An Bahntrasse in Aichelberg Szenario für Freiflächen-Fotovoltaik

Die neue Schnellbahntrasse bei Aichelberg, links der Wall, der hinunter zum Seebachtal führt. Eine Projektgesellschaft kann sich dort eine große Freiflächen-Fotovoltaikanlage vorstellen. Foto: Giacinto Carlucci
Die neue Schnellbahntrasse bei Aichelberg, links der Wall, der hinunter zum Seebachtal führt. Eine Projektgesellschaft kann sich dort eine große Freiflächen-Fotovoltaikanlage vorstellen. Foto: Giacinto Carlucci

Eine Projektgesellschaft plant eine Anlage am Wall der Schnellbahntrasse bei Aichelberg. Das muss aber noch auf Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit geprüft werden. Die Gemeinde wünscht sich Erträge daraus.

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Aichelberg - Große Pläne gibt es an der künftigen ICE-Trasse bei Aichelberg: Am südlichen Lärmschutzwall soll eine Freiflächen-Fotovoltaikanlage mit 750 Kilowatt entstehen. Und es könnten noch zwei weitere Anlagen in der gleichen Größe folgen. Diese Pläne wurden dem Gemeinderat Aichelberg als Markungsherr ausführlich vorgestellt. Das Gremium müsste dies mit einem Bebauungsplan möglich machen, und es steht dem Projekt durchaus wohlwollend gegenüber. Allerdings wünscht sich der Gemeinderat schon, dass die Ökostrom-Gewinnung der Gemeinde auch Geld bringt. Was die Planer aber noch nicht zusagen können.

Der Standort sei optimal

Es sind ganz neue Perspektiven für die Landschaft südlich von Aichelberg, die sich durch den Bau der Schnellbahntrasse komplett verändert hat. Früher gab es hinter dem Autobahndamm der A 8 eine flach geneigte Landschaft Richtung Weilheim, jetzt liegen dort die Schienen zum Boßlertunnel. Ein Damm, schirmt die Bahnstrecke nach Süden ab, dahinter schlängelt sich der Seebach durch die Wiesen. In dieser Südlage will die WEBW, ein gemeinsames Unternehmen der Landsiedlung Baden-Württemberg und der KWA Contracting AG, einen Solarpark erstellen.

Der Standort sei optimal, erklärte Markus Schnabel, der Prokurist der Landsiedlung. Die Anlage würde keine landwirtschaftlichen Flächen entziehen. Man würde sie am Lärmschutzwall aufständern. Das sei auch sonst eine Perspektive an Autobahnen und Schienenwegen, so Schnabel. Es gebe in Deutschland sehr wenige Lärmschutzwälle mit Fotovoltaik. Das sei schade, weil sie selten für anderweitige Nutzung geeignet seien.

Umweltverträgliche Anlage

Es sei auch eine umweltverträgliche Anlage. „Keine Flächenversiegelung, außer durch die Unterkonstruktion.“ Die nehme nur einen winzigen Teil des Bodens in Anspruch. Der Naturausgleich erfolge in der Regel vor Ort, so Schnabel. Mit dem Artenschutz und dem Landschaftsbild habe man keine Probleme. Und: „Es ist keine Belastung für die Gemeinde.“Es soll der heimischen Wirtschaft auch zugute kommen. Gerne nehme man lokales Handwerk, um die Fotovoltaik aufzustellen, und dann auch einen Landwirt, der das Gelände mähe. Wildpflanzen könne man ansiedeln. Keine Düngung. Kleinsäuger könnten sich durch die Fotovoltaiklandschaft bewegen. Die Anlage würde im Vollausbau einen gewaltigen Gürtel bilden: Vom Tunnelportal bis zum Autobahnparkplatz. Das wären dann drei Mal 750 Kilowatt Maximum, und in der Summe noch ein bisschen mehr, nämlich 2,5 Megawatt. Allein 750 Kilowatt brächten etwa eine Million Kilowattstunden, sagt Schnabel, alle drei Flächen 3,5 Millionen Kilowattstunden. Damit wären statistisch 875 Haushalte mit jeweils vier Personen versorgt.

Projekt mit Modellcharakter

Das Land ist mit im Spiel, es steht hinter der Landsiedlung und der WEBW, und so erklärt sich, dass die WEBW mit der Bahn eine Vereinbarung schließen konnte, eine erste Anlage zu planen. Mehr noch: Es hätte einen gewissen Modellcharakter, sagt Schnabel, es wäre eine Absichtsklärung für den Südwesten insgesamt. Es wäre auch ein Modellprojekt für die Bahn.

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Fürs Erste geht es um ein Drittel der möglichen Fläche, sagt Schnabel. Über weiteres sei noch nicht gesprochen. Und loslegen würde die WEBW jetzt nicht, auch wenn sie es könnte. Denn: Derzeit sei eine solche Anlage nicht rentabel. WEBW-Geschäftsführer Nicolai Licata: „Das ist wirtschaftlich äußerst schwierig.“ Es gebe noch keine Erkenntnisse, ob so eine Anlage technisch und wirtschaftlich überhaupt möglich sei. Aber: Bei der Fotovoltaik gebe es erhebliche Bewegung bei den Baukosten. „Wir denken, in zwei bis drei Jahren ließe sich das darstellen.“ Man werde ja auch sehr viel Strom benötigen, so Licata. Die Bahn sei auch interessiert an erneuerbarem Strom.

Viel Lob für die Idee

Im Gemeinderat kam das gut an. „Richtig gut“, fand das Anja Weißinger. Sonja Fox lobte die Idee, erneuerbare Anlagen zu bauen und Schafe darunter weiden zu lassen. „Schön, aber Geld ist besser“, sagte Siegmar Böhringer – wenn Gewerbesteuer herausspränge. Der Gemeinderat gab grünes Licht, das Projekt weiterzuverfolgen.

Akteure für erneuerbare Energie

Windkraft
  Die WEBW Neue Energie GmbH ist im Kreis Göppingen schon in Erscheinung getreten: Sie hat die Windkraftanlagen auf dem Tegelberg auf Donzdorfer Gemarkung aufgestellt. Seit 2012 hat sie mehrere Windparks gebaut.  

Unternehmen
Die WEBW ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Landsiedlung Baden-Württemberg, hinter dem das Land steht, und der KWA Kraftwärmeanlagen, die in den Stadtwerken Schwäbisch Hall ihren Hauptanteilseigner haben.  

Pionier
Die KWA sieht sich als einer der Pioniere der nachhaltigen regenerativen Energieerzeugung im Land.

Profil
 Das Profil der WEBW reicht von Windenergie bis zu Speichertechnologien und Smart Energy.




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