Andrang im Kreis Böblingen Waldheime können Nachfrage kaum decken

48, 49, 50: Böblingens Oberbürgerbürgermeister Stefan Belz war bei seinem Besucht im Waldheim auf dem Tannenberg gefordert. Er musste Seilhüpfen. Foto: /Stefanie Schlecht

In den beiden Böblinger Waldheimen können nicht alle Kinder untergebracht werden, die gerne einen Platz gehabt hätten. In Sindelfingen dagegen sind Ende August noch Plätze frei.

Böblingen: Jan-Philipp Schlecht (jps)

Ob er sich auf den Besuch sportlich vorbereitet hat, ist nicht überliefert. Im Waldheim auf dem Tannenberg gab Böblingens Oberbürgermeister Stefan Belz beim Seilhüpfen jedenfalls eine gute Figur ab. 50 Mal durfte, oder besser gesagt musste, er die Sohlen lupfen, was ihm unter den Jubelrufen der Waldheim-Kinder unfallfrei gelang. Rund 250 Kinder im Alter von fünf bis zwölf Jahren waren es in der ersten Waldheim-Woche, sagt der Jugendreferent des evangelischen Jugendwerks in Böblingen, Matthias Moroff. „In der zweiten Woche haben wir dann mit 320 Kindern wieder fast Vor-Corona-Niveau“, sagt er. Maximal 350 bis 400 Kinder verkrafte die Einrichtung. Der Andrang sei groß gewesen in diesem Jahr, nicht alle Kinder konnten untergebracht werden.

 

Die Zahl an Betreuungskräften ist der limitierende Faktor

Der limitierende Faktor seien die Betreuer-Kapazitäten, sagt Moroff. „Wenn ich mich in dem Team umsehe, dann sind wir im Schnitt deutlich jünger als in früheren Jahren.“ Problem: Manche Hochschulen hätten ihre Prüfungen wegen Corona in den August geschoben, weswegen viele Studenten unter den Betreuern weggefallen sind. „Und von unten ist es nicht im gleichen Maße nachgewachsen“, sagt er. Ähnlich voll geht es im Awo-Waldheim an der Heuwegflosche zu, wie Julia Tenaglia aus dem Leitungsteam berichtet. „Unsere erste Woche war schon im Mai ausgebucht“, sagt sie. Früher als jemals zuvor. Auch die zweite Woche lief schneller voll, späte Anmelder mussten auf die Warteliste. In der vergangenen und in der angefangenen Woche kommen je 182 Kinder ins Awo-Waldheim, wo sie von einem Team aus 40 Mitarbeitern betreut werden. „Ohne unsere sehr engagierten ehrenamtlichen Kräfte ginge das gar nicht“, sagt Tenaglia, die auch mehrere Kinder dabei hat, deren Eltern finanziell schwächer gestellt und daher auf die Betreuung angewiesen seien.

In Sindelfingen gibt es noch freie Plätze für Ende August

Auf dem Tannenberg schwanken die Zahlen stark: In der dritten Woche vom 15. bis 19. August werden es nur 150 Kinder sein, die ihre Sommerferien unter dem Motto „Zirkus Tannenberg“ verbringen. In der Heuwegflosche steht das Jahr im Zeichen des Märchens, weshalb der Oberbürgermeister bei seinem Besuch auch gleich zum Ritter geschlagen wurde. Als Dank gab es eine Wasserrutsche, die sich großer Beliebtheit erfreut, sagt Tenaglia, die den Kindern angesichts der Hitze extra viele Wasserspiele bieten möchte.

Nicht ganz so groß ist der Zulauf im Waldheim Eichholzer Täle in Sindelfingen, das die evangelische Kirchengemeinde dort anbietet. Waren es vor Corona in der Regel rund 380 Kinder, sind es 2022 in den ersten beiden Augustwochen nur 230 in 27 Gruppen. „Im zweiten Abschnitt in den zwei Wochen danach haben wir bis jetzt nur rund hundert Anmeldungen und daher noch ein paar wenige freie Plätze“, sagt David Coulon aus dem Täle-Team. Doch auch in Sindelfingen hätte man kaum mehr Kinder aufnehmen können, die Betreuerkapazitäten seien ebenfalls ausgedünnt.

Ursachen für den Betreuermangel gibt es viele, sagt Matthias Moroff vom evangelischen Jugendwerk: „Ein Problem sind die Konfirmanden-Unterrichte, die während Corona nicht stattgefunden haben. Dadurch konnten wir weniger Werbung für Betreuer machen.“ Dennoch seien er und sein Team froh, wieder ein „normales“ Waldheim auf die Beine stellen zu können, bei dem auch gruppenübergreifende Spiele möglich sind. Das sei während Corona unmöglich gewesen und der große Pluspunkt des Waldheims.

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