Mit der Stadtbahn von Waiblingen nach Fellbach und weiter gen Stuttgart oder in den Nachbarkreis Ludwigsburg – diese Idee ist nicht neu und klingt durchaus attraktiv, wird aber offenbar keine Realität werden. Die Waiblinger Stadtverwaltung hat den Mitgliedern des Planungsausschusses jetzt mitgeteilt, dass der Zweckverband Stadtbahn im Landkreis Ludwigsburg inzwischen nicht einmal mehr eine Trassenführung bis Remseck-Neckargröningen vorsehe. „Damit steht für eine Streckenverlängerung bis Waiblingen auch kein passender Anknüpfungspunkt mehr zur Verfügung“, heißt es vonseiten der Verwaltung.
Keine Chance auf Anschluss ans Stadtbahnnetz?
Auch einem Anschluss an die Linien U 1 oder die U 16, die zwischen Fellbach und dem Stuttgarter Stadtteil Giebel fährt, räumt der für den öffentlichen Personennahverkehr zuständige Landkreis offenbar keine Chancen ein. Das, obwohl eine weitere Kommune, die Gemeinde Kernen, sich ebenfalls seit vielen Jahren eine Verlängerung der Stadtbahn bis nach Rommelshausen wünschen würde.
Weder der Landkreis noch der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) hielten eine Stadtbahnverbindung zwischen Waiblingen und Fellbach und gen Kreis Ludwigsburg für verkehrlich oder gesamtwirtschaftlich sinnvoll, erläuterte der Fachbereichsleiter Patrik Henschel – weshalb die Verwaltung vorschlug, eine bislang für die Stadtbahn reservierte Trasse im Bereich des Waiblinger Bahnhofs nicht länger freizuhalten. Dann könnte diese Fläche in die Planungen für die anstehende Neuordnung des Bahnhofsumfelds einbezogen werden.
Absage an die Mobilitätsende?
Etliche Mitglieder des Gemeinderats halten diesen Schritt für verfrüht. Urs Abelein (SPD) äußerte sich enttäuscht von dem Vorschlag: „Wir verbauen uns die Mobilitätswende.“ Zwar sei Waiblingen durch den 15-Minuten-Takt der S-Bahn deutlich besser angebunden als früher, tatsächlich werde dieser Viertelstundenrhythmus aber oft nicht eingehalten, beispielsweise wegen Zugausfällen durch Krankheit, wie das auch momentan der Fall sei. „An solchen Tagen wäre eine Stadtbahn vonnöten.“
Vorschlag: Stadtbahn in den Tunnel
Selbst wenn die S-Bahn in Ausnahmefällen gesperrt oder überlastet sei, rechtfertige dies nach Ansicht des Landkreises nicht den teuren Bau und Unterhalt einer Infrastruktur für die Stadtbahn, entgegnete Henschel. Der Nutzen sei im Vergleich zu den Kosten zu gering. So sehe der Kreis auch keine Chance, dass Land oder Bund eine Stadtbahnverbindung zwischen Fellbach und Waiblingen oder Kernen fördern könnten. Eine Fortführung der Stadtbahnlinie U 1 wäre allein schon wegen der vorhandenen Bebauung schwierig – sowohl in Fellbach als auch in Waiblingen. In Fellbach müssten Gebäude weichen oder die Stadtbahn in einem Tunnel verkehren. Eine abschnittsweise Verlegung in den Untergrund hält die Fraktion Alternative Liste (Ali) zumindest für prüfenswert, alternativ regte die Waiblinger Gemeinderätin Dagmar Metzger (Ali) eine Trassenführung über die Höhestraße an.
Schienmann: Stadtbahn müsste ins Zentrum Waiblingens fahren
Die ins Spiel gebrachte teilweise im Tunnel fahrende Stadtbahn war auch in Fellbach schon ein Thema: Im Zuge der Debatte um die Verlegung der Endhaltestelle Lutherkirche in Richtung des Alten Friedhofs gab es auch Forderungen nach einer (unterirdisch) geführten Verlängerung der U 1 bis zum Schwabenlandtower und somit bis kurz vor die Gemarkungsgrenze von Waiblingen.
Dort wäre eine Endstation am Bahnhof aber nicht sinnvoll, denn dann wäre die Stadtbahn eine Konkurrenz zur S-Bahn, argumentierte der Baubürgermeister Dieter Schienmann: „Parallelverkehre werden nicht befürwortet. Wenn, dann müsste mit der Stadtbahn das Stadtzentrum angebunden werden.“ Auch eine Schnellbuslinie zwischen Fellbach und Waiblingen wäre eine Konkurrenz für die Buslinien 207 und 210, die dort verkehren und für welche die Stadt Waiblingen derzeit kein Geld zuschießen muss. Daher gilt auch diese als chancenlos.
Letzten Endes stimmte eine Mehrheit der Gemeinderäte für den Vorschlag der Verwaltung, die Trasse am Waiblinger Bahnhof nicht länger freizuhalten. Ohnehin, so argumentierte Roland Wied (SPD), müsste eine Stadtbahn, wenn überhaupt, in Richtung der Rinnenäckersiedlung und gen Weinstadt fahren: „Dazu müssen wir keine Trasse am Bahnhof freihalten.“