An der Haußmannstraße in Stuttgart-Ost Schneller gesund werden in hellen Räumen

Von  

Das Gemeindepsychiatrische Zentrum Stuttgart-Ost und Neckarvororte ist umgezogen. Die Fehlzeiten wegen psychischer Erkrankungen haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen.

Das Gemeindepsychiatrische Zentrum hat jetzt große, helle Räume im Erdgeschoss und im 1. Obergeschoss des denkmalgeschützten Gebäudes an der Haußmannstraße. Foto: Jürgen Brand
Das Gemeindepsychiatrische Zentrum hat jetzt große, helle Räume im Erdgeschoss und im 1. Obergeschoss des denkmalgeschützten Gebäudes an der Haußmannstraße. Foto: Jürgen Brand

S-Ost - An der Haußmannstraße 103A sind am Mittwoch die neuen Räume des Gemeindepsychiatrischen Zentrums Stuttgart-Ost/Neckarvororte (GPZ) eröffnet worden. In dem Zentrum werden 355 Personen betreut. Damit ist das GPZ Stuttgart-Ost eines der größten Gemeindepsychiatrischen Zentren in der Stadt.

Die Zentren

„Die Gemeindepsychiatrischen Zentren sind etwas Außergewöhnliches, worauf wir in Stuttgart stolz sein können“, sagte Sozialbürgermeister Werner Wölfle bei der Eröffnung. In Stuttgart gibt es solche Zentren bereits seit den 1980er Jahren. Sie gehörten zunächst zum Gesundheitsamt, seit 2004 sind die GPZs Stuttgart-Ost, -West und Feuerbach Teil des Zentrums für Seelische Gesundheit im Klinikum und damit Teil einer der – laut Wölfle – größten Abteilungspsychiatrien Deutschlands. Die Zentren in Birkach, Freiberg und Möhringen gehören zur Evangelischen Gesellschaft (eva), die Zentren Süd-Mitte-Nord und Bad Cannstatt zur Caritas.

Die Aufgaben

Im GPZ Stuttgart-Ost und Neckarvororte finden chronisch psychisch kranke Menschen Beratung, Behandlung und Angebote zur Tagesstrukturierung. „Durch kompetente ambulante Unterstützung wollen wir stationäre Behandlung möglichst vermeiden“, sagte der Geschäftsführende Ärztliche Direktor des Klinikums Stuttgart, Professor Jan Steffen Jürgensen. „Das hilft vor allem auch den Betroffenen, die dicht am vertrauten Umfeld qualifizierte Hilfe erfahren.“ Das GPZ mit seinen 35 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist untergliedert in fünf Bereiche: den Sozialpsychiatrischen Dienst Stuttgart-Ost und Neckarvororte, den Sozialpsychiatrischen Wohnverbund Stuttgart-Ost, die Gerontopsychiatrische Beratung GerBera, achTsam – Aufsuchende Hilfe für chronisch suchtmittelabhängige Menschen, sowie Aufwind – Hilfen für Kinder und Jugendliche mit einem psychisch erkrankten Elternteil. Verantwortliche für Aufwind ist Andrea Zug – die dem einen oder anderen auch als Sängerin (Gospel im Osten, The Voice of Germany) bekannt ist. Zug leitet auch den GPZ-Chor, der bei der Eröffnung sang.

Die Räume

Die Klienten des Gemeindepsychiatrischen Zentrums Stuttgart-Ost/Neckarvororte sind viele Jahre lang in Räumen an der Landhausstraße ganz in der Nähe des Ostendplatzes betreut worden. Als immer mehr Menschen mit psychischen Erkrankungen fachliche Unterstützung suchten und das Klinikum sein Betreuungs- und Therapie-Angebot den Bedürfnissen entsprechend ausbaute, wurden die Räume in dem ehemaligen Arbeiterwohnheim beim Depot-Areal zu klein. Die Suche nach neuen, deutlich größeren Räumlichkeiten zog sich über zwei Jahre hin. Fündig wurde man schließlich an der Haußmannstraße 103A, wo jetzt 847 Quadratmeter Fläche zur Verfügung stehen. Das markante Gebäude war um das Jahr 1900 herum errichtet worden und zunächst Sitz der Firma L. Josef & Co., einer großen Gardinenweberei. Heute ist das denkmalgeschützte Bauwerk Sitz mehrerer Architekturbüros und kleinerer Firmen.

Die Perspektive

Wie groß das Interesse an dem Thema Psychische Gesundheit und an der Einrichtung selbst ist, zeigte am Mittwoch der große Andrang, mehr als 150 Teilnehmer hatten sich zur Eröffnung angemeldet – Mitarbeiter, Funktionsträger, Politiker, Klienten und Angehörige. „Die Bedeutung seelischer Gesundheit nimmt zu, die Fehlzeiten deswegen sind dramatisch angestiegen“, sagte Professor Jürgensen. Wie wichtig die Aufgabe ist, verdeutlichte der Ärztliche Leiter des Zentrums für seelische Gesundheit, Professor Martin Bürgy. Psychisch kranke Menschen hätten eine um 10 bis 20 Jahre niedrigere Lebenserwartung, sagte er, und zwar nicht nur wegen der höheren Selbstgefährdung, sondern vor allem auch, weil die Möglichkeiten der Gesundheitsvorsorge weniger in Anspruch genommen würden. Auch darum kümmern sich die GPZ-Mitarbeiter.

Sonderthemen