ZF, das Stiftungsunternehmen vom Bodensee und der Zulieferer TRW aus den USA ergänzen sich gut, sagen Experten. Dennoch gibt es Überschneidungen.

Stuttgart - Die Mitarbeiter haben die Nachricht aus den Medien erfahren. ZF hat darin sein Interesse an der Übernahme des US-Wettbewerbers TRW bestätigt. Auch der US-Zulieferer hatte gemeldet, ein Übernahmeangebot erhalten zu haben, ohne allerdings Namen zu nehmen. Sollte die Fusion gelingen, entsteht einer der weltgrößten Zulieferer mit einem Umsatz von rund 30 Milliarden Euro und 138 000 Mitarbeitern. Zum Vergleich: Bosch setzt in der Kraftfahrzeugtechnik mit gut 178 000 Beschäftigten 30,7 Milliarden Euro um.

 

„Die Beschäftigten haben positiv auf die Nachricht reagiert“, sagt ein ZF-Sprecher am Stammsitz in Friedrichshafen. Sie sähen, begründet er die Zuversicht, dass Konzernchef Stefan Sommer seinen Worten Taten folgen lässt. Sommer hat als Ziel ausgegeben, den Umsatz bis 2025 auf 40 Milliarden Euro mehr als zu verdoppeln, zusätzlich will er den Bereich des autonomen Fahrens aufbauen. Ohne Übernahmen wäre dies wohl kaum zu schaffen. Erst vor kurzem hat der Internetkonzern Google ein eigenes, automatisch fahrendes Auto ohne Lenkrad präsentiert und damit den Wettlauf in diesem Geschäft angeheizt. TRW hat ein wichtiges Standbein im Bereich Fahrerassistenzsysteme und Sicherheit im Auto.

An anderen Standorten wie Schwäbisch Gmünd hat sich dagegen Verunsicherung unter der Belegschaft breit gemacht. Schwäbisch Gmünd ist der Sitz der ZF Lenksysteme, die zu je 50 Prozent ZF und Bosch gehören. Was wird, wenn nicht nur die Tochter, sondern auch der Mutterkonzern Lenksysteme anbietet?, fragen sich die rund 5800 Beschäftigte am Standort. TRW ist nämlich bei Lenkungen auch ein bedeutender Marktteilnehmer. Eine befriedigende Antwort darauf werden die Beschäftigten derzeit allerdings noch nicht erhalten. Denn die Verhandlungen mit TRW seien noch am Anfang, sagt der ZF-Sprecher. Ob und wann sie erfolgreich abgeschlossen werden können, sei derzeit unklar. Dem Vernehmen nach prüft ZF die Bücher von TRW; bestätigt wird das aber nicht. Immerhin: Bosch wurde von den Kaufabsichten nicht überrascht, der Stuttgarter Zulieferer sei – wohl anders als die Geschäftsleitung in Schwäbisch Gmünd – von seinem Jointventure-Partner vorab informiert worden. Welche Auswirkungen eine mögliche Fusion auf ZF Lenksysteme habe, ist unklar: „Das muss mit Bosch geklärt werden“, sagte der Sprecher.

Beide Unternehmen ergänzen sich gut

„Beide Unternehmen (ZF und TRW) passen sehr gut zusammen“, urteilt Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach. „Es entsteht ein Unternehmen mit Zugkraft, dass es mit Bosch und Conti aufnehmen kann“. Auch der Autoexperte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler sieht eine mögliche Fusion positiv: „Der Schritt wäre mutig, aber absolut richtig“, sagte Pieper der dpa.

Die Unternehmen ergänzen sich unter regionalen Gesichtspunkten gut: TRW ist stark im amerikanischen Markt, während ZF immer noch rund 53 Prozent seines Umsatz in Westeuropa erzielt. Sie passen aber auch von der Produktseite her zusammen. ZF ist stark in der Antriebs- und Fahrwerkstechnik, während TRW gut aufgestellt ist bei Sicherheitsprodukten wie Airbags, die etwa in Alfdorf bei Schwäbisch Gmünd (1700 Beschäftigte) gefertigt werden, bei Gurten, Brems- und Fahrerassistenzsystemen. Überschneidungen gibt es dennoch – vor allem bei Lenksystemen, ein für beide Konzerne bedeutender Bereich.

Mit Problemen bei den Kartellbehörden rechnet Autoexperte Bratzel eigentlich nicht: Es gebe noch einige große Wettbewerber. Eine fusionierte ZF/TRW dürfte daher keine marktbeherrschende Stellung haben. Bei ZF hat man sich um dieses Thema anscheinend noch nicht gekümmert: „Das ist viel zu früh“, sagt der Sprecher.

Ähnliches gilt für die Finanzierung. Die Kriegskasse des Stiftungsunternehmens vom Bodensee ist zwar gut gefüllt – Ende April betrug das Guthaben auf dem Konto 1,9 Milliarden Euro. Für die Übernahme dürfte dies freilich bei weitem nicht ausreichen. Der US-Zulieferer, der nahe Detroit sitzt, wird an der Börse mit elf Milliarden Dollar (gut acht Milliarden Euro) bewertet. Ohne Banken wird es deswegen nicht gehen. Aber von der Seite dürften kaum Schwierigkeiten zu erwarten sein; schließlich gilt ZF als finanziell solide. Allerdings: Auch wenn die Zinsen niedrig sind, würde eine solche Transaktion die ZF auf Jahre hinaus erheblich belasten, warnen Experten.

Die Unternehmen und ihre Standorte

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