Analyse zu Klimazielen LBBW: Industrie hat Nachholbedarf beim Umweltschutz

Von Kerstin Ruchay 

Die deutsche Industrie wird nach einer Studie der Landesbank LBBW die Klimaziele verfehlen. Um bis 2030 beim Ausstoß von Kohlendioxid das Ziel von 140 Millionen Tonnen zu erreichen, müssten die Unternehmen ihre Anstrengungen verdoppeln.

Wenn Braunkohle zu Strom wird, entsteht besonders viel klimaschädliches Kohlendioxid (CO2). Deshalb sollen sie nach und nach sollen sie  vom Netz genommen werden. Foto: dpa
Wenn Braunkohle zu Strom wird, entsteht besonders viel klimaschädliches Kohlendioxid (CO2). Deshalb sollen sie nach und nach sollen sie vom Netz genommen werden. Foto: dpa

Stuttgart - Beim Klimaschutz muss es schneller vorangehen, wenn Deutschland seine Ziele nicht krachend verfehlen will. Bis zum Jahr 2030 will Deutschland 55 Prozent weniger Treibhausgase ausstoßen als 1990, ist bislang aber längst nicht auf Kurs. Am 20. September will das Klimakabinett der Bundesregierung deshalb über ein umfassendes Paket für mehr Klimaschutz zu entscheiden. Es geht dabei um Förderprogramme, neue Vorgaben und einen Preis für den Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase (CO2) , der Tanken und Heizen mit Öl oder Gas teurer machen soll.

Die Klimapolitik der Bundesregierung wird erhebliche Folgen für die Industrieunternehmen in Deutschland und ihre Produktionsmethoden haben. So warnte etwa der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags Eric Schweitzer etwa vor einer zusätzlichen Belastung für die Wirtschaft. „Wir haben bereits die höchsten Strompreise in Europa“, sagte er. „Die Betriebe brauchen im Gegenzug Entlastungen bei der EEG-Umlage und bei der Stromsteuer. Am wichtigsten für die Unternehmen ist Planungssicherheit“. Die Wirtschaft dürfe „ bei einer CO2-Bepreisung die deutsche Wirtschaft nicht zusätzlich belastet werden“.

Volker Stoll, Analyst bei der Landesbank LBBW sagt, dass sich nicht nur gesetzliche Regelungen, sondern auch das Verhalten der Kunden das Wirtschaftsleben stark verändern werden. „Die CO2-Emissionen werden die Kosten- und Absatzentwicklung der Unternehmen in Zukunft maßgeblich prägen.“ Deshalb sei es umso bedauerlicher, dass viele Unternehmen die zunehmende Geschwindigkeit des Technologiewechsels unterschätzen würden. „Die deutsche Industrie braucht etwa doppelt so hohe Investitionen in Energiespartechniken, um 2030 das selbst gesteckte Ziel von 140 Millionen Tonnen CO2-Ausstoß zu erreichen“, sagt Stoll. „Gute Betriebe leisten aktuell eine CO2-Reduktion um jährlich 1,7 Prozent, das ist eindeutig zu niedrig. Um das Ziel zu erreichen, wären aber branchenweit 2,6 Prozent notwendig.“ Zwischen 2014 und 2017 seien die Emissionen der deutschen Industrie sogar gestiegen. Die bislang angekündigten Maßnahmen zur CO2-Reduzierung würden nicht einmal annähernd ausreichen, eine nachhaltigere Welt zu erreichen.

Der LBBW-Analyst plädiert deshalb für globale Vorgaben. Denn dann müsse auch die Konkurrenz umweltschonend produzieren. „Der deutsche Mittelstand konzentriert sich besonders auf den europäischen Markt und damit die europäischen Regelwerke“, sagt Stoll. „Es steigt die Gefahr, zu teure CO2-effiziente Produkte anzubieten, die am Ende nur in Europa abgesetzt werden. Als Beispiel nennt er Asien. Dort würden wenig effiziente Kohlekraftwerke gebaut, die viel Kohlenstoffdioxid ausstoßen, anstatt „hocheffiziente Gasturbinen westlicher Anbieter einzusetzen“.