Ana Durlovski im Porträt „Ich bin die Gewinnerin!“

Von Susanne Benda 

Acht Jahre lang war die mazedonische Koloratursopranistin Ana Durlovski eines der Aushängeschilder der Oper Stuttgart. Mit „Don Pasquale“ verabschiedet sie sich vom Ensemble des Hauses – Premiere ist an diesem Sonntag.

Ana Durlovski mit André Morsch bei den Proben zu „Don Pasquale“ in Stuttgart Foto: Martin Sigmund
Ana Durlovski mit André Morsch bei den Proben zu „Don Pasquale“ in Stuttgart Foto: Martin Sigmund

Stuttgart - „Bei bestimmten Menschen muss immer etwas passieren“, sagtAna Durlovski. Nach einer ewig langen Bühnenprobe zu Gaetano Donizettis „Don Pasquale“ sitzt die 39-Jährige so quicklebendig in einem Besprechungszimmer der Oper Stuttgart, dass ganz klar ist, wenn sie mit den „bestimmten Menschen“ meint. „Dann klappt alles“, fügt die Sängerin noch hinzu, und wenn sie dann nicht nur erzählt, was sie in acht Jahren als Ensemblemitglied alles gemacht, gelernt und erlebt hat, sondern das Erzählte außerdem immer wieder mit ihrem hellen, ansteckenden Lachen begleitet, dann kommt man nicht umhin, ihr zuzustimmen: Ja, offenbar ist das so, offenbar muss bei Menschen wie ihr immer etwas passieren, und offenbar klappt dann wirklich alles.

Wie sonst ließe sich auch der kometenhafte Aufstieg der mazedonischen Sängerin erklären, die als noch unbekannte Einspringerin für die Lucia di Lammermoor 2009 aus Mainz nach Stuttgart kam, 2011 festes Mitglied in Jossi Wielers Sängerensemble wurde, seither hier in Stücken von Bellini („Die Nachtwandlerin“, „Die Puritaner“), Händel („Ariodante“), Rameau („Platée“), Jommelli („Berenike“), Offenbach („Hoffmanns Erzählungen“), Verdi („Rigoletto“) und Strauss („Ariadne auf Naxos“) aufgetreten ist und dabei derart geglänzt hat, dass man sich ein Opernleben ohne ihre zwar kleine, aber ungemein bewegliche und höhensichere Stimme kaum vorstellen mag? Es wird dennoch so kommen, denn mit dem Wechsel der Intendanz endet auch ihr Vertrag in Stuttgart. „Ich habe“, sagt Ana Durlovski, „in einem Gespräch die Information bekommen, dass man keine Pläne für die Art von Musik hat, die ich singe.“ Traurig sei das, o ja, vor allem für sie. Schließlich sei sie auch beruflich unbedingt ein Familienmensch, und „die Produktionen, bei denen ich dabei war, wären lange nicht so gut geworden, wenn wir alle hinter den Kulissen nicht auch befreundet gewesen wären“. Eine Opernproduktion fuße immer auf gemeinschaftlichem Tun: „Wie im Fußball versuchen auch wir, als Team in guter Koordination den Ball ins Netz zu bringen“. Aber inneren Druck habe sie sich nie gemacht, und bis jetzt sei, wenn sich eine Tür geschlossen habe, noch immer eine neue aufgegangen.

Breites Repertoire für eine Koloratursopranistin

Was Ana Durlovski in Stuttgart gelernt hat, kann man auf der Bühne sehen. Seit ihrem Stuttgart-Debüt ist bei der Sopranistin viel Körper zum Kopf dazu gekommen, eine dichte Verbindung hat sich hergestellt. Und ihre Stimme ist fester, sicherer geworden. Letzteres führt sie selbst auf die Breite des Repertoires zurück, das sie am Eckensee singen durfte („Als Koloratursopranistin, die mit Mozarts Königin der Nacht beginnt, bleibt man sonst oft in dieser Schublade stecken“). Und für Ersteres dankt sie vor allem dem Regieduo Jossi Wieler und Sergio Morabito, das sie lehrte, „keinen Ton mehr ohne ein Gefühl, eine Bewegung und eine Geschichte dahinter zu singen“. Vor zehn Jahren hat sie bei Koloraturen vor allem an die technische Präzision gedacht – heute hingegen weiß sie, wie viel Unterschiedliches man auch mit virtuosen Verzierungen ausdrücken kann. Und dass Traurigkeit viel stärker wirkt, wenn man sie nicht mit Traurigkeit spielt, sondern durch ein Lachen hindurchscheinen lässt.

Mit Donizetti hat die Stuttgarter Ära Durlovski begonnen, mit Donizetti geht sie zu Ende. Das ist traurig, aber ein Lachen ist auch dabei. An diesem Sonntag hat „Don Pasquale“ Premiere, das Duo Wieler/Morabito inszeniert, und die letzte Produktion der Sängerin als Ensemblemitglied ist auch ein kleiner Triumph. Immer wieder, erzählt Ana Durlovski, habe sie sich beschwert, dass sie immerzu nur diese zerbrechlichen, verletzten Frauengestalten singen müsse. „Leute“, habe sie gefordert, „in der nächsten Produktion ist Schluss mit dem Trauma, da will ich durch den Zuschauerraum fliegen!“ Naja, letzteres habe nicht geklappt, aber immerhin spiele sie jetzt eine starke Frau mit krimineller Energie. „Endlich kann ich mal böse sein, und am Ende muss ich nicht sterben. Ich bin die Gewinnerin!“