Amtsgericht Vaihingen/Enz Stundenlanges Martyrium im Hotel

Von Patricia Beyen 

Schläge, Drohungen und Beleidigungen: Ein 30-Jähriger soll seine Ex-Freundin und deren zweijähriges Kind mehrmals misshandelt haben. Jetzt muss er sich deshalb vor Gericht verantworten.

Der Prozess gegen den 30-Jährigen geht Ende des Monats weiter. Foto: dpa
Der Prozess gegen den 30-Jährigen geht Ende des Monats weiter. Foto: dpa

Vaihingen/Enz - Weil er seine damalige Freundin und deren zweijährigen Sohn in einem Vaihinger Hotel misshandelt haben soll, muss sich ein 30 Jahre alter Mann seit Freitag vor dem Vaihinger Amtsgericht verantworten. Die Tat soll er Ende März begangen haben. Zudem muss sich der Mann für eine weitere Körperverletzung verantworten, die er ihr im vergangenen November in einem Café in Schorndorf (Rems-Murr-Kreis) zugefügt haben soll.

Was sich an jenem Tag im November abgespielt haben soll, schilderte der Staatsanwalt so: Der Mann stach seiner Partnerin mit einem Kugelschreiber mehrmals in den Oberschenkel und in die Hand. Außerdem hielt er sie in der Küche des Cafés, in dem er als Koch arbeitete, gegen ihren Willen fest und drohte ihr, sie zu töten und im Wald zu verscharren. So hoffte er, Zugang zu ihrer Facebook-Seite zu bekommen. Offenbar war der Mann, der zurzeit in Untersuchungshaft sitzt, extrem eifersüchtig.

Mit Faust und Fuß ins Gesicht der Frau

Im zweiten Fall, im März, soll der Mann die Freundin und deren zwei Jahre alten Sohn in einem Hotelzimmer zunächst mit Sachen beworfen haben, dabei traf ein Ladekabel das Kind am Kopf. Es folgten, so der Staatsanwalt, Schläge und Tritte in ihr Gesicht, Würgeattacken, und Stiche mit einer Schere. Auch dem Kind der Frau schlug er ins Gesicht – so heftig, dass der Abdruck der Hand noch Tage später zu sehen gewesen sein soll. Dieses Martyrium soll von 22 Uhr bis in die Morgenstunden gedauert haben. Dabei soll er die Frau als Hure und Schlampe bezeichnet haben und ihr Verhältnisse mit anderen Männern vorgeworfen haben.

„Kann es sein, dass Sie ein Problem mit Eifersucht haben?“, fragte der Richter den Mann. „Das ist ein Problem der Gesichtswahrung“, antwortete dieser. Wenn seine Freundin die Straße überquere, würden alle sagen, dass sei seine Hure.

Die Schwester bestätigt sein Alibi nicht

Der Angeklagte, der die Taten abstritt, hat eine eigene Interpretation der Geschehnisse. Er habe die Frau mit dem Kugelschreiber nicht verletzten wollen, und eingesperrt habe er sie auch nicht. Vielmehr wollte er – im Gegensatz zu ihr – die Beziehung beenden. „Ich wollte ihr nur Angst machen, damit sie weggeht.“ Dass er sie so hart treffen würde, hätte er nicht erwartet. Auf der Überwachungskamera sei aber deutlich zu sehen, wie er mit dem Kugelschreiber auf die Frau losgehe, sagte der Richter. „Sie haben sie ganz gezielt verletzt. Sehr dumm, bei so etwas zu lügen.“

Der Angeklagte blieb dennoch bei der Version, seiner Freundin nichts Übles gewollt zu haben. Auch in jener Märznacht – in der er gar nicht im fraglichen Hotel gewesen sei. In dem Zimmer wohnte er damals mit der Frau und einem ihrer Kinder. „Ich war die Nacht über bei meiner Schwester“, sagte der 30-Jährige. Erst früh morgens sei er ins Hotel gekommen, wo er seine Freundin verletzt vorgefunden habe. „Mir hat sie gesagt, sie sei vom Fahrrad gefallen.“ Weil sie jedoch Probleme mit Drogen gehabt habe, habe er an einen Streit mit einem Drogenhändler geglaubt. Die Schwester des Angeklagten hat dessen Alibi für die Nacht übrigens nicht bestätigt.

Er bezeichnet sich selbst als großherzig

Der Angeklagte saß mit 18 Jahren wegen Drogenmissbrauchs für zwei Jahre im Gefängnis. Erst sei sein Bruder gestorben, dann der Vater. Das hätte ihn so sehr aus der Bahn geworfen, dass er angefangen habe, Kokain und Heroin zu nehmen. Laut eigener Aussage habe er jedoch im Gefängnis einen Entzug gemacht und sei seitdem drogenfrei. Gelegentlich trinke er noch Alkohol. Der Mann bezeichnete sich selbst jedoch als großherzigen Menschen, der die Frau und ihre beiden Kinder samt zwei Hunden bei sich habe wohnen lassen.

Der Prozess wird Ende September fortgesetzt, dann soll auch das Opfer, das als Nebenklägerin auftritt, aussagen. Das Urteil wird Ende Oktober erwartet.




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