Lockere und ungezwungene Atmosphäre: Alle vier Halbfinalisten posieren gemeinsam für ein Foto, über den Siegerpokal dürfen sich die „Dagersheimer Lions“ freuen. Foto: Harald Rommel
Die Trainer greifen selbst zur Pfeife, die Torhüter sollen in ihrem Kasten bleiben – die SpVgg Aidlingen hat bei ihrem Hallenfußball-Turnier keine Lust auf die offiziellen WFV-Regeln.
Harald Rommel
19.01.2026 - 07:42 Uhr
Nach der überaus positiven Resonanz bei der Premiere im vergangenen Jahr war es keine Frage, dass das Aidlinger Aktiven-Fußballturnier unter Hobbybedingungen in eine zweite Auflage geht. Bei dieses Mal zehn teilnehmenden Mannschaften gilt die Idee jetzt schon als Erfolgsmodell und zukunftsfähiges Format. Fortsetzung folgt auf jeden Fall.
Wie gelingt es, den Hallenturnieren neues Leben einzuhauchen und sich von anderen Events abzuheben? Diese Frage stellte sich die SpVgg Aidlingen im Sommer 2024. Die pfiffigen Lösungen hatten die rührigen Macher um Initiator Tobias Lindner schnell gefunden. Sie entschieden sich zunächst, das Turnier in einer ganz lockeren, ungezwungenen Atmosphäre als Treffpunkt unter Freunden abzuhalten.
Torhüter darf beim Hallenturnier in Aidlingen nicht über die Mittellinie
Sie feilten dazu an einer Hallenregel, die Tobias Lindner schon lange ein Dorn im Auge ist. „Wenn bei Hallenturnieren der Torhüter auch noch Torschützenkönig wird, läuft was schief“, war der Coach der Ersten vom Vogelherdle noch nie ein Freund des fliegenden Keepers. „Es muss wieder mehr Fußball gespielt werden“, darf in der Buchhaldenhalle der Schlussmann nicht mehr über die Mittellinie. „Das ist richtiger Hallenfußball“, hatten sich die Organisatoren und viele Teilnehmer schnell mit dieser ihrer Ansicht nach wesentlich interessanteren Variante angefreundet.
Da dies aber nicht den offiziellen Hallenregeln des Württembergischen Fußballverbandes entspricht, machte die Sportvereinigung aus dem Heckengäu aus der Not eine Tugend. Die Begegnungen wurden nicht von geprüften Schiedsrichtern gepfiffen, sondern in der Regel von den Trainern der gerade nicht auf dem Feld stehenden Mannschaften. „Da bekommt man einen ganz anderen Blickwinkel“, hat diese Erfahrung bei Tobi Lindner selbst sehr viel für die Punkterunde gebracht, wie er unumwunden zugibt.
Pfiffige Idee: Jedes Team erhielt schon vor dem ersten Anpfiff als Geschenk ein Schnapsbänkle. Foto: Harald Rommel
Es freut ihn, dass auch viele ehemalige Kicker den Weg in die Buchhaldenhalle gefunden haben und bei der anschließenden Players-Night noch so manche Anekdote zum Besten gaben. Noch bevor in zwei Fünfergruppen gekickt wurde, gab es die ersten Geschenke. Jede teilnehmende Mannschaft erhielt ein originelles Schnapsbänkle aus Holz mit eingebrannten Vereinsnamen.
„Es wird hier viel weniger gebruddelt, und es gibt längst nicht so viele verbissene Zweikämpfe“, stellten die Akteure der teilnehmenden Teams unisono schnell fest. „So macht Hallenfußball noch viel mehr Spaß.“ Den hatten die zahlreichen Zuschauer in der rappelvollen Halle auch an den originellen Namen, die sich die Kicker für ihre Mannschaften ausgedacht hatten.
Auch in Gruppe B war bei allen fünf Teams die Bank, auf der in der Regel ein halbes Dutzend Auswechselspieler Platz nahm, fast zu klein. Bezirksligist TV Darmsheim, hatte sich Trikots mit seinem Alias-Namen „Darmsheimer Dolphins“ anfertigen lassen. Klassenkamerad SV Rohrau lief als „Rohrauer Lobster“ auf, der FSV Deufringen mischte als „Deufringer Schnegga“ mit, der TV Altdorf als „Altdorfer Kojoten“ und Ausrichter SpVgg Aidlingen stand als „Aidlinger Füxe“ auf dem Spielplan. Eben jene „Aidlinger Füxe“ machten mit der maximalen Ausbeute das Rennen vor den „Rohrauer Lobster“.
Im Finale messen sich Gastgeber SpVgg Aidlingen und der TSV Dagersheim
Im ersten Semifinale setzten die „Dagersheimer Lions“ ihren Siegeszug mit 5:1 gegen die „Rohrauer Lobster“ fort. Die „Aidlinger Füxe“ zwangen in der anderen Partie der Vorschlussrunde die „Ehninger Esel“ mit 3:1 in die Knie. Im kleinen Finale hielten sich die „Ehninger Esel“ dann mit 8:7 im Neunmeterschießen gegen die „Rohrauer Lobster“ schadlos. Das Endspiel entschieden die „Dagersheimer Lions“ mit 1:0 gegen die „Aidlinger Füxe“ für sich.
„Alle wollen im nächsten Jahr wiederkommen“, hätte es für Tobias Lindner und sein Team keine schönere Anerkennung und Bestätigung geben können als die Zusage für ihr etwas anderes, aber durchaus zukunftsweisendes Hallenfußballturnier.