In Hinblick auf das Haushaltsjahr 2026 wird man auch in Hochdorf den Gürtel enger schnallen müssen.

Der Blick auf den Hochdorfer Haushalt für das Jahr 2026 fiel den Mitgliedern des Verwaltungsausschusses sicherlich nicht leicht. „Es ist so schlecht wie seit vielen Jahren nicht mehr“, sagte Bürgermeister Gerhard Kuttler. Damit sei die Gemeinde jedoch nicht allein, im gesamten Landkreis und auch im Land sei die finanzielle Lage der Kommunen stark angespannt. Bereits in diesem Jahr wird die Gemeindeverwaltung voraussichtlich etwa 830 000 Euro aus den Rücklagen entnehmen müssen, um den Haushalt zu finanzieren.

 

Auch für das kommende Jahr erwartet man in Hochdorf keine nennenswerte Besserung. „Wir sehen im Moment keine Impulse nach oben“, sagte Kuttler. Gründe hierfür sind unter anderem ein weiterhin eher niedriges Gewerbesteueraufkommen, eine Steigerung der Verwaltungskosten und eine geplante Erhöhung der Kreisumlage. Laut der Gemeindeverwaltung sei es absehbar, dass Investitionen, die nicht durch Fördermittel gedeckt seien, künftig über Kredite finanziert werden müssten. Aktuell rechne man für die Jahre 2026 bis 2029 mit Kreditaufnahmen in Höhe von 11,2 Millionen Euro.

Eine der größten Investitionen der kommenden Jahre ist die Sanierung und Erweiterung des Schulpavillons der Breitwiesenschule. Insgesamt 2,8 Millionen Euro sind hier für das Jahr 2026 eingeplant, wobei ein Teil durch Fördermittel finanziert wird. Zusätzlich wurden nun im Verwaltungsausschuss auch einige Anträge der Schulleitung besprochen. Eine von der Schulleitung gewünschte neue Telefonanlage für die Schule soll es zunächst nicht geben. Jedoch habe die Gemeinde das Thema im Blick. „Wir haben uns überlegt, ob wir die Telefonanlage zusammen mit der Sanierung des Pavillons angehen sollen“, erklärte Kuttler.

Auch beim Antrag zu Klimaanlagen in den Klassenzimmern will die Gemeinde zunächst abwarten. Der Verwaltungsausschuss habe vorgeschlagen, zunächst ein Jahr lang die Temperaturen in den Klassenzimmern zu messen und anhand der Ergebnisse geeignete Maßnahmen zu treffen, erklärte Kuttler. Vor allem in der aktuell schwierigen Lage müsse genau auf die Investitionen geschaut werden.

Breitwiesenschule bekommt Tablets

Um den Unterricht zu unterstützen, hat der Verwaltungsausschuss jedoch dem Kauf von fünf neuen Tablets zugestimmt. „Es war klar, dass wir die brauchen werden“, sagte Kuttler. Hintergrund sei, dass die Breitwiesenschule im aktuellen Schuljahr eine zusätzliche erste Klasse habe und deshalb die bereits vorhandenen Tablets nicht mehr ausreichen. Zwar sei die Schülerzahl über die Jahre stets schwankend, jedoch wolle man vorbereitet sein, sagte Kuttler.

Auch die Bücherei hatte im Verwaltungsausschuss Mittel in Höhe von 10 000 Euro beantragt, um nach dem Umzug in den Schulpavillon die neuen Räumlichkeiten ausstatten zu können. Die Finanzierung neuer Sitzgelegenheiten, Tische und Büroausstattung sowie einer Leinwand und einer sogenannten Sitztreppe sei auf das Haushaltsjahr 2027 verschoben worden, sagte Kuttler. Man werde die Mittel dann bereitstellen, wenn der Umzug auch tatsächlich stattfinde, erklärte er.

Mit gleich mehreren Anträgen trat die Freiwillige Feuerwehr Hochdorf an den Verwaltungsausschuss heran. Der Antrag auf einen zweiten sogenannten Vegetationsbrandbekämpfungs-Satz für insgesamt 6000 Euro fand im Verwaltungsausschuss keine Mehrheit. „Die Empfehlung des Kreisbrandmeisters für diese Ausstattung liegt bei einem Satz für unsere Wache. Deshalb gehen wird nicht darüber hinaus“, begründete Kuttler die Entscheidung.

Digitalisierung der Feuerwehr

Bei den Digitalisierungsbemühungen der Feuerwehr sieht es anders aus. Für insgesamt etwa 35 000 Euro wird das Feuerwehrhaus mit Tablets sowie einem digitalen Einsatzstellenfunk ausgerüstet. In den nächsten zwei bis drei Jahren würde dieser Schritt sowieso auf die Gemeinde zukommen, erklärte Kuttler. Da sei es gut, jetzt zu entscheiden, da die Geräte in den nächsten Jahren eventuell teurer werden würden, fügte er hinzu. Vor allem in Katastrophensituationen wie bei Hochwasser seien die Tablets sinnvoll, da Wetterdaten direkt aufgerufen und weiterverarbeitet werden könnten.

Auch für die drei Kinderhäuser und den Waldkindergarten bewilligte der Verwaltungsausschuss diverse Anträge. Hierbei handle es sich jedoch vor allem um den routinemäßigen Austausch von Einrichtungsgegenständen und Spielgeräten, erklärte Bürgermeister Kuttler.

Sparen und nur das Nötigste finanzieren – das ist das Motto für das kommende Haushaltsjahr in Hochdorf. „Wir machen hier keine großen Sprünge“, sagte Kuttler. Nun hoffe er auf einen Wirtschaftsaufschwung und auf die Unterstützung von Land und Bund.

Klamme Kassen

Kommunalfinanzen
Laut der Bertelsmann-Stiftung haben Kommunen in Deutschland im Jahr 2024 das bislang größte Defizit in der Geschichte der Bundesrepublik verbucht. Das Finanzierungssaldo lag knapp 25 Milliarden Euro im Minus.

Besserung
Für 2026 rechnet das ifo-Institut in Deutschland mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 1,3 Prozentpunkte. Bei der Inflationsrate geht das Institut von einem leichten Rückgang um 0,1 Punkte auf 2,1 Prozent aus.

Bundesmilliarden
Über das von der Bundesregierung beschlossene Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität sollen insgesamt 100 Milliarden Euro an die Länder und Kommunen fließen. In Baden-Württemberg sollen zwei Drittel des Anteils – etwa 8,75 Milliarden Euro – direkt an die Kommunen weitergegeben werden.