Andreas Braun Ehemaliger Landeschef tritt bei Grünen aus

Von red/dpa/lsw 

Für die Grünen ist es nicht schön: Ihr früherer Landeschef Braun tritt aus der Partei aus, weil er sich im Stuttgarter Klinikskandal von Kollegen im Stich gelassen fühlt. Packt er nun vor den Ermittlern aus?

Der ehemalige Landesschef der Grünen, Andreas Braun, ist aus seiner Partei ausgetreten. Foto: Archiv/dpa
Der ehemalige Landesschef der Grünen, Andreas Braun, ist aus seiner Partei ausgetreten. Foto: Archiv/dpa

Stuttgart - Im Zuge des Stuttgarter Klinikskandals ist der frühere Landeschef der Grünen, Andreas Braun, aus seiner Partei ausgetreten. Wie der SWR am Dienstag unter Berufung auf seine Austrittserklärung berichtete, gibt er als Grund an, dass er sich von seinen Parteikollegen im Stich gelassen fühlt. Ein Parteisprecher bestätigte den Austritt der Deutschen Presse-Agentur. Er sagte, Braun habe sich über viele Jahre hinweg mit großem persönlichen Einsatz in der Partei engagiert. „Für dieses Engagement sind wir ihm dankbar.“ Braun war seit 1983 Mitglied bei den baden-württembergischen Grünen.

Derzeit sitzt er wegen Verdunkelungs- und Fluchtgefahr in Untersuchungshaft. Braun war Leiter der internationalen Abteilung am Stuttgarter Klinikum und dabei für Geschäfte vor allem mit Patienten aus arabischen Staaten zuständig. Ihm werden unter anderem Betrug und Bestechung vorgeworfen. FDP-Landtagsfraktionschef Hans-Ulrich Rülke meinte: „Vielleicht packt er nun aus und es kommt Licht in das Dunkel des Skandals um die Abrechnungen des Stuttgarter Klinikums.“

Braun gab laut SWR in seiner Austrittserklärung an, ehemalige Parteikollegen würden ihn zum Sündenbock in dieser Affäre machen wollen. Es sei schäbig, dass sich in dieser für ihn und seine Familie existenziell bedrohlichen Situation niemand seiner Parteifreunde „wenigstens anstandshalber“ gemeldet habe. Andreas Braun war von 1999 bis 2006 Landesvorsitzender der Grünen in Baden-Württemberg.

Ermittlungen wegen Untreue, Betrugs und Bestechlichkeit

Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach früheren Angaben wegen Untreue, Betrugs und Bestechlichkeit gegen 21 frühere Mitarbeiter des Klinikums und Vermittler von Gesundheitsdienstleistungen.

SPD-Landtagsfraktionschef Andreas Stoch sagte: „Andreas Braun sieht sich offensichtlich als Sündenbock für den Stuttgarter Klinikskandal missbraucht. Dadurch macht er deutlich, dass die Schuld aus seiner Sicht nicht alleine bei ihm liegt.“ Jetzt müsse geklärt werden, wie weit der „grüne Filz“ reiche. Die Landespartei und das Staatsministerium müssten für sie unangenehme Fragen beantworten.

Immer wieder war spekuliert worden, dass auch Klaus-Peter Murawski mit dem Skandal etwas zu tun haben könnte. Murawski war bis 2011 in Stuttgart als Erster Bürgermeister unter anderem für Krankenhäuser in der Landeshauptstadt zuständig. Dann wechselte ins Staatsministerium, wo er einer der wichtigsten Mitarbeiter von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) war. Aus gesundheitlichen Gründen und auf ärztlichen Rat hin hatte Murawski Ende Juli seine Versetzung in den Ruhestand beantragt. Der 68-Jährige scheidet zum 31. August 2018 aus dem Amt. Kretschmann hatte Murawski wiederholt in Schutz genommen.