Schätzungsweise 15.000 Zuschauer sind zum Konzert von Andreas Bourani auf den Cannstatter Wasen gepilgert. Vor der untergehenden Sonne sang er Gefühliges und seine Hits „Eisberg“ und natürlich „Auf uns“.
Stuttgart - Sphärenklänge vom Keyboard, eine sanft dazu gemischte Westerngitarre - und schon singt Andreas Bourani „Ich bin wieder am Leben“ und reimt darauf „Ich hab so viel zu geben!“. „Kraft für zehn“ habe er, behauptet der Sänger schon im ersten Lied seines Konzerts auf dem Kirchentag. Doch nur 15.000 Zuschauer sind nach der optimistischen Schätzung der Kirchentags-Pressestelle zum Pop-Headliner des Protestantentreffens auf den Cannstatter Wasen gepilgert.
Mit seiner warmen, wandlungsfähigen und stark in den Vordergrund gemischten Stimme präsentiert Bourani gut geübte Emotionen im gefälligen Soulpop-Gewand. Vor der untergehenden Sonne gibt er anderthalb Stunden lang Gefühliges und seine Hits „Auf anderen Wegen“, „Eisberg“, „Nur in meinem Kopf“ und natürlich „Auf uns“. Der 31-Jährige inszeniert sich in Stuttgart als mitunter enttäuschter Suchender, dem die Zuversicht nie abhandenkommt. Beim Publikum auf dem Wasen kommt das gut an. Und es spricht für die Disziplin der Kirchentags-Besucher, dass sie auch in den emotionalsten Momenten wie verabredet den vorbeifahrenden Straßenbahnen zuwinken.
Keine Kitschgrenzen
„Fahren die im Fünf-Minuten-Takt?“, fragt der Augsburger, dessen Karriere ordentlich Fahrt aufnahm, als er 2011 beim evangelischen Kirchentag in Dresden im Vorprogramm von Aura Dione gesungen hat. Seit die ARD seinen Song „Auf uns“ 2014 zur WM-Hymne erkoren hat, gilt Andreas Bourani hierzulande als Star. Auf dem Cannstatter Wasen präsentiert er seine Lebensweisheiten der schwärmerischen Art mit besonders viel stimmlichem Enthusiasmus: „Kannst Du Dich finden so wie ein Kind, das nicht sucht, sondern beginnt?“, singt Bourani fragend, um die Antwort gleich mitzuliefern: „Wenn Du nicht mehr suchst, bekommst Du, was Du brauchst.“
Wenn Bourani von den Sternen singt und dabei himmelwärts guckt, schert er sich um keinerlei Kitschgrenzen. Wenn er mal die Lautkombination „Hooo – ooo“ zum Mitsingen anbietet und ein paar Lieder später „Ooo – ooo – ooo – ooo“, dann aktiviert der Meister des gepflegten Sehnens seine ebenfalls stark ausgeprägte Entertainment-Seite. Bouranis eigentliches Kapital jedoch ist seine Stimme, die barmt, hofft, wirbt und jubelt und dabei nie vom Weg abkommt. Was genau er sucht? Jedenfalls vermittelt er den Eindruck, er wisse, wo er es finden kann.