Die Kliniken in Kirchheim und Nürtingen verschieben planbare Operationen. In Ruit und in Esslingen läuft der Betrieb zwar weiter, aber Ausfälle wegen Krankheit häufen sich auch da.

Die Corona-Welle hat in den Medius-Kliniken im Kreis Esslingen drastische Konsequenzen. Wegen steigender Corona-Fallzahlen und weil immer mehr Mitarbeiter selbst erkranken, sind planbare Eingriffe an den Häusern in Kirchheim und Nürtingen zunächst bis zum 24. Juli ausgesetzt. „Tumorpatientinnen und -patienten werden weiter behandelt“, sagt Jan Schnack, Pressesprecher der Medius-Kliniken. Und auch am Esslinger Klinikum sind noch keine Operationen wegen Personalmangels abgesagt. Doch auch da ist die Lage angespannt.

 

Bundesweit lag die Corona-Inzidenz am Freitag bei 719,2. Trotz dieser Entwicklung aber tragen immer weniger Menschen eine Maske – obwohl das Robert-Koch-Institut dringend dazu rät, auf den Atemschutz in Innenräumen nicht zu verzichten. Und auch die Reisebranche hat wieder Hochkonjunktur. Etliche Urlauber stecken sich dann im Urlaub an. Der Grund für die steigenden Infektionszahlen ist die Omikron-Variante BA.5.

Personalausfälle in allen Branchen

Wie andere Branchen ist auch das Gesundheitswesen von Ausfällen betroffen. Das gab es immer wieder in früheren Corona-Wellen, wie sich viele erinnern. Nun bekommen es die Medius-Kliniken in Kirchheim und in Nürtingen zu spüren. „Notfälle werden ambulant und stationär vollumfänglich rund um die Uhr versorgt. Auch die Geburtshilfe nimmt Patientinnen auf“, versichert Jan Schnack. In der dritten Klinik des Verbunds, in Ruit, läuft der Betrieb ohne Abstriche weiter. „In Ruit stehen keine Einschränkungen im Gesamtbetrieb an“, sagt Iris Weichsel, die Sprecherin der Medius-Kliniken. Vor einigen Tagen sei die Lage auch an den Kreiskliniken in Nürtingen und Kirchheim noch nicht so dramatisch gewesen, blickt Jan Schnack zurück. Dann aber seien viele Krankmeldungen von Mitarbeitern gekommen, die Lage habe sich zugespitzt: „Das kann schnell gehen.“

Außerdem werden in den Medius-Kliniken etliche Kranke behandelt, die an Covid-19 leiden. Bei vielen von ihnen ist die Infektion nur eine Nebenerkrankung. Sie werden isoliert und dürfen vom Personal nur in Schutzkleidung behandelt werden. Daher ist der Pflegebedarf da deutlich größer. Insgesamt befanden sich am Freitag 83 Patientinnen und Patienten mit einer Covid-19 Infektion in den Kliniken in stationärer Behandlung“, sagt Weichsel. Vier dieser Patienten benötigten eine intensivmedizinische Betreuung – einer werde beatmet.

Mehr Personalausfälle als sonst im Sommer

Gibt es die Möglichkeit, im Verbund Personal umzuschichten? „Selbstverständlich nutzen wir unsere Organisation im Klinikverbund in solchen Situationen“, sagt Weichsel. Allerdings sei die Lage aktuell an allen Klinikstandorten angespannt. Die Medius-Kliniken verzeichnen nach ihren Worten aktuell eine deutlich höhere Personalausfallquote, als dies sonst im Sommer der Fall sei.

Die Sprecherin der Medius-Kliniken sieht die Gründe für den Anstieg der Inzidenzen auch darin, dass die Menschen wieder sorgloser werden: „Die Folgen der Aufhebung der Maskenpflicht im öffentlichen Raum führt zu einer deutlich höheren Anzahl grippaler Erkrankungen als sonst in dieser Zeit üblich.“ Hinzu kämen in allen Bereichen Corona-Infektionen beim Personal – „viele von Reiserückkehrern, die sich am Urlaubsort infiziert haben.“ Dieser hohen Ausfallquote steht nach Weichsels Worten eine hohe Belegung in den Häusern gegenüber.

Schwieriger Umgang mit der Krise

Im Esslinger Klinikum läuft der Betrieb noch nach Plan. „Das bedeutet aber nicht, dass die Lage nicht auch bei uns angespannt wäre“, sagt die Pressesprecherin Anja Dietze. Dort laufen zwar die planbaren Operationen weiter. Aber auch dort fallen immer wieder Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wegen Krankheit aus. Gerade bei den Reiserückkehrern komme das immer wieder vor. 14 Patientinnen und Patienten mit Covid-19 werden dort behandelt, von ihnen werde aber niemand beatmet. „Bereits seit zwei Jahren gehen wir mit der Krise um“, schildert die Pressesprecherin der Esslinger Klinik die Lage. Wegen Personalmangels musste das städtische Krankenhaus einzelne Stationen schließen und die Patientinnen und Patienten anderweitig im Haus unterbringen. Das sei zwar eine organisatorische Herausforderung, habe sich aber immer regeln lassen.

„Die Menschen werden sorgloser“, beobachtet auch Anja Dietze in ihrem Alltag. Das könne sie einerseits nach der langen Zeit der Beschränkungen wegen der Corona-Pandemie gut verstehen. Andererseits sei die aktuelle Welle hoch ansteckend. „Ohne den Schutz durch die Maske ist die Gefahr, zu erkranken, deutlich höher.“