Anbieter will flächendeckend erschließen Ebersbach hat Chance auf Glasfasernetz

Das Raichberg-Schulzentrum käme mit hinein in den Glasfaserausbau – wenn es in Ebersbach genug Anschlussbereitschaft gibt. Foto: Staufenpress

Ein Anbieter will Ebersbach flächendeckend erschließen, wenn 40 Prozent der Haushalte Anschlüsse buchen. Hinfällig würde dann die laufende Ausschreibung mit staatlichen Zuschüssen und einer Eigenbeteiligung.

Ebersbach - Nach Albershausen und Schlierbach bekommt Ebersbach die Chance auf ein Glasfasernetz. Die Deutsche Glasfaser, eine Unternehmensgruppe mit Sitz in Nordrhein-Westfalen, bietet dies an. Im Technischen Ausschuss des Ebersbacher Gemeinderats stellte sie ihr Angebot vor. Es würde die Kernstadt und die Teilorte abdecken, allerdings nicht bis auf den letzten Aussiedlerhof. Es würden noch „graue Flecken“ bleiben. Aber dafür kann es ebenfalls eine Lösung geben.

 

Das Angebot kommt zu einem Zeitpunkt, da die Stadt schon im Rennen ist um ein Glasfasernetz, das Lücken schließen soll. Ausgeschrieben sind Aufträge mit einem Volumen von 2,6 Millionen Euro. Dies erfolgt mit Begleitung durch den Zweckverband Gigabit im Landkreis Göppingen. Es wurden Förderanträge gestellt, die bewilligt sind. Die Stadt muss dabei einen Eigenanteil von zehn Prozent übernehmen, also 260 000 Euro, und der Bau der Glasfaserstrecken würde voraussichtlich zwei bis dreieinhalb Jahre dauern. So sagt es Sarah Sophia Malec, die die Stadt seitens des Zweckverbands Gigabit betreut.

Unternehmen will eigenwirtschaftlich ausbauen

Jetzt kommt ein Unternehmen, das eigenwirtschaftlich ausbauen würde. Ohne öffentliche Zuschüsse und ohne eine Kostenbeteiligung der Stadt. Sie würde „einen Großteil aller Adresspunkte im Stadtgebiet“ erschließen. Das Angebot lag schon im Dezember auf dem Tisch. Man hat noch nachverhandelt, berichtete der Wirtschaftsförderer der Stadt, Frieder Scheiffele, und dabei erreicht, dass unter anderem das Raichberg-Schulzentrum, Büchenbronn, Krapfenreut und das Bünzwanger Neubaugebiet „Unterer Wasen“ mit ins Paket kommt. Jetzt bekäme man für fast flächendeckende Bereiche Wohngebiete und Gewerbegebiete mit Glasfaser „bis ins Haus“ erschlossen.

Die Stadt greift nach diesem Angebot. Der Ausschuss des Gemeinderats hat einstimmig dafür votiert, das Interesse zu bekunden und einen Kooperationsvertrag mit der Deutschen Glasfaser zu unterzeichnen. Der Gemeinderat muss das noch bestätigen. Dann steht die Stadt offiziell dahinter. Allerdings: Ein Kooperationsvertrag ist eine Basis für den Anbieter, er kann dann mit Unterstützung der Stadt auf die Einwohner zugehen. Er bindet die Stadt aber nicht. Sie könnte auch einen Kooperationsvertrag mit einem zweiten Anbieter abschließen, erklärte Tim Bozarslan von der Deutschen Glasfaser. Ein solcher Vertrag schließt keinen Wettbewerber aus. Umgekehrt könnte die Deutsche Glasfaser auch ohne Kooperationsvertrag auf die Einwohner und die Wirtschaft zugehen und um Anschlüsse werben. Aber diesen Weg will man nicht gehen, sagt Bozarslan.

Mindest 40 Prozent müssen sich für einen Anschluss entscheiden

Über den Erfolg ist noch nichts gesagt. Die Hürde: Es müssten sich mindestens 40 Prozent der Anschlussnehmer für einen Anschluss entscheiden. Das soll sich in einem gewissen Zeitraum, im Frühjahr oder bis zu den Sommerferien, herausstellen. Dann könnte die Deutsche Glasfaser auch loslegen. Mit 18 Monaten Bauzeit wäre zu rechnen, Anfang 2024 wäre dann die „Hardware“ installiert, erläutert Bozarslan. „Vielleicht wären dann noch nicht alle Anschlüsse fertig.“ Das große Aufgraben werde es nicht. Man verlege die Kabel „minimal invasiv, höchstens mit dem Minibagger“. Je nachdem könne man Kabel durch den Untergrund „schießen“.

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Für Bürgermeister Eberhard Keller ist das ein zeitlicher Vorteil, und die Einsparung von einer 250 000 Euro wäre für sich schon ein Wort. „Wir haben die Chance auf ein flächendeckendes Glasfasernetz. Wenn wir nicht mitmachen, wissen wir nicht, wann wir es bekommen.“

Wenn der Gemeinderat dem Vertrag zustimmt, hätte die Stadt zwei Eisen im Feuer. Die Deutsche Glasfaser könnte ihr Ziel verfolgen, und gleichzeitig läuft noch die Ausschreibung für die laut Kostenschätzung 2,6 Millionen Euro teure Breitbanderschließung in der Stadt – für Schulen, Gewerbegebiete und Privathaushalte, die im Stadtgebiet verstreut sind. Kein Problem, sagt Sarah Sophia Malec vom Zweckverband Gigabit. Eine solche Ausschreibung stehe unter dem Vorbehalt, dass sie hinfällig werde, wenn sich noch ein eigenwirtschaftlicher Anbieter findet.

Die Ausschreibung läuft noch

Für den ursprünglichen Plan sieht es auch gut aus. „Wir haben Angebote“, sagt Sarah Malec. Es gebe Interesse am Ausbau der Ebersbacher Gebiete. Die Ausschreibung läuft noch, bis zum Spätsommer weiß man mehr. Und wenn sie bis dahin überholt würde durch die Initiative der Deutschen Glasfaser – es gäbe dann trotzdem noch Bedarf, weil die Deutsche Glasfaser nicht alles abdecken würde. Man müsste Ergänzendes finden für graue oder weiße Flecken, sagt Sarah Malec.

Unternehmen auf Expansionskurs

Wachstum
Die Deutsche Glasfaser ist auf Expansionskurs. Sie habe voriges Jahr 15 000 Kilometer Glasfaser verlegt, erklärt Tim Bozarslan. Der Takt liege momentan bei 35 000 Anschlüssen monatlich. Um 600 Baustellen bundesweit kümmerten sich gut 1700 Mitarbeiter. Wirtschaftsförderer Frieder Scheiffele bestätigt, man könne im Internet sehen, wie das Netz wachse.

Zugang
Die Strategie: Wer das Netz in einer Gemeinde hat, kann selbst Haushalte versorgen und andere Anschlüsse an Wettbewerber vermieten. Ausgeschlossen wird keiner, es gilt der offene Zugang. Die Telekom habe derzeit kein kurzfristiges eigenwirtschaftliches Ausbauinteresse in Ebersbach. So weiß es die Stadt und ihre Betreuerin Sarah Sophia Malec vom Zweckverband Gigabit.

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