An Gründonnerstag Das letzte Abendmahl: Besonderes Straßentheater in Böblingen

Wer kurz innehält erkennt schnell, welches Bild hier nachgestellt wird – das letzte Abendmahl von Leonardo da Vinci. Foto: Stefanie Schlecht

Die evangelische Stadtkirchengemeinde in Böblingen hat an Gründonnerstag mit einer besonderen Aktion auf sich aufmerksam gemacht.

Böblingen: Anke Kumbier (ank)

Auf dem Elbenplatz in Böblingen spielt sich am Gründonnerstag eine ungewöhnliche Szene ab. Drei Tische, mit weißen Tüchern bedeckt, bilden eine lange Tafel. An diesen Tischen sitzen auf einer Seite aufgereiht 13 Menschen, die unterschiedliche Posen eingenommen haben. Für ein paar Momente friert diese Szene ein.

 

Neben einer kleinen Zuschauergruppe, bleiben auch zwei Jugendliche stehen, gucken und fragen, was das soll. Dann erkennen sie das Bild: „Das ist das letzte Abendmahl“, sagt eine der beiden jungen Frauen und liegt damit genau richtig.

Hinter der Aktion auf dem Elbenplatz steht die evangelische Stadtkirchengemeinde in Böblingen. Unter dem Motto „Mahl ganz anders“ stellen 13 Menschen in einer Art Straßentheater das berühmte Bild von Leonardo da Vinci nach. Seit 2011 gibt es die Aktion in verschiedenen Städten in Deutschland, in Böblingen fand sie zum ersten Mal statt.

Gründonnerstag in die Stadt bringen

„Der Gedanke dahinter ist, Gründonnerstag in die Stadt zu bringen und auf die letzten Stunden Jesu hinzuweisen“, sagt Gerlinde Feine, Pfarrerin der Böblinger Stadtkirche. Die Idee: Nicht die Menschen kommen in die Kirche, sondern die Kirche zu den Menschen. Das „Letzte Abendmahl“ zeigt vermutlich den Moment, kurz nachdem Jesus zu seinen Jüngern gesagt hat, „einer von euch wird mich verraten.“ Die Jünger nehmen diese Nachricht unterschiedlich auf. Es gebe beispielsweise die Überraschten, die Wütenden und die Diskutanten, sagt Feine. „Das sind doch auch heute noch ganz typische Reaktionen auf solche Art von Nachrichten.“

Allerdings war offenbar bis kurz vor knapp nicht klar, ob das Straßentheater überhaupt stattfinden kann und sich 13 Menschen finden, die mitmachen. Bei der Probe am Mittwochabend seien sie zu sechst gewesen, am Donnerstagmorgen waren es erst neun. Gefüllt hat sich die Tafel trotzdem. Die restlichen Mitspieler wurden auf der Straße angesprochen oder fragten von sich aus, ob sie mitmachen dürfen, sagt Feine.

Die Möglichkeit im Trubel innezuhalten

An insgesamt drei Orten haben sie am Donnerstag die Szene gespielt: vor dem Medicum, vor dem Bahnhof und auf dem Elbenplatz. Angela Homolka, Mitglied der Martin-Luther-Kirchengemeinde, wurde per Los die Rolle des Jesus zugeteilt. Für Homolka war das Straßentheater ein guter Anlass, sich das bekannte Bild noch einmal genau anzuschauen. „Ich habe festgestellt, dass Jesus ganz absent, ganz für sich alleine ist. Er ist der einzige, der weiß was kommt.“

Ihr gefalle an „Mahl ganz anders“ die Idee, das Geschehen von Karfreitag in die Öffentlichkeit zu bringen. Jeder sei an Gründonnerstag im Stress, erledige letzte Ostereinkäufe. „Da bietet das Theater einen Haltepunkt.“ Auch für sie selbst sei es eine Möglichkeit zum Innehalten.

Für Martin Frey, Pfarrer im Ruhestand, war es die Gelegenheit, noch einmal über die Rolle des Judas, den er gespielt hat, nachzudenken. Schließlich nimmt Judas eine Schlüsselposition ein. Für 30 Silberlinge verrät er der Bibel zufolge Jesus, was zu dessen Verhaftung und Hinrichtung führt. Ohne Judas’ Verrat gäbe es keine Kreuzigung – aber auch keine Auferstehung.

Botschaft zu den Menschen bringen

Für die Kirchengemeinde bieten solche Aktionen Sichtbarkeit und Kontakt zu Menschen. Die Besucherzahlen des Gottesdienstes an Gründonnerstag seien ganz schlecht, sagt Feine. Dabei sei das eigentlich der zentrale Termin, um gemeinsam das Abendmahl zu feiern. Mit dem Straßentheater wolle sie nicht die Leute in die Kirche locken. „Sondern es geht darum, dass wir eine Botschaft haben, die wir zu den Menschen bringen wollen.“

Gott lade beim Abendmahl alle ein, sich an den Tisch zu setzen. „Egal, was sie glauben oder tun.“ Auf Karfreitag, an dem Jesus der Bibel nach gekreuzigt wurde, folgt am Ostersonntag die Auferstehung. „Die Botschaft, die wir haben, ist, dass es Hoffnung gibt.“ Feine zeigt sich am Ende mit der Aktion zufrieden. „Wir haben unterschiedliche Leute unterschiedlichen Alters zusammengebracht und schöne Gespräche geführt.“

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