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Andreas Horvath Gegen den Wind

Von Christiane Neubauer 

Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin durchquerte Andreas Horvath aus Backnang Südamerika von Ost nach West - ein Gespräch.

Die Atacamawüste ist eine der trockensten Landschaften der Erde - sie zu durchqueren, war ein bizarres Erlebnis für Andreas Horvath und seine Lebensgefährtin.  Foto: Horvath
Die Atacamawüste ist eine der trockensten Landschaften der Erde - sie zu durchqueren, war ein bizarres Erlebnis für Andreas Horvath und seine Lebensgefährtin. Foto: Horvath

Warum haben Sie sich gerade für diese Tour entschieden?
Meine Freundin ich hatten im Herbst 2010 beide die Möglichkeit, beruflich eine mehrmonatige Auszeit zu nehmen. Das Winterhalbjahr stand gerade an, deshalb bot sich die Südhalbkugel an. Wir sahen uns die Länder dort genauer an und kamen so auf Argentinien und Chile, denn in beiden Ländern ist die politische Lage stabil, die hygienischen Verhältnisse sind gut, die Kriminalität gering. Beide Länder lockten zudem mit faszinierende Landschaften, und die Strecke über die Anden war genau die Herausforderung, die wir seinerzeit suchten.

Es war für Sie nicht die erste große Radtour. Sie sind auch schon von Wien bis Mumbai geradelt. Was treibt Sie an?
Das Faszinierende am Radreisen ist für mich, wie wenig Dinge man braucht, um lange unterwegs zu sein. Man beschränkt sich auf das Nötigste, wird zum Nomaden. Ich bin in der DDR aufgewachsen, dort war Improvisation lebensnotwendig. Wir haben uns damals manchmal dafür geschämt. Heute hilft es mir enorm bei dieser Form des Reisens. So fühlt sich für mich Freiheit an.

Wie bereiten Sie sich auf so eine Kraftanstrengung vor?
Indem ich regelmäßig Fahrrad fahre. Ich komme auf 5000 Kilometer im Jahr. Ich treibe schon seit Jahren Ausdauersport. Ein bisschen körperlich zu leiden, ist für mich wie das Salz in der Suppe der Lebens.

Der Vortrag über Ihre Südamerika-Reise trägt den Titel „Anden-schnecken“. Warum?
Die Idee kam mir unterwegs, weil wir so langsam diese unendlich langen Pass-Straßen hochgekrochen sind. Aber nicht nur bergauf ging es langsam. Bergab war der Gegenwind so stark, dass wir mit sieben oder acht Stundenkilometern den Berg runtergerollt sind, obwohl man ohne Wind locker 50 Kilometer in der Stunde hätte fahren können.

Welches war das prägendste Erlebnis auf dieser Tour?
Nie vergessen werde ich den ersten Abend in der Atacamawüste. Wir hatten zuvor einen Andenpass in 3400 Meter Höhe überwunden und waren entsprechend geschafft. Wir hatten unser Zelt gerade aufgestellt, als die Sonne unterging und die Landschaft in ein Farbenspektakel tauchte, wie ich es nie zuvor gesehen hatte. Gab es auch gefährliche Situationen, also Erlebnisse, auf die Sie gern verzichtet hätten? Nein, keine einzige brenzlige Situation. Allerdings: Als wir die Pampa durchquerten - das ist eine Steppenlandschaft im Zentrum von Argentinien -, da hatten wir innerhalb einer Woche 15-mal einen platten Reifen, weil dort so viele Dornen herumlagen. Darauf hätte ich gut verzichten können.

Sind Sie auf dieser Strecke Gleichgesinnten begegnet?
Ja, außer uns waren zehn weitere „Radverrückte“ auf dieser Strecke unterwegs.

Welche landestypischen Eigenheiten haben Ihnen besonders gefallen?
Also wirklich beeindruckt war ich von dem Ritual des Mate-Trinkens in Argentinien. Der Mate wird in einer bestimmten Reihenfolge zubereitet. Das ist wie eine Zeremonie. Das Gefäß mit dem Mate wird dann in der Runde herumgereicht. Jeder trinkt aus einer Art Strohhalm so viel er mag. Ist der Becher leer, geht er zurück an den Zeremonienmeister, der neuen Mate aufbrüht. In Argentinien ist das Mate-Trinken ein verbindendes Gemeinschaftserlebnis, das hat mich fasziniert. Übrigens: In Chile gibt es dieses Ritual nicht.

Wie verständigt man sich mit den Menschen dort?
Auf Spanisch. Je besser man Spanisch spricht, desto besser kommt man zurecht.

Sie lassen Interessierte durch Vorträge an Ihrer Reise teilhaben. Was wollen Sie damit erreichen?
Ich möchte anderen durch meine Vorträge die Angst vor dem Fremden nehmen. Außerdem möchte ich aufzeigen, was man durch eigene Kraft alles erreichen kann.

Was raten Sie jemandem, der die Tour nachmachen möchte?
Unbedingt Spanisch lernen. Erwarten Sie nicht, mit offenen Armen empfangen zu werden. Die Menschen in Chile und Argentinien setzen Europäer erst mal mit US-Amerikanern gleich, die sie Gringos nennen und denen sie in der Regel kühl und reserviert begegnen. Und: Im Gegensatz zu Asien waren beide Länder ein recht teures Pflaster. Das Preisniveau lag nur etwa 30 Prozent unter dem in Deutschland.

Was haben Sie persönlich und emotional von dieser Reise mitgenommen?
Für meine Lebensgefährtin und mich war es die erste große Radreise gemeinsam. Wenn man so was zusammen durchmacht, gemeinsam durch dick und dünn geht und sich danach immer noch leiden kann, dann passt es zwischenmenschlich! Diese Erkenntnis schweißt uns bis heute zusammen.

Andreas Horvath wurde 1971 in Thüringen geboren. Seit 2001 erkundet er die Welt mit dem Fahrrad - zunächst auf Urlaubstouren quer durch Europa. 2008/2009 radelte er mit einem Freund nach Indien - die „Velorient-Tour“ begann in Wien und endete nach neun Monaten in Mumbai. 2010 durchquerte er mit seiner Partnerin Argentinien und Chile. Horvath ist Masseur und Physiotherapeut und lebt seit Januar 2012 im baden-württembergischen Backnang. Er berichtet im Rahmen von Multivisionsvorführungen über seine Radreiseerlebnisse. Termine auf seiner Website:

www.velowelten.de

 

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