Anastacia-Konzert in Stuttgart Hit, Hits, Hits und ein kleines bisschen Tote Hosen

Anastacia beim Auftritt in der Stuttgarter Liederhalle Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Spät erschienen, dann aber gut abgeliefert: Anastacia hat in der Stuttgarter Liederhalle mit einer temporeichen Soul-Pop-Rock-Revue begeistert.

Das nennt man wohl missratenes Zeitmanagement: Erst um 21.40 Uhr betritt Anastacia reichlich verspätet am Mittwochabend die Bühne der Liederhalle – ein spätnachmittägliches „Meet & Greet“ sei – so hört man – tüchtig aus dem Ruder gelaufen. Es ist einerseits durchaus sympathisch, wenn sich ein Star für eine solche Begegnung mit handverlesenen Fans Zeit nimmt und nicht nach fünf Minuten und ein bisschen Small Talk schon wieder abrauscht.

 

Allerdings stößt ein solches Gebaren an seine Grenzen, wenn 40 Fans ausgiebig beglückt werden und 1600 andere dafür umso mehr Geduld beweisen müssen – auch wenn im Vorprogramm die englische Sängerin Eloise Viola und ihr Gitarrist die Wartezeit mit einer durchaus interessanten Mischung aus synthetischen Dancegrooves und kantigen Indierock-Riffs ein wenig verkürzte.

„Sprock“ nennt Anastacia ihr Genre

Doch siehe da: Endlich erschienen, verzeihen die Besucher im gut gefüllten, wenn auch nicht ganz ausverkauften Beethovensaal Anastacia umgehend – schon nach wenigen Sekunden erhebt sich das Publikum im Parkett weitgehend von seinen Sitzen und verbringt den weiteren Abend zumeist stehend, feierfreudig und mit stetig wachsender Begeisterung. Das liegt vor allem daran, dass die 54-Jährige aus Chicago von Beginn an professionell sämtliche Showbiz-Tugenden abruft, die es für eine rasante Revue zwischen Rock und Black Music benötigt. Unterstützt von einer Schlagzeugerin, zwei wechselweise singenden und Keyboard spielenden Begleiterinnen sowie einem Gitarristen zeigt sich Anastacia nahbar und extrovertiert, bellt ihre Songs mit ihrem markanten Timbre stimmstark in den Saal und beweist, dass sie neben einigen waschechten Welthits auch gleich noch ihren eigenen Stil erfunden hat: „Sprock“ nennt sie ihren Sound, und nach wie vor besitzt die Amerikanerin quasi das alleinige Copyright auf diese Mischung aus Soul, Pop und Rock, einen Schuss Latin Music inklusive.

Sie covert auch die Toten Hosen

Wie souverän sie sich zwischen diesen Genres bewegt, zeigt auch das Programm ihrer aktuellen Tournee. „Sweet Child o’ Mine“ von den Guns N’ Roses intoniert sie ebenso kraftvoll und überzeugend wie „Best Days“, ihre Coverversion der Tote-Hosen-Hymne „Tage wie diese“. Drum herum gibt es natürlich alle Hits von „Sick and Tired“ über „One Day in Your Life“ bis zu „I’m Outta Love“, während Anastacia etliche Kostümwechsel meistert und eine eindrucksvolle Kollektion an High Heels, Lederhosen, Rüschenröcken sowie reichlich verzierten Jeansoberteilen präsentiert.

Und dann wären da ja noch Rose und Stan: Mit seinen temporeichen, immens physischen und glänzend choreografierten Performances avanciert dieses Duo der Extraklasse zu den heimlichen Stars des Abends und tanzt sich förmlich in die Herzen des Publikums. Nach knapp neunzig temporeichen Minuten beendet schließlich „Left Outside Slone“ ein hochgradig „sprockiges“ Set, das so wohl tatsächlich nur Anastacia auf die Bühne bringen kann.

Weitere Themen