Amtsgericht Waiblingen „Ihr gehört vergast“

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Ein 35-Jähriger beschimpft zwei mutmaßlich lesbische Frauen mit den Worten „Ihr gehört doch vergast“. Das hat ihn jetzt wegen Volksverhetzung vor Gericht gebracht.

Volksverhetzung ist keine Bagatelle sondern eine schwere Straftat, sagt der Richter. Foto: dpa
Volksverhetzung ist keine Bagatelle sondern eine schwere Straftat, sagt der Richter. Foto: dpa

Waiblingen - Eigentlich hätte es ein lustiger Junggesellenabschied werden sollen. Doch die Busfahrt zwischen Stetten und Rommelshausen im November 2010 endete für einen von acht Männern mit einer Anzeige wegen Volksverhetzung. „So etwas wie ihr gehört vergast. Früher wärt ihr in Auschwitz gelandet“, hatte der 35-Jährige sinngemäß zwei jungen Frauen beschimpft, die seiner Meinung nach in einer lesbischen Beziehung zueinander standen.

Vor dem Waiblinger Amtsgericht räumte der 35-jährige Maler den Tatbestand durch eine Erklärung seines Anwalts ein. Er selbst machte keine weiteren Angaben. Lediglich eine halbherzige Entschuldigung presste er auf Geheiß seines Rechtsbeistands gegenüber seinen Opfern zwischen den Zähnen hervor.

Den Aussagen der betroffenen Frauen zufolge hatte der deutlich angetrunkene Mann während der rund zehnminütigen Busfahrt zunächst vergeblich versucht, verschiedenen Fahrgästen gegen ein Entgelt die Schuhe zu putzen. Die Dienstleistung stand offenbar im Zusammenhang mit dem Junggesellenabend. Nachdem sich der 35-Jährige verschiedentlich eine Abfuhr eingeholt hatte, kehrte er zu den beiden Frauen zurück, wurde aufdringlich und sprach sie auf ihre mutmaßliche lesbische Beziehung an. Danach fielen die Worte, für die er sich schließlich eine Anzeige einhandelte. Die Erwiderung einer der Frauen, ob er denn wisse, was damals in Auschwitz geschehen sei, konterte er mit der Bemerkung: natürlich – sein Onkel sei schließlich dort Aufseher gewesen.

Die 22 und 31 Jahre alten Frauen sagten im Zeugenstand aus, dass sie noch heute ein mulmiges Gefühl bei Busfahrten haben. Den Richter baten sie aus Angst vor etwaigen Rachetaten, ihren Wohnort nicht öffentlich bekannt zu geben.