InterviewAndreas Hinkel, Trainer beim VfB Stuttgart II „Ich gehe meinen eigenen Weg“

Von Jürgen Frey 

Andreas Hinkel, der neue Trainer des Regionalligisten VfB II, profitiert von seiner Erfahrung als Profi. Der 34-Jährige spricht im Interview über seine Rolle bei den Roten und sieht sich dabei nicht als Notlösung.

Andras Hinkel: Der VfB zählt auf ihn als Trainer Foto: Baumann
Andras Hinkel: Der VfB zählt auf ihn als Trainer Foto: Baumann
Jürgen Frey
Stuttgart – Andreas Hinkel, der neue Trainer des Regionalligisten VfB II, profitiert von seiner Erfahrung als Profi. Der 34-Jährige spricht im Interview über seine Rolle bei den Roten und sieht sich dabei nicht als Notlösung. -
- Herr Hinkel, Glückwunsch zum vorweihnachtlichen Geschenk durch den VfB.
Ich sehe das weniger als Geschenk an, vielmehr als Herausforderung. Aber ich habe mich gefreut, dass sich der VfB für mich als Cheftrainer der U 23 entschieden hat.
Und Ihnen Ihre erste Tätigkeit als Cheftrainer bei den Aktiven zutraut.
Dass der Verein auf mich zählt, wusste ich. Sonst wäre ich nicht für zwei Spiele als Co-Trainer von Interimscoach Olaf Janßen zu den Profis aufgerückt. Das vertraut man nicht jedem an. Wir haben die beiden Partien dann auch gewonnen, so dass ich einen kleinen Teil dazu beigetragen habe, diese Phase positiv zu gestalten.
Begonnen haben Sie Ihre Trainertätigkeit beim VfB in der U 12.
Und wissen Sie was? Im Kinderfußball zu arbeiten war für mich schwerer als im höherklassigen Aktivenbereich. Das Profitum ist mein Metier, da fühle ich mich zu Hause, da kenne ich die Mechanismen. Beim Nachwuchs musst du eine ganz andere Sprache wählen, hinzu kommt der Austausch mit den Eltern. Im Männer-Bereich habe ich einfach selbst sehr viel erlebt.
Auch sehr viele Trainer.
Natürlich. Ich hatte Ralf Rangnick, Felix Magath, Matthias Sammer, Armin Veh, Jogi Löw, Jürgen Klinsmann, Rudi Völler, Christian Streich, Juande Ramos in Sevilla oder Gordon Strachan bei Celtic. Da nimmt man von jedem eine Facette mit. Aber ich gehe meinen eigenen Weg.
Sie gelten als ruhig, nicht als der harte Hund.
Das höre ich immer wieder. Aber nur wenige wissen, wie ich als Trainer bin und arbeite. Mag sein, dass ich ein ruhiges Naturell habe, doch schon zu meiner aktiven Zeit habe ich mich auf dem Platz zu einem Spieler verwandelt, der alles gab, bissig sein und auch aus sich herauskommen konnte. Jeder Mensch entwickelt sich auch weiter. In Spanien und Schottland habe ich gelernt, lauter und emotionaler zu werden. Auch davon profitiere ich jetzt als Trainer.
Warum kam es zum Drittliga-Abstieg?
Die Elf kämpfte ja schon in den Jahren zuvor gegen den Abstieg. Immer wieder hatte man aber durch Spieler wie Rausch, Haggui, Sararer, Holzhauser, Rüdiger oder Ginczek und Didavi Qualität von oben bekommen. Letztes Jahr war dies nicht der Fall.
Jetzt geht es in der Regionalliga schon wieder gegen den Abstieg. Was sind die Gründe?
Der VfB hatte nach dem Bundesligaabstieg eine schwere Phase, das brachte vielleicht den einen oder anderen Spieler durcheinander. Manche wussten nicht: Sind sie oben dabei oder bei uns. Manche haben die Regionalliga unterschätzt und dachten, die Gegner spielen wir locker her. Doch die Gegner geben Vollgas. Das ist harter Männersport.
Und jetzt sollen Sie es richten – weil Sie ohnehin auf der Gehaltsliste stehen?
Wie gesagt, ich weiß, dass der Verein auf mich zählt. Mein Fokus liegt darauf, die Jungs besser zu machen.
Befürchten Sie, dass die U 23 aufgelöst wird?
Das wurde in den Medien diskutiert, nicht im Verein. Ich will dazu nur aus eigener Erfahrung sagen, dass mir die Zwischenstation U 23 gutgetan hat.