 Menschen gekommen sind, eine Sitzung des Gemeinderates. Gilt es doch, einen Verwaltungsakt zu vollziehen: die Verpflichtung des neuen Oberbürgermeisters.

Zunächst aber hat am Donnerstagabend der noch amtierende Verwaltungschef das Wort. „Das ist einer der am besten besuchten Ratssitzungen der vergangenen 24 Jahre“, sagt ein gut aufgelegter Bernhard Schuler mit Blick auf den vollen Saal.

Herausforderung: Leonberg ist viermal so groß wie Rudersberg

Die Verpflichtung des künftigen Oberbürgermeisters übernimmt die Stadträtin Elke Staubach von der CDU. „Ab morgen dürfen Sie loslegen und gestalten“, kommentiert die Vorsitzende der Mehrheitsfraktion den Tatendrang, den der 51-Jährige schon während des Wahlkampfes an den Tag gelegt hatte. Trotz aller Dynamik: „Für den Frischgewählten gilt es, erst einmal anzukommen, sich einzuarbeiten, Prioritäten zu setzen.“

Staubach erinnert daran, dass Kaufmann mit Rudersberg eine ländlich geprägte Gemeinde mit knapp 12 000 Einwohnern geleitet hat. Leonberg ist viermal so groß, liegt im Ballungsraum und an einem europäischen Verkehrsknoten.

Auf seinen Gemeinderat könne Kaufmann bauen: „Wir lassen Sie nicht im Regen stehen“, verspricht die Stadträtin und übergibt ihm einen Leonberg-Schirm, den der neue OB sogleich über sich aufspannt und erst wieder ablegt, als er seinen Eid spricht und von Elke Staubach die Amtskette umgehangen bekommt. Ein Zeichen des politischen Gewichts mit nicht weniger tatsächlichem Gewicht, wie der neue Träger im Lauf des Abends noch feststellen wird.

Winfried Hermann ist der Hauptredner des Abends

Dass die Leonberger OB-Kette aber besonders schön ist, bestätigt ihm Winfried Hermann. Der Landesverkehrsminister kennt Martin Kaufmann schon einige Jahren. „Ich war selbst gerade neu im Amt, da stand er bei mir vor der Tür “, erinnert sich der Grünen-Politiker. Der damalige Rudersberger Bürgermeister wollte den neuen Minister für seine Verkehrsberuhigung gewinnen. „Mit einer penetranten Freundlichkeit“, wie Hermann wohl nur halb im Scherz meint. „Das ist eine gefährliche Eigenschaft.“

Geschafft hat es Kaufmann aber, sonst wäre der Minister gewiss nicht als Hauptredner nach Leonberg gekommen. Dass gerade beim Thema Verkehr die anstehenden Herausforderungen ungleich höher sind, daran lässt Hermann keinen Zweifel: „Ich kenne kaum Städte, die so verkehrsgeplagt sind wie Leonberg.“ Das zu ändern, daran will Winfried Hermann mitwirken: „Wir müssen verhindern, dass der Autobahnverkehr in die Stadt hineinfährt.“

Der „Vorstopper Nopper“

Einen Auftritt, der im närrischen Fernsehklassiker „Mainz bleibt Mainz“ bestens aufgehoben wäre, legt Frank Nopper hin. Der Oberbürgermeister von Backnang, wiewohl ein Schwarzer, ist ein guter Kumpel vom roten Martin: „Wir sind das eine oder andere mal um die Häuser gezogen“, erinnert sich der einst als „Vorstopper Nopper“ berüchtigte Hobby-Kicker. Die Erkenntnis daraus: „Der gebürtige Sauerländer ist kein Sauertopf, sondern kann auch mal eine Sau durch den Ort treiben.“

Dazwischen kündigt die Kulturamtsleiterin Christina Ossowski Einlagen der Jugendmusikschule an: Monumentale Fanfarenklänge, Ravel-Variationen von Adrian Hodum, Jazzrock der Rhythm Bones und ein krachendes Samba-Finale mit allen.

Und die Hauptperson? Martin Kaufmann ist sichtlich angerührt. Er bedankt sich bei Bernhard Schuler für die „tolle Vorarbeit“, bei seinen einstigen Mitbewerbern für einen fairen Wahlkampf und bei Christa Weiß von der SPD für das Coaching. Politische Erklärungen verkneift Martin Kaumann sich: „Heute bleibt nur Platz zum Anstoßen.“