Angeschlagener Daimler-Zulieferer Insolvenz soll die Rettung bringen

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Der Chef zog sich wegen Korruptionsermittlungen zurück, die Firma wurde umbenannt – doch nun hat der Industrieausrüster Ecoplant Insolvenz angemeldet. Ziel ist eine dauerhafte Sanierung.

Bis zur Auftragssperre war Ecoplant Ausrüster von Daimler-Werken. Foto: Achim Zweygarth
Bis zur Auftragssperre war Ecoplant Ausrüster von Daimler-Werken. Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - Der Firmenchef bediente sich beim Schöpfer des „kleinen Prinzen“, Antoine de Saint-Exupery: „Die Zukunft soll man nicht voraussehen, sondern möglich machen“, zitierte Alexander Weis den Schriftsteller, als er sich im Herbst 2012 per Rundbrief von der Belegschaft der Weis Industries verabschiedete. Aus der Führung der Waiblinger Firmengruppe werde er sich „komplett zurückziehen“, die beiden künftigen Geschäftsführer genössen sein „vollstes Vertrauen“. Mit neuem Management und Namen – aus Weis Industries wurde damals Ecoplant – werde die Gruppe nach bewegten Zeiten wieder „dauerhaft erfolgreich“ sein.

Die Zukunft sah der einst geschäftsführende Gesellschafter und Sohn des Firmengründers Edmund Weis in der Tat nicht voraus. Nur knapp acht Monate währte die Zeit der neuen Führung bei dem Industrieausrüster, der früher einmal mehr als 500 Mitarbeiter beschäftigte (siehe Infokasten). Inzwischen hat ein Insolvenzverwalter, Martin Mucha aus der Kanzlei Grub Brugger, die Regie bei Ecoplant übernommen. Mitte Mai meldeten die Ecoplant Holding und die Ecoplant Energy beim Amtsgericht Stuttgart Insolvenz an, Ende Mai folgte in Lübeck die Tochter Ecoplant Filtration. Eine weitere Tochter, Ecoplant Automation, gehört inzwischen zu einer anderen Unternehmensgruppe. Der Geschäftsbetrieb der anderen Unternehmen gehe unverändert weiter, berichtet Mucha. Etwa 160 der verbliebenen 300 Mitarbeiter seien von der Insolvenz betroffen.

Das Ziel ist die dauerhafte Sanierung

Vom ganz speziellen Hintergrund der Turbulenzen war in der ersten Pressemitteilung noch keine Rede. Die Unternehmensgruppe setze „die von ihr eingeleitete Restrukturierung konsequent fort“, hieß es darin. Dazu sei es notwendig geworden, Insolvenzverfahren für die Holding und die Energy-Tochter einzuleiten. Zusammen mit dem Rechtsanwalt Mucha solle „ein Fortführungskonzept für die insolventen Gesellschaften erarbeitet werden, das eine dauerhafte Sanierung der (. . .) betroffenen Geschäftsbetriebe“ gewährleiste. Bereits vor dem Insolvenzantrag habe die Holding einen Sanierungsexperten zum Geschäftsführer bei Ecoplant Energy bestellt. Noch ist Mucha nach eigenen Angaben vollauf damit beschäftigt, „die laufenden Geschäftsbetriebe der insolventen Gesellschaften wieder zu stabilisieren“. Des­wegen könne er zur Frage, inwieweit ein Korruptionsverdacht und laufende Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Ursache der Probleme seien, „heute noch nichts sagen“. Doch der Zusammenhang ist auch so offenkundig.

In Gang kam das Verfahren bereits 2010 durch einen Hinweis an die Daimler AG, bei der Vergabe von Aufträgen an Weis Industries gehe es nicht mit rechten Dingen zu. Der Autokonzern sah die Vorwürfe durch eine interne Prüfung erhärtet und schaltete die Staatsanwaltschaft ein. Die ermittelt seither gegen Verantwortliche von Daimler und des Zulieferers wegen des Verdachts auf Bestechlichkeit und Bestechung im geschäftlichen Verkehr. Daimler-Leute, so vereinfacht der Vorwurf, sollen Weis Industries bei Aufträgen bevorzugt und überhöhte Rechnungen akzeptiert haben. Im Gegenzug hätten sie Belohnungen erhalten, etwa in Form von fingierten Aufträgen für eine Werbeagentur, die einst der Ehefrau des Daimler-Projektleiters gehörte.