Angele-Villa Der Abriss war nicht zu verhindern

Von Rudi Fritz 

Die Jugendstilvilla an der Badstraße in Heilbronn wurde abgerissen, um einer Zufahrt zum Kaufhaus Kaufland Platz zu machen.

Die Villa, die einst der Familie Angele gehörte, gibt es nicht mehr. Foto: Fritz
Die Villa, die einst der Familie Angele gehörte, gibt es nicht mehr. Foto: Fritz
Heilbronn - Die Stadt hat ihren "Aufreger" - und wieder geht es um die Zerstörung eines Stücks prägender Architektur in Heilbronn. Dass ausgerechnet eine Firma, die zum Firmenimperium des Ehrenbürgers und großzügigen Stifters Dieter Schwarz gehört, sich an dem Gebäude Badstraße 64 am Neckarufer vergreift und es abreißen lässt, macht die Aufregung dabei eher noch größer. Die gelbe Villa, eines der wenigen noch erhaltenen Heilbronner Bauwerke aus dem vergangenen Jahrhundert, wurde im Rahmen einer Arrondierung der gesamten Kaufland-Anlage in der Heilbronner Bahnhofvorstadt abgerissen.

Zum Jahreswechsel war das Haus deshalb gekauft worden, wie eine Sprecherin des Unternehmens Lidl & Schwarz erklärte. Darüber hinaus sagte sie, dass man hier auch über 200 Arbeitsplätze "zusammengeführt" habe. Das markante Eckhaus stand unmittelbar vor der Warenanlieferung des Handelshofes sowie vor dem internationalen Bemusterungszentrum der Kaufland Dienstleistung GmbH & Co. KG, die in den letzten anderthalb Jahren ihre Zentrale mit Einkauf, Vertrieb und Verwaltung nach Heilbronn verlegte. Der Abriss der sogenannten Angele-Villa wird aber von vielen Heilbronnern als brutal empfunden und führt zu zornigen Kommentaren.

Eines der letzten Zeugnisse alter Architektur


Die gelbe Villa war 1925 von Architekt Hermann Steus für die Heilbronner Unternehmerin Berta Angele gebaut worden, deren Familie hier bis 1944 eine Wäscherei mit viel frequentierter "Mangelstube" betrieben hatte. Der Name Angele war ein Begriff in Heilbronn und die gelbe Villa an der Heilbronner Badstraße, unmittelbar am innerstädtischen Neckarufer gelegen, war eines der letzten Zeugnisse dafür, wie in Heilbronn früher gebaut wurde.

Der Agenda-Aktivist und Architekt Claus Kohout spricht von einem im Allgäu und in Oberschwaben üblichen neobarocken Baustil. Seiner Ansicht nach hätten Treppenhaus, Kamin, Holzvertäfelungen und Stuck sowie andere handwerklich hochwertige Details es verdient, vor der Abrissbirne bewahrt zu werden. Versuche der Bürgerbewegung Lokale Agenda 21, das Haus zu retten, kamen zu spät oder waren vergeblich.

Bereits Mitte Dezember hatten Beamte der beim Regierungspräsidium Stuttgart angesiedelten Denkmalbehörde vor Ort festgestellt, dass es sich bei der Villa "nicht um ein Kulturdenkmal nach baden-württembergischem Denkmalschutzgesetz handelt". Der Denkmalschützer Joachim Hennze vom Baurechtsamt erklärte, im Inneren des Hauses sei zu viel verändert worden, deshalb habe es keinen Grund gegeben, den Abriss abzulehnen.