Angebot der AWO in Göppingen Hilfe für Opfer von Gewalt

In der Göppinger Nordstadt bietet die AWO Frauen, die Opfer von Gewalt geworden sind, in neuen Räumen umfassende Hilfe an. Foto: Giacinto Carlucci

Gewalt gegen Frauen – sie ist trauriger Alltag. Die Arbeiterwohlfahrt bietet diesen Frauen mit einem neuen Angebot umfassende Unterstützung und Begleitung.  In der Göppinger Nordstadt ist für sie ein Rückzugsraum entstanden.

Göppingen - Dieses Angebot gibt es so bislang nicht.“ Sonja Elser strahlt regelrecht, als sie durch das Dachgeschoss des Hauses der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in der Göppinger Nordstadt geht. In den vergangenen Monaten ist dort ein Rückzugsraum für Frauen entstanden, die Gewalt, auch sexueller Gewalt ausgesetzt sind – durch ihre Ehemänner, durch Zuhälter, durch Freier.

 

Freundliche Räume sind funktional ausgestattet mit neuen Möbeln, Schrank, Bett, Schreibtisch und Stuhl – die Ausstattung wurde von zahlreichen Göppinger Unternehmen weitgehend gespendet. Eine Gemeinschaftsküche und ein einladend eingerichteter Gemeinschaftsraum gehören zu diesem Wohnangebot für maximal sechs Frauen und ihre Kinder.

Diese Kriseninterventionsunterkunft ist aber weit mehr als nur ein Dach über dem Kopf für Frauen, die auch im Landkreis Göppingen oft über Jahre hinweg brutaler Gewalt ausgesetzt sind. „Wir werden sie begleiten“, erläutert die Geschäftsführerin der Arbeiterwohlfahrt. Es war die Begegnung mit einer Frau während des Lockdowns, die von ihrem Mann krankenhausreif geschlagen worden war und nach ihrer Entlassung nicht wusste, wohin. Sie fand spontan Aufnahme im Haus der AWO. Dann aber begann ein Behördenmarathon, der Gang zu ganz unterschiedlichen Beratungsstellen, den die Betroffene niemals hätte alleine bewältigen können.

„Jedes Mal aufs Neue zu erzählen, was passiert ist, das schaffen diese zutiefst traumatisierten Frauen kaum“, sagt die Geschäftsführerin der AWO und blickt diesbezüglich auf eine langjährige berufliche Erfahrung zurück. Sie hat deshalb gemeinsam mit ihrem Team das Konzept für das Projekt „Hera“ entworfen, das bis Ende des nächsten Jahres weitgehend von der EU finanziert wird. Frauen, die im AWO-Haus Aufnahme finden, die vor Gewalt und Ausbeutung fliehen, werden umfassend begleitet, egal, ob bei Behördengängen, in Beratungsstellen oder bei der Jobsuche. Dabei gehe es nicht darum, ihnen alle Entscheidungen und Verantwortungen abzunehmen. Diese können die über Jahre Gewalt und Zwangshandlungen ausgesetzten Frauen zunächst gar nicht selbst tragen. Vielmehr soll mit ihnen gemeinsam ein Weg zurück in ein selbstbestimmtes, eigenständiges Leben entwickelt werden. Das komplexe Angebot umfasst ganz unterschiedliche Aspekte.

Dazu zählen Kochkurse ebenso wie Schulungen zum Umgang mit Geld. Viele dieser Frauen müssen sich erst wieder an eine Tagesstruktur gewöhnen und lernen, in einer Gemeinschaft zu leben. Zum Angebot werden auch Sprachkurse gehören. Denn insbesondere die Zwangsprostituierten, die den Ausstieg wagen, kommen fast ausschließlich aus dem Ausland, sind oftmals schon in jungen Jahren nicht nur schwer traumatisiert, sondern auch körperlich beeinträchtigt. Wollen sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder zurück in ihre Heimatländer, gibt es auch dabei Begleitung – wenn gewünscht.

Das neue Angebot sieht Sonja Elser als Ergänzung zu bestehenden Einrichtungen wie dem Frauenhaus. „Wir kooperieren eng miteinander. Wir werden aber auch Frauen aufnehmen, die dort keinen Platz finden, etwa wenn eine Suchtproblematik vorliegt.“

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„Am Ende des Projektzeitraums muss stehen, dass Hera ein dauerhaftes Angebot wird“, stellt Sonja Elser fest. Politisch hat sie noch ein ganz anderes Ziel vor Augen: „Wir brauchen das nordische Modell.“ Es bezeichnet ein Verbot der Prostitution, das die Kunden kriminalisiert. „Es muss verpönt sein, dass ein Geschlecht ein anderes kaufen kann. Dazu gehören auch ganz viel Prävention und Aufklärung.“ Sie ist überzeugt davon, dass sich das soziale Hilfesystem neu aufstellen muss. „Das hat die Coronazeit gezeigt. Hilfe muss generell umfassender werden.“

Benannt nach der Frau des Zeus

Göttin
 Das Projekt ist nach der griechischen Göttin Hera, der Frau des Zeus, benannt. „Sie ist die Göttin der Ehe, des Herdes und der Familie und die Schutzpatronin der Ehefrauen und der Kinder. Für uns ist sie die Starke und Schutzpatronin. Her steht im Englischen für sie, das A für unser Haus“, erklärt Sonja Elser.

Kontakt
 Frauen in Not werden zu jeder Tages- und Nachtzeit in der Kriseninterventionsunterkunft aufgenommen, Telefon: 01 76/17 30 33 40. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.hera-gp.de  

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